Bin Ladens Vermögen: Kampf gegen Windmühlen - DER SPIEGEL
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Bin Ladens Vermögen Kampf gegen Windmühlen

Bei der Fahndung nach Bin Ladens Millionen wollen die wichtigsten sieben Industriestaaten in Zukunft mit einer gemeinsamen Strategie vorgehen. Experten halten die Erfolgsaussichten dennoch für gering.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Die Allianz, die George W. Bush in kürzester Zeit zum Kampf gegen das Finanzimperium von Bin Laden geschmiedet hat, kann als großer Erfolg seiner Diplomatie gewertet werden. Immerhin haben sich zum Anfang der Woche bereits mit der Schweiz und Luxemburg zwei Staaten angeschlossen, in denen das Bankgeheimnis bislang als sakrosankt galt und die deshalb als Paradies für Steuerflüchtlinge galten.

Große Hoffnungen setzt die Bush-Administration auf eine UN-Resolution zur internationalen Finanzkontrolle. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte in Washington, der US-Resolutionsentwurf für die Vereinten Nationen zwinge die Staaten zur Zusammenarbeit bei den finanziellen Aspekten des Antiterrorkampfes.

Die Europäischen Staaten stehen bereits wie ein Mann hinter Bush. Frankreich hatte seinen EU-Partnern am Mittwoch vorgeschlagen, dass alle Mitgliedsländer die Guthaben von Personen und Organisationen mit möglichem Terrorismus-Hintergrund einfrieren. Grundlage solle dabei die von den USA veröffentlichte Liste mit den Organisationen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Terroristenführers Osama Bin Laden sein.

Ebenso versicherte Italiens Wirtschaftsministerium am Donnerstag, dass das Kabinett voraussichtlich einen Erlass verabschieden werde, der die Anwendung der UNO-Resolution 1333 erlaubt. Dann könnten die Banken Konten, die direkt oder indirekt mit Bin Laden oder seiner Organisation Al-Quaida in Verbindung gebracht werden können, dauerhaft sperren.

Trotzdem erinnert die Fahndung nach den Millionen von Bin Laden eher an Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen: Die schiere Übermacht der Anti-Terrorallianz gegen die Bin-Laden-Millionen ist nur vordergründig, denn angesichts des internationalen Terroristennetzwerks genügt theoretisch schon eine kleine Dorffiliale auf den Cayman-Inseln oder in einem der anderen unzähligen Steuerparadiese, um den Traum von einem weltweit geführten vernichtenden Schlag gegen den Terrorismus platzen zu lassen.

Der französische Elf/Leuna-Ermittler Renaud Van Ruymbeke ist überdies davon überzeugt, dass die an der Allianz beteiligten Staaten in Wirklichkeit wenig Interesse an Transparenz haben. Gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Ruymbeke: "Die Staaten wollen keine internationale Staatsanwaltschaft oder einen einheitlichen europäischen Rechtsraum." Ohne die Kompetenz, grenzüberschreitend zu arbeiten, aber hätten sie im Kampf gegen den international operierenden Terrorismus keine Chance.

Dass Bin Laden sein Finanznetz wohl längst nach der Logik des Underground-Banking umorganisiert hat, macht den Fahndern die Sache nicht leichter. Das System funktioniert denkbar einfach, wie Michael Findeisen, ehemaliger Geldwäschebeauftragter der Bundesregierung, erklärt. Gegen eine Gebühr werden Zahlungsaufträge über Vertrauensleute, meist Unternehmer, abgewickelt. Dabei fließt nur in Ausnahmefällen Geld über die Grenze. Stattdessen kooperiert das Unternehmen mit einem im Ausland ansässigen Partner, der den Zahlungsauftrag gegenüber dem Empfänger aus seiner eigenen Kasse begleicht.

Umgehrt funktioniert das System natürlich auch, und so gleichen sich die einzelnen Zahlungen insgesamt meistens wieder aus. Sollte ein erhebliches Ungleichgewicht entstehen, wird ein Bargeldkurier in Bewegung gesetzt.

Erfolgsmeldungen, wie die dreizehn gesperrten Konten in der Bundesrepublik und die von Deutsche Bank-Chef Rolf E. Breuer verkündete Identifizierung von zehn verdächtigen Konten, wirken vor diesem Hintergrund bescheiden. Der Gesamtwert der gesperrten Konten beträgt weniger als 3,7 Millionen Mark - Peanuts angesichts des Vermögens, das man hinter Bin Laden vermutet - und angesichts der Tatsache, dass Großbanken ihre Zentralkundenregister schon seit Jahren mit Fahndungslisten von Terroristen abgleichen.

Ihren Teil tragen allerdings auch die Fahndungslisten dazu bei. Sie enthalten außer den Namen keinerlei personenbezogene Daten. Außerdem sind die arabischen Namen aus arabischen Schriftzeichen in lateinische Zeichen und englische Lautschrift übersetzt. Der Name von Bin Laden etwa würde aus der arabischen Hochsprache übersetzt Usama bin Ladin heißen. Übersetzt man den Namen aus arabischen Dialekten, so käme Osama ben Laden heraus. Ein sichere Identifizierung, die rechtsstaatlichen Maßstäben genügt, ist so beinahe unmöglich.

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