Bilanzfälschungen MAN verklagt Daimler-Tochter
München/Stuttgart - "Wir haben Klage auf Schadenersatz vor dem Commercial Court in London eingereicht", sagte ein MAN-Sprecher am Montag in München. Die Klage richtet sich gegen Freightliner, die US-amerikanische Nutzfahrzeug-Tochter des DaimlerChrysler-Konzerns. Zur Höhe der Forderung machte der Sprecher keine Angaben. Sie dürfte sich aber wohl auf rund 300 Millionen Pfund (etwa 477 Millionen Euro) belaufen.
Bei dem Rechtsstreit geht es um die britische MAN-Tochter ERF. MAN hatte ERF für 110 Millionen Pfund von der kanadischen Nutzfahrzeugfirma Western Star übernommen. Western Star war wiederum im Jahr 2001 von Freightliner gekauft worden. Mitte 2001 hatte MAN bei der ERF massive Bilanzfälschungen aufgedeckt und unter anderem Unternehmenschef John Bryant umgehend gefeuert. Die Bilanzmanipulationen bei ERF reichen nach Angaben von MAN in die Zeit zurück, in der die Daimler-Tochter bei ERF den Ton angab.
Die Erfolgsaussichten für die Schadenersatzklage sind nach den Worten des MAN-Sprechers gut. "Wir sind zuversichtlich." Ein Sprecher von DaimlerChrysler erklärte in Stuttgart, man kommentiere laufende Rechtsverfahren nicht.
Mit der Klage wird offensichtlich, dass sämtliche Versuche, sich gütlich zu einigen, gescheitert sind. MAN-Chef Rudolf Rupprecht hatte bereits im August bezweifelt, dass eine Einigung möglich sei. Falls es zu einem Verfahren komme, werde sich dieses aber voraussichtlich über Jahre ziehen, hatte er hinzugefügt.
ERF belastet den MAN-Konzern seit dem Kauf mit hohen Verlusten. Auch für das kommende Jahr rechnet MAN mit einem Verlust von 30 bis 40 Millionen Euro bei der britischen Gesellschaft. 2001 lag das Minus vor Steuern sogar bei 93 Millionen Euro.