Bilanzskandal Ex-WorldCom-Chef Ebbers erhält hohe Haftstrafe
New York - Drei Jahre nach der Pleite WorldComs hat ein New Yorker Gericht wie erwartet das Strafmaß für Ebbers verkündet. Der Manager muss für 25 Jahre ins Gefängnis. Eine geringere Strafe hätte nicht die Schwere des Verbrechens wiedergegeben, sagte Richterin Barbara Jones. Mit ihrer Entscheidung blieb sie dennoch unter der von der Anklage empfohlenen Strafhöhe von 85 Jahren. Bereits im März diesen Jahres hatte eine Jury den 63-jährigen Ebbers der Bilanzschwindelei in Höhe von elf Milliarden Dollar für schuldig befunden. Ebbers soll Mitarbeiter angehalten haben, die Bücher zu frisieren.
Der WorldCom-Skandal hatte vor drei Jahren ein Erdbeben in der Finanzwelt ausgelöst. Im Juni 2002 musste der Konzern einräumen, über eineinhalb Jahre hinweg 3,85 Milliarden Dollar an Ausgaben für gemietete Telefonleitungen als Investitionen statt als laufende Kosten verbucht zu haben. Daraufhin stürzte die Aktie um mehr als 90 Prozent ab. Anleger verloren Milliarden und 20.000 Beschäftigte ihre Jobs. Erst vor zwei Wochen willigte Ebbers ein, fast sein gesamtes Restvermögen abzustoßen, um Forderungen früherer Anleger von etwa 45 Millionen Dollar zu begleichen.
Ebbers hatte WorldCom 1983 als Provinzfirma im US-Bundesstaat Mississippi gegründet. Unter seiner Ägide wurde das Unternehmen vom kleinen Billig-Anbieter für Ferngespräche durch Zukäufe zur Nummer zwei auf dem US-Markt hinter AT&T.
Drei Jahre nach dem Skandal ist der Konzern fast wieder aus den roten Zahlen. Im Juli 2002 hatte sich WorldCom unter das schützende Dach des US-Konkursrechts geflüchtet, um unter dem neuen Namen MCI an seiner Sanierung zu arbeiten. Heute steht MCI vor der Übernahme durch den Konkurrenten Verizon, der damit gegen AT&T seine Spitzenstellung auf dem US-Telefonmarkt verteidigen will.