Luftfahrt Bittbrief an den Kanzler
Bundeskanzler Helmut Kohl soll für die Daimler-Benz-Tochter Deutsche Aerospace (Dasa) einen wichtigen Großauftrag retten. Die Deutschen wollen zusammen mit ihren europäischen Airbus-Partnern Flugzeuge für rund zehn Milliarden Mark an Saudi-Arabien liefern. Der amerikanische Präsident Bill Clinton verkündete nun aber, daß Saudi-Arabien die Flugzeuge bei den US-Firmen Boeing und McDonnell Douglas kaufen werde. Daraufhin schickte Dasa-Chef Jürgen Schrempp einen Bittbrief an den Kanzler. »Da wir wissen, daß die Verhandlungen in Saudi-Arabien noch nicht endgültig abgeschlossen sind«, heißt es in dem Schreiben, möge sich Kohl doch für die Europäer einsetzen. Allein bei der Dasa müßten bis 1997 noch fast 1300 Arbeitsplätze gestrichen werden, wenn der Auftrag verlorenginge. »Nur eine persönliche Intervention von Ihnen selbst«, so Schrempp in unbeholfenem Deutsch, könne »eine Wende zumindest teilweise herbeiführen«. Der Kanzler hat noch nicht reagiert. Er ist verärgert über Schrempp und dessen Kollegen. Die hatten die Bundesregierung in den vergangenen Monaten wiederholt heftig kritisiert, weil sie die Forschungsgelder für Luft- und Raumfahrt drastisch kürzt.