Bilanzpolitur: Middelhoff will Mehrheit bei Thomas Cook - DER SPIEGEL
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Bilanzpolitur Middelhoff will Mehrheit bei Thomas Cook

Der angeschlagene KarstadtQuelle-Konzern strebt laut Zeitungsberichten die Mehrheit an dem gemeinsam mit der Lufthansa betriebenen Reiseanbieter Thomas Cook an. Vorstandschef Thomas Middelhoff wolle mit diesem Schritt die Bilanz des Warenhaus- und Versandhandelskonzerns verschönern.
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Essen - In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, KarstadtQuelle wolle sich von seinen Anteilen an Europas zweitgrößtem Touristikkonzern trennen. Nach Darstellung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" will Middelhoff aber Thomas Cook im Gegenteil in das eigene Zahlenwerk einbinden. Damit könne KarstadtQuelle auf einen Schlag einen um fünf Milliarden Euro erhöhten Umsatz ausweisen. "Das würde die Grundkonstruktion der Bilanz völlig ändern und wäre ein weiterer Baustein hin zu einer besseren Performance", zitiert das Blatt einen mit dem Vorhaben vertrauten Experten.

Gespräche auf formeller Ebene mit der Lufthansa wurden dem Bericht zufolge noch nicht aufgenommen. KarstadtQuelle würde ein zusätzlicher Anteil von 0,1 Prozent genügen, um Thomas Cook in der eigenen Bilanz konsolidieren zu können. Ein KarstadtQuelle-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Lufthansa-Sprecher sagte, es gebe derzeit keine Gespräche mit KarstadtQuelle. Die Fluggesellschaft habe auch nicht die Absicht, die Gesellschaftersituation bei Thomas Cook zu verändern.

Fitness-Studios verkauft

Der nach TUI zweitgrößte deutsche Touristikkonzern kommt seit Jahren nicht aus den roten Zahlen. Im vergangenen Jahr verbuchte Thomas Cook bei einem Umsatz von 7,5 Milliarden Euro einen Verlust von 176 Millionen Euro. Die beiden Gesellschafter wollen Thomas Cook bis spätestens 2007 wieder profitabel machen.

Middelhoff hat die erste Sanierungsphase des Konzerns für beendet erklärt, nachdem das Essener Unternehmen 74 der kleineren Karstadt-Warenhäuser sowie die Mode- und Sportfachgeschäfte SinnLeffers und Runners Point an Finanzinvestoren verkauft hatte.

Angeblich droht jetzt einigen der verkauften Warenhäuser entgegen der Darstellung Middelhoffs doch das Aus. "Das bisherige Management hat bereits die Schließung von sieben Häusern beschlossen, und das werden wir umsetzen", sagte der Chef der Investor-Firma Hilco, Paul McGowan, dem "Focus". Der Konzernsprecher sagte dazu, der ursprüngliche Plan, die Filialen zu schließen, sei vom Tisch. McGowan werde sich nicht in die Geschäftsführung einmischen und alle Entscheidungen des deutschen Managements mittragen.

Den Verkauf seiner Fitness-Studios hat der Konzern offenbar weitgehend abgeschlossen. Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" übernehmen niederländische Investoren sechs Fitness-Center in Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 200 Beschäftigten und etwa 20 000 Mitgliedern. KarstadtQuelle hat bislang neun Studios betrieben. Die verbliebenen drei Filialen sollen in den kommenden Tagen verkauft werden.

Christian Ponzel, ddp