Bilanzprobleme: Royal Dutch Shell wirft seinen Chef raus - DER SPIEGEL
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Bilanzprobleme Royal Dutch Shell wirft seinen Chef raus

Bei dem als träge und verknöchert geltenden Energiekonzern Royal Dutch Shell mahlen die Mühlen langsam, aber dennoch gründlich. Wegen eines Bilanzskandals vor zwei Monaten musste Konzernchef Phil Watts jetzt seinen Hut nehmen.
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London - Watts und der Chef des Kerngeschäfts mit Öl und Gas, Walter van de Vijver, räumten mit sofortiger Wirkung ihre Posten, teilte der britisch-niederländische Konzern mit. Beide kämen damit einem Wunsch des Verwaltungsrats nach. Noch bei der Vorstellung der Jahresbilanz Anfang Februar hatte Watts Rücktrittsforderungen von Investoren zurückgewiesen und bekräftigt, als Konzernchef weitermachen zu wollen. Doch der Druck der Aktionäre zwang Watts nun offenbar doch vor seinem für Juni 2005 geplanten Abschied den Konzern zu verlassen. Van de Vijver galt bei vielen Branchenkennern als Watts' Nachfolger.

"Ich denke, er (Watts) hat sich ehrenvoll verhalten nach dem Debakel mit den Reserven", sagte Bruce Evers, Analyst von Investec. Die Aktien des Konzerns legten um rund zwei Prozent zu. Nachfolger von Watts soll Jeroen van der Veer werden, der Chef der Konzern-Chemiesparte. Gas-und-Strom-Chef Malcolm Brinded übernimmt Van de Vijvers Posten.

Anfang Januar hatte das zweitgrößte Ölunternehmen für eine negative Überraschung gesorgt, als es den Bestand seiner als gesichert geltenden Ölreserven um ein Fünftel nach unten revidierte. Demnach reichten die Reserven bei aktuellen Produktionszahlen nur weniger als elf Jahre statt wie bislang angegeben mehr als 13 Jahre. Die Nachricht hatte den Shell-Aktienkurs auf Talfahrt geschickt, wodurch sich der Börsenwert des Ölriesen um mehr als 15 Milliarden Dollar verringerte. Die Aktien waren weiter unter Druck geraten, als das Unternehmen Anfang Februar einen unerwartet starken Ergebnisrückgang für das Schlussquartal 2003 bekannt gab.

Royal Dutch/Shell gehört zu 60 Prozent der Royal Dutch Petroleum Co of the Netherlands und zu 40 Prozent der Shell Transport and Trading Plc.