Billigauto Nano Tata wartet ab
Neu-Delhi - Der indische Autohersteller Tata Motors setzt die Arbeit in seiner Fabrik in Singur zur Produktion des Billigautos Nano trotz des Endes der Bauernproteste weiter aus. Das teilte der Konzern am Montag mit. Am Sonntag hatten linke Aktivisten und Landwirte in Singur in West-Bengalen ihre Proteste beendet, nachdem die Regierung des ostindischen Bundesstaats ihnen Land zugesagt hatte. Unklar blieb, woher das Land kommen sollte. Tata muss der Übereinkunft zufolge einige Zulieferbetriebe verlegen.
Ein Tata-Sprecher sagte, der Einigung zwischen der Landesregierung und den "Agitatoren" mangele es an Klarheit. Daher sei Tata gehalten, mit der Fertigstellung der Fabrik und der Nano-Produktion vorerst abzuwarten, sagte er SPIEGEL ONLINE. Der Nano soll zu einem Preis von 100.000 Rupien (knapp 1560 Euro) das billigste Auto der Welt werden. Er sollte ursprünglich von Oktober an ausgeliefert werden.
Hintergrund: Tata Nano
Die von der Opposition in West-Bengalen unterstützten Bauern demonstrierten für eine Rückgabe von knapp der Hälfte des Landes, auf dem Tata die Nano-Fabrik errichtet hat. Die Bauern hatten am 24. August mit der Blockade des Werks begonnen. Sie kritisierten, das Land sei von der kommunistischen Regierung des Bundesstaats "gewaltsam akquiriert" worden. Andere behaupteten, viel zu niedrig für das abgegebene Land entschädigt worden zu sein.
Die Vorsitzende der linken Partei Trinamool Congress, Mamata Banerjee, sagte am Montag, die Proteste gegen das Werk seien beendet, Tata könne den Nano wie geplant in Singur bauen. Die von ihr angeführten Proteste hatten in Indien eine starke Solidarisierung von Politikern, Industriellen, Tata-Mitarbeitern und sogar Schauspielern und Sportlern mit Tata zur Folge. In Folge dieses Drucks zeigte sich der Trinamool Congress verhandlungsbereit.
Tata Motors hatte die Arbeit in dem Werk in der vergangenen Woche mit der Begründung ausgesetzt, die Arbeiter fühlten sich bedroht. Tata drohte zugleich an, das Projekt in einen anderen Bundesstaat zu verlegen. In diesem Fall sollten die Investitionen in das neue Werk in Singur in Höhe von rund 350 Millionen Dollar abgeschrieben werden. Die Bewohner von Singur hoffen jetzt, dass sich Tata doch für den Standort in West-Bengalen entscheidet. Dies wäre, so die Überzeugung, ein gutes Signal für das wirtschaftlich schwache Bundesland.
kaz/dpa/AFP