Bilanzprobleme WestLB-Prüfbericht fällt katastrophal aus
Düsseldorf - Der Bericht sei inzwischen den Mitgliedern des WestLB-Aufsichtsrats zugestellt worden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat darin das Engagement der Bank bei dem britschen TV-Geräteverleih BoxClever untersucht, das bei der WestLB für das vergangene Jahr einen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf von 430 Millionen Euro verursacht hat.
Bereits gestern hatten informierte Kreise berichtet, das Gutachten äußere sich sehr kritisch zu den Risikokontrollen und der Bilanzierung bei der WestLB. Die mit der Untersuchung beauftragten Wirschaftsprüfer von Ernst & Young haben angeblich genügend Beweise, welche die deutsche Aufsichtsbehörde dazu bewegen könnten, WestLB-Manager zum Rücktritt zu zwingen.
Auch von Seiten der Sparkassen, die etwa ein Drittel der Anteile an der WestLB halten, wird der Druck auf Vorstandchef Jürgen Sengera immer größer. Erst gestern hatte die "Financial Times" berichtet, die Sparkassen strebten eine Ablösung des WestLB-Chefs an - unabhängig vom Ausgang der BaFin-Prüfung.
Londoner Löcher
Grund für die Sonderprüfung sind umstrittene Aktivitäten der Londoner Investmentbankerin Robin Saunders, die unterdessen offenbar konkrete Schritte zum Erwerb des von ihr geführten Finanzierungsgeschäfts des Düsseldorfer Bankhauses unternahm. In mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen hieß es, Saunders habe die Investmentbank Houlihan Lokey Howard&Zukin hinzugezogen, die sie beim Kauf eines Teils des WestLB-Finanzierungsgeschäftes beraten solle.
Saunders gilt als verantwortlich für die Millionenverluste im Finanzierungsgeschäft der WestLB. Die Bank wies für 2002 einen Vorsteuerverlust von rund 1,7 Milliarden Euro aus, nachdem sei Ende Februar noch von rund einer Milliarde Euro Verlust ausgegangen war. Die BaFin hatte die Sonderprüfung von Saunders-Geschäften eingeleitet, weil die WestLB-Bankerin für die Vermittlung von Krediten offenbar mit besonders günstigen Aktien der betreffenden Firmen belohnt wurde. Das Interesse der Prüfer galt auch der Frage, ob die Risikovorsorge für die teilweise hochriskanten Geschäfte von Saunders und die Kontrolle ihrer Tätigkeiten ausreichend war.