Billigairline-Expansion Ryanair ist keine Ausnahme
Dallas - Southwest, die nach Börsenwert erfolgreichste US-Fluglinie, hat das "Mitarbeiter gesucht"-Schild aufgestellt. Im Jahr 2002 wolle man 4000 neue Stellen schaffen, teilte der Konzern in seiner Zentrale Dallas mit. Darunter sollen 250 Piloten sein, 1200 Flugbegleiter und 2600 andere Mitarbeiter. Die meisten Stellen werden in Baltimore, Chicago und Oakland geschaffen. Insgesamt verteilen sich die neuen Stellen aber auf 59 Flughäfen.
Southwest, Muster für Billig-Airlines weltweit, ist nach dem 11. September die einzige wichtige US-Fluglinie, die kein Geld verliert. Das Unternehmen war zwar nicht vollständig immun gegen die Terror-Folgen und wächst derzeit nicht mehr mit zweistelligen Prozentraten wie früher. Verglichen mit den Wettbewerbern, die seit den Terror-Attacken insgesamt 80.000 Mitarbeiter gefeuert haben, wirken die Texaner aber wie ein einsamer Star. Dass Southwest gegen den Trend Stellen schafft, dürfte die Loyalität der Mitarbeiter steigern - und damit die ohnehin hohe Produktivität des Unternehmens noch einmal erhöhen.
Auch im dritten Quartal 2002, für das Analysten bei den teureren Konkurrenten eine Trendwende und erstmals wieder Profite erwarten, dürfte Southwest nach Experten-Schätzungen 70 Prozent der Gewinne in der US-Gesamtbranche einfahren. Southwests Erfolgsrezepte haben auch den europäischen Nachahmern Ryanair, easyJet und Buzz Auftrieb gegeben: kein kostenloser Service, drakonisches Controlling oft zu Lasten der Flughafen-Gesellschaften - und der Aufbau eines Netzes, das nur aus lukrativen Routen besteht und sich auf Regionalflughäfen verlässt.
Southwests Pläne stehen auch im klaren Kontrast zu denen von British Airways (BA): Der größte Luftfahrtkonzern Europas, der besonders unter dem schwachen Transatlantik-Geschäft leidet, hatte nach einem Quartalsverlust von 160 Millionen Pfund in der vergangenen Woche den Abbau von weiteren 5800 Stellen angekündigt. Der unter Branchenbeobachtern lange als Gesetz gehandelte Satz, dass von den großen europäischen Airlines nur Lufthansa, Air France und BA übrig bleiben würden, erscheint vielen nun nicht mehr als allgemeingültig.
Wie Southwest haben sich die meisten Billig-Airlines nach dem 11. September glänzend gehalten. Während kleine National-Airlines wie Sabena und Swissair in die Pleite flogen und auch stärkere Konzerne wie die Lufthansa zahlreiche Flugzeuge aus dem Verkehr zogen, hat Ryanair erst kürzlich eine neue Drehscheibe in Hahn im Hunsrück aufgebaut. Und während andere Fluglinien Bestellungen bei Boeing oder Airbus stornieren oder aufschieben, kaufen die No-frills-Linien zu: Ryanair hat kürzlich 100 Boeing-Maschinen bestellt, auch eaysJet will 75 neue Flugzeuge anschaffen. Im Jahr 2002 dürfte jedes zweite neu gekaufte Flugzeug an eine Billig-Airline gehen - ein Rekord-Marktanteil, den in der Zeit vor September kaum jemand für möglich gehalten hätte.