Bilanztricks Merck soll Umsatz aufgebläht haben
New York - Mercks Tochter Merck-Medco hat nach einem Bericht des "Wall Street Journal" im Geschäftsjahr 2001 den Umsatz durch eine in der Branche unübliche Bilanzierungsmethode um etwa zehn Prozent höher erscheinen lassen, als er tatsächlich war.
Merck soll eine Besonderheit des US-Gesundheitssystems ausgenutzt haben: Beim Kauf von Medikamenten in der Apotheke leisten amerikanische Patienten üblicherweise eine Zuzahlung in Höhe von 10 bis 15 Dollar, der Rest wird über die Krankenversicherung abgerechnet. Die so genannten Co-Payments verbleiben vollständig bei der Apotheke. Dennoch buche Merck-Medco die Zuzahlungssumme vollständig als Umsatz, schreibt die Zeitung. Das "Journal" beruft sich auf von Merck bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegte Unterlagen, die im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang von Medco eingereicht wurden.
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Medco habe im Jahr 2001 rund 55 Prozent zum Umsatz bei Merck beigesteuert. Die als Umsatz verbuchten Co-Payments hätten im vergangenen Jahr rund 4,6 Milliarden Dollar ausgemacht. Dies entspräche knapp zehn Prozent des Merck-Jahresumsatzes von insgesamt 47,7 Milliarden Dollar. Der nach dem amerikanischen Bilanzstandard US-GAAP berechnete Jahresüberschuss (Net Income) werde durch die Abrechnungsmethode aber nicht beeinflusst.
Lynn Turner, Direktorin des Center for Quality Financial Reporting in Fort Collins und frühere Chefbuchhalterin der SEC, sagte dem "Journal", es bestehe für Merck "keine rechtliche Haftungsverpflichtung für die Zuzahlung, kein Risiko für die Zuzahlung und [das Unternehmen] erhält die Zuzahlung auch niemals. Unter GAAP wäre es nicht angemessen, das als Umsatz zu buchen".
An der Wall Street verzeichneten die Aktien von Merck & Co. im frühen Handel einen deutlichen Abschlag. Die Titel verloren über drei Prozent auf 50,73 Dollar.