Billige Töchter - DER SPIEGEL
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Billige Töchter

• aus DER SPIEGEL 47/1996
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Am Dienstag dieser Woche entscheidet sich, ob die Manager der Lufthansa ihre Dienstreisen in den nächsten Wochen wie geplant antreten können - oder ob sie auf die Bahn umsteigen müssen.

Im Konferenzraum 13 des Frankfurter Airport-Centers treffen sich von elf Uhr früh an knapp zwei Dutzend Vertreter der DAG und der Lufthansa, um den Streit zwischen Vorstand und Cockpitpersonal über die Besoldung der Piloten zu entschärfen. Scheitern die Gespräche, drohen erneut Streiks.

Die kleine, aber feine DAG vertritt den überwiegenden Teil der über 3000 Lufthansa-Piloten. Bereits am Montag vergangener Woche hatte die Gewerkschaft rund 1500 Beschäftigte zu einem zweistündigen Warnstreik aufgerufen und 35 Flüge lahmgelegt.

»Wenn die DAG so weitermacht, kriegen wir in Deutschland bald englische Verhältnisse«, wettert ÖTV-Mann Manfred Maertzke. Der Spitzenfunktionär der Konkurrenzgewerkschaft ÖTV hatte bereits Ende Oktober mit dem Lufthansa-Vorstand einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt.

Nach dem fast zweieinhalb Jahre gültigen Abkommen erhalten die Lufthansa-Angestellten bis März 1998 ein Drittel ihres Monatsgehalts als einmaligen Ausgleich für die Teuerung. Erst danach werden die Vergütungen um bescheidene 1,7 Prozent angehoben. Außerdem bekommen die Lufthansa-Mitarbeiter für die Jahre 1995 bis 1997 eine gewinnabhängige Erfolgsprämie von mehreren hundert Mark oder wahlweise Aktien zu Sonderkonditionen.

Doch die DAG sträubt sich noch. »Ein Unternehmen, das für das laufende Jahr erneut 600 Millionen Mark Gewinn anpeilt«, empört sich DAG-Verhandlungsführer Michael Tarp, »kann seine Leute doch nicht mit 0,9 Prozent Lohnerhöhung, aufs Jahr gerechnet, abspeisen.«

Die DAG-Rebellen stört auch die lange Geltungsdauer des Vertrages. Tarp und seine Kollegen von der Pilotenvereinigung Cockpit fürchten, der Vorstand könnte die zweijährige Friedenspflicht nutzen, um den 1992 ausgehandelten Konzerntarifvertrag zu unterlaufen und Teile des Geschäfts auf Konkurrenzfirmen oder neugegründete Billiggesellschaften zu verlagern.

Bereits seit Ende Oktober fliegt der Regionalcarrier Augsburg Airways für die Lufthansa mehrmals täglich von München nach Dortmund, Erfurt und Leipzig. Und auf einer Personalversammlung am 4. November bestätigte Lufthansa-Technikchef Klaus Nittinger, daß die Geschäftsführung erwägt, zehn Maschinen nach England auszulagern.

Ähnliche Überlegungen werden auch bei der Lufthansa-Tochter Condor angestellt. Die Touristikmanager haben in Toulouse bereits sechs Airbusse vom Typ A320 mit jeweils 168 Sitzplätzen bestellt. Sie sollen auf dem Berliner Flughafen Schönefeld stationiert werden und spätestens von 1998 an Regionalstädte wie Erfurt, Nürnberg oder Paderborn mit Zielen rund ums Mittelmeer verbinden. Für den neuen Charterableger wollen die Condor-Manager eine neue Billigtochter gründen, die intern unter dem Arbeitstitel »Südflug 2« firmiert.

Der Condor-Aufsichtsrat soll den Plan Ende November genehmigen, am 5. Dezember entscheidet der Lufthansa-Aufsichtsrat über das Projekt. Um den Konflikt zu entschärfen, wollen die Manager den Piloten einen Kompromiß anbieten: Wer heute als Pilot bei der Lufthansa oder Condor beschäftigt ist, soll nicht gezwungen werden, zu schlechteren Bedingungen bei einem der neuen Billigableger zu arbeiten.

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