Billiger Knaster - DER SPIEGEL
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Tabak Billiger Knaster

Bis zu 60 Prozent sparen Westdeutschlands Pfeifenraucher, wenn sie sich ihren Knaster aus dem Ausland schicken lassen: Dank EG-Vorschriften können sie einen Teil der Staatsabgaben vermeiden.
• aus DER SPIEGEL 41/1974
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Der Ärger begann für Heinz Mack, Tabakhändler aus Freiburg, am Stammtisch. Ungeniert boten ihm dort Wirtshausbesucher an, was Macks Laden nicht zu bieten hatte: eine Stange (200 Stück) deutsche Filterzigaretten Marke »HB« zu zwölf Mark. Macks Ladenpreis: 22 Mark. Freiburgs schwarzer Zigarettenmarkt speist sich aus Schweizer Importen.

Für Tabakhändlerin Meta Rubin in Kiel kommt der Kummer dagegen aus dem Norden. Kantinenhändler auf über 30 Ostseeschiffen bringen deutsche Zigaretten auf Seefahrt zu zehn Mark je Stange unters Rauchervolk. Die EG-Vorschrift über die Zollfreiheit von Reiseverpflegung macht"s möglich.

Tabakhändler Walter Offermanns im rheinischen Aachen fürchtet um seine Stammkundschaft, die Pfeifenraucher. Offermanns: »Wenigstens 50 Prozent kaufen im Ausland.« In Holland und Belgien ist Pfeifentabak erheblich billiger als in der Bundesrepublik.

Wo immer sich die Gelegenheit bietet, mogeln sich die Bundesbürger mit ihrem Knaster am Staat vorbei -- zum Nachteil der Finanzämter und zum Leidwesen des deutschen Tabakhandels.

Denn auch für jene, die diesseits der Landesgrenze bleiben und billig schmöken wollen, ist gesorgt: Seit Jahren floriert etwa das Geschäft von Heinrich Timm (Pfeifen-Timm), der von Helgoland aus operiert.

Zum eigenen und zum Nutzen der Tabakkäufer schöpft Timm die fiskalischen Vorteile des Tabakfreihandels aus. Monat für Monat schickt er von der Insel außerhalb des deutschen und des EG-Zollgebiets rund 300 Postpäckchen vornehmlich mit englischen, dänischen, amerikanischen und holländischen Tabaken an bundesdeutsche Kunden. EG-Vorschriften zur Vereinfachung der Kleinmengenimporte bis zu einem Kilogramm, lassen Timm-Kunden einen um so größeren Schnitt machen, je teureren Tabak sie bestellen. Denn an Einfuhrabgabe zahlen sie pauschal 53 Mark je Kilo, gleichgültig wie teuer der Tabak ist. Und Tabaksteuer ist auf die Importe nicht mehr fällig.

20 Päckchen (ein Kilo) englischer Pfeifentabak »Three Nuns« etwa kosten bei Timm 80 Mark. Zusammen mit Einfuhrabgabe, Gebühren und Porto kommt ein Päckchen (SO Gramm) auf etwa sieben Mark -- normaler Ladenpreis: zehn Mark.

Bei teuren Spitzentabaken indes, wie etwa Dunhill »Royal Yacht« (Ladenpreis: 19 Mark) sparen Timm-Kunden fast die Hälfte. Per Nachnahme verschickte der Helgoländer Handelsmann denn auch nach eigener Schätzung bereits 1973 zweieinhalb Tonnen Top-Tabake an 3500 Festlandskunden. Und während Westdeutschlands Pfeifenraucher am Tabak sparen -- die Verkäufe von Pfeifentabak gingen im ersten halben Jahr 1974 um 8,8 Prozent zurück -, verkauft Timm »täglich mehr«.

Dabei ist dem Tabakversandhändler auf Deutschlands geschäftstüchtigster Insel im belgischen Lüttich längst überlegene Konkurrenz erwachsen. Dort, innerhalb des EG-Zollgebiets, gelang es Monsieur Charles Thiriart, seinen Tabakladen zur S.A. Eurocigars auszubauen. EG-Vorschriften verleihen Thiriarts europäischen Tabaklieferungen den Vorzug, die billigsten zu sein. Denn Tabaksendungen aus Belgien werden nach diesen Vorschriften mit Einfuhrabgaben von nur 14 Mark je Kilo belastet. Folge: Teuerste Tabaksorten aus Lüttich sind bis zu 60 Prozent billiger.

Und auch Zigarren lassen die EG-Vorschriften großzügig zu günstigen Pauschaltarifen in die Bundesrepublik, wenn sie aus einem EG-Land stammen. An pauschalierten Einfuhrabgaben werden für Zigarrenpakete aus Belgien nur sechs Pfennig (Zigarren bis drei Gramm Gewicht) oder zehn Pfennig (Zigarren über drei Gramm Gewicht) berechnet. Hubertus Tessar, Sprecher der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels: »Das ist ein Zugeständnis an den Gemeinsamen Markt.«

5000 Bundesbürger machen von dem Zugeständnis inzwischen regen Gebrauch. Wöchentlich schickt Thiriart etwa 200 Pakete mit etwa 150 Kilogramm Tabak ins Nachbarland.

Nur das Geschäft mit der Zigarette, die über 90 Prozent aller Tabaksteuern bringt, kommt nicht in Schwung. Aller Eifer beim Abbau der Handelshemmnisse innerhalb der Europäischen Gemeinschaft hat bisher die Importabgabe von acht Pfennig pro Stück nicht vermindern können -- zuviel auch für Timm und Thiriart.

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