Billiger Zahnersatz: Wer hat Angst vor McZahn? - DER SPIEGEL
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Billiger Zahnersatz Wer hat Angst vor McZahn?

Ein gelernter Textilkaufmann mischt das Gesundheitswesen auf: Mit Mc Zahn, Deutschlands erstem Dentaldiscounter, will er in bis zu 400 Filialen Zahnersatz zum Nulltarif anbieten. Damit könnte er bei den Patienten ins Schwarze treffen.
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Krefeld - Die Angst vorm Zahnarzt - für zahlreiche Deutsche bezieht sie sich kaum mehr auf den Bohrer und die damit verbundenen Schmerzen. Viele Patienten fürchten eher, was danach kommt: die Rechnung, die bei so manchem Eingriff schon mal vierstellig sein kann. Immer mehr Zahnkranke unterlassen deshalb eine Behandlung und nehmen wegen der hohen Eigenanteile Lücken im Gebiss in Kauf.

Der Kaufmann Werner Brandenbusch und der Zahnarzt Oliver Desch erkannten dieses Problem vor zwei Jahren als Marktlücke und entwickelten ein neues Geschäftskonzept, das derzeit für Wirbel sorgt: Sie lassen billigen Zahnersatz in China fertigen und importieren ihn nach Deutschland. Im April dieses Jahres gründete Brandenbusch die Aktiengesellschaft Mc Zahn, in dieser Woche eröffnete er in Krefeld die erste Zahnarztpraxis. Für die Patienten heißt das: Der sonst kostspielige Zahnersatz wird billiger oder sogar kostenlos.

Diese Idee ist für sich nicht ungewöhnlich, wie das Dentallabor Mamisch Dental Health (MDH) aus Mühlheim zeigt. Das Unternehmen stellt seit zehn Jahren Zahnersatz in einem chinesischen Labor her - zu einem Bruchteil der heimischen Standort- und Lohnkosten. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 420 Mitarbeiter in China und 50 weitere in Mühlheim.

Das Neue am Mc Zahn-Modell ist das Franchisingkonzept. Zusätzlich zur ersten Filiale will der Geschäftsmann bis Ende des Jahres 30 weitere eröffnen, langfristig sollen bundesweit 400 Geschäftsstellen folgen. Ein ehrgeiziger Plan - zumal vorerst nur ein Zahnarzt mitmacht.

MDH-Vorstand Holger-Ludwig Riemer äußert hinsichtlich des Franchisingkonzepts gegenüber manager-magazin.de Bedenken. "Wir wollen die Zahnärzte nicht vertraglich binden" sagt er. Die Freiheit und Unabhängigkeit der Zahnärzte sei dadurch gefährdet. Riemer betont aber, dass er persönlich nichts gegen Mc Zahn habe. "Wir haben derzeit einen großen Ansturm an Zahnärzten", erklärt er. "Sie befürchten, dass sie mit den Preisen nicht mehr mithalten können und suchen nach preisgünstigeren Produkten."

Zahnärzte unter Wettbewerbsdruck

Gesundheitsökonom Peter Oberender von der Universität Bayreuth begrüßt neue Geschäftsmodelle wie das von Mc Zahn, weil sie den Wettbewerb im Gesundheitswesen ankurbelten. "Wir müssen uns in Deutschland an solche Entwicklungen gewöhnen. Das ist wie mit den Autos: Immer mehr werden in Asien hergestellt", meint Oberender. Die Verlegung von Arbeitsplätzen ins Ausland findet er in Ordnung - schließlich gebe es hierzulande keine Arbeitsplatzgarantie.

Brandenbusch hofft unterdessen, dass seine Geschäftsidee in Deutschland Schule macht. "Wenn ein Patient drei Kronen braucht, muss er woanders 800 Euro zahlen. Bei uns bekommt er sie umsonst", erklärt der gelernte Textilkaufmann gegenüber manager-magazin.de. Er setzt dabei auf den Festzuschuss zum Zahnersatz, den die gesetzlichen Krankenkassen seit 2005 befundorientiert zahlen. Wünscht der Versicherte eine höherwertige Versorgung, beispielsweise ein Implantat statt einer Brücke, muss er über den Festzuschuss hinausgehende Kosten aus eigener Tasche bezahlen.

Das lässt Zahnärzte und Vertreter der Gesundheitsbranche aufhorchen. "Wettbewerb kann in diesem Bereich nicht schaden", meint ein Sprecher der Krankenversicherung Barmer. Allerdings müsse die Qualität stimmen. "Wir werden die Entwicklung von Mc Zahn mit Interesse beobachten."

"Zahnersatz zum Nulltarif gibt es nicht"

Andere sehen das Mc Zahn-Konzept kritischer: Der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) stuft das Franchisesystem als äußerst bedenklich ein und fürchtet die Gefährdung der zahntechnischen Meisterbetriebe durch Dumpingpreise bei Neuanfertigungen.

Auch Manfred Sietz von der Kassenzahnärztlichen Vereinigiung (KZV) Westfalen-Lippe betrachtet das neue Geschäftsmodell mit großer Skepsis. Was Herr Brandenbusch macht, sei zwar legal, aber eine Luftblase. "Zahnersatz zum Nulltarif gibt es nicht. Die Kassen müssen trotzdem zahlen", sagt er gegenüber manager-magazin.de. "Aber so ist das eben: Erstmal den Patienten im Stuhl haben - dann das Kleingedruckte erklären." Langfristig werde man sehen, ob die Patienten mit der Qualität von Mc Zahn zufrieden sind: "Auch Mc Donalds hält sich seit 20 Jahren in Deutschland - aber die gute deutsche Esskultur hat die Kette nicht verdrängt."

Bisher steht das bundesweite Filialnetz von Mc Zahn allerdings noch in den Sternen. Dem Zulassungsausschuss der KZV Nordrhein liegt lediglich eine Praxisverlegung des Zahnarztes Desch von Mönchengladbach nach Krefeld vor. Gesetzlich Versicherte könnten somit bei Mc Zahn in Krefeld vorübergehend nur von einem Arzt behandelt werden - und das bei einem für die nächsten Monate prall gefüllten Terminkalender, wie Brandenbusch betont. "Doktor Desch wird zusammen mit einem Assistenzarzt tätig sein, später wird noch ein dritter Arzt hinzukommen", so der Geschäftsmann.

Max Schautzer im Aufsichtsrat

Damit sein Geschäftsmodell Wurzeln schlägt, möchte Brandenbusch Zahnärzte als Franchisenehmer gewinnen. Anfangs glaubte er, dass gerade die jungen Nachwuchsmediziner Interesse daran haben würden. Das war allerdings eine Fehleinschätzung - junge Ärzte machen sich lieber selbstständig als sich in die Abhängigkeit einer Zahnarztkette zu begeben.

"Die erliegen immer noch dem Wahn, den Bohrer anzuschließen und Gold anzubohren", meint Brandenbusch. Dabei könnten selbstständige Zahnärzte längst nicht mehr so viel verdienen wie alle meinen. Das mag zwar stimmen - trotzdem gehören die Betreiber von Zahnarztpraxen mit einem Durchschnittseinkommen von rund 9000 Euro pro Monat zu den Spitzenverdienern im Gesundheitswesen.

Brandenbusch selbst wird der Rummel um seine Kette und seine Person fast zu viel. "Es gibt 55.000 Zahnarztpraxen in Deutschland. Nun kommen 400 neue dazu - und man macht einen Zirkus, als würden wir 30.000 aufmachen", sagt er trotzig.

Dieser "Zirkus" müsste Brandenbusch allerdings bekannt vorkommen. Schon die Gründung einer Butlerschule und der Bellheim-Stiftung, die arbeitslose Führungskräfte vermittelt, sorgten für reges Medieninteresse. Prominente wie Moderator Max Schautzer und die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ursula Lehr gehören sowohl der Stiftung als auch dem Aufsichtsrat von Mc Zahn an. Brandenbusch möchte sich jedoch nicht über die Geschäfte äußern, die er neben Mc Zahn betreibt.

Auf die Frage, wie der Name des Unternehmens entstanden ist, gibt sich der 54-Jährige auskunftsfreudiger. Parallelen zur Fastfoodkette Mc Donalds sind durchaus beabsichtigt. "Niemand gibt zu, dass er bei Mc Donalds isst - aber die Parkplätze sind voll. Auch zu Mc Zahn will niemand gehen - aber viele werden kommen."