Bilanzierung Staatsanwälte durchsuchen MLP
Heidelberg/Mannheim - Nach Angaben des Leiters der Abteilung Wirtschaftskriminalität bei der Mannheimer Staatsanwaltschaft stehen die Durchsuchungen in der Heidelberger Zentrale im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren gegen den Vorstand der MLP AG . Geprüft werde, ob die Verhältnisse der Kapitalgesellschaft in Jahresabschlüssen falsch dargestellt seien. Die Aktie von MLP stürzte nach der Meldung ab. Der Titel verbuchte Verluste von mehr als 22 Prozent auf 20,10 Euro.
Ein MLP-Sprecher sagte, es gebe "eine anonyme Anzeige zum Thema Rückversicherungsgeschäft". Das Unternehmen sehe der Überprüfung jedoch absolut gelassen entgegen und fühle sich von einem neuen Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young bestätigt.
Ein intimer Kenner der Mannheimer Staatsanwaltschaft sagte dagegen im Gespräch mit manager-magazin.de: "Die Anzeige muss sehr substantiell sein. Sonst hätte sich die Staatsanwaltschaft nicht bewegt."
MLP wies Vorwürfe der Bilanztrickserei stets zurück
Bereits Mitte Mai hatte ein Bericht des Anlegermagazins "Börse Online" über angebliche Bilanzierungstricks im Rückversicherungsgeschäft den Börsenwert der im Dax notierten MLP deutlich gedrückt. Unter anderem hatte "Börse Online" dem Finanzdienstleister vorgeworfen, über das Rückversicherungsgeschäft hohe Schulden außerhalb der Bilanz aufgebaut zu haben. MLP hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
In dem Gutachten von Ernst & Young werde MLP bescheinigt, rechtlich und wirtschaftlich einwandfrei gehandelt zu haben, sagte der MLP-Sprecher. Die mehrfach geäußerten Vorwürfe, die Gewinne seien zu Lasten künftiger Erträge aufgebläht, seien "völlig haltlos".
"Börse Online" hatte vergangene Woche in einem anderen Streit mit MLP eingelenkt. Das Magazin will nicht mehr behaupten, dass MLP den Quartalsüberschuss im ersten Quartal 2002 in der Kapitalflussrechnung doppelt berücksichtigt habe. Eine entsprechende Unterlassungserklärung gab "Börse Online" am vergangenen Donnerstag in der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht Frankfurt ab.