"Blase geplatzt" Experten erwarten keinen Crash
"Eine kleine Blase ist geplatzt", sagt Wolfgang Scheremet, Konjunkturexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Der Einbruch an den Aktienmärkten ist nach Einschätzung von Ökonomen und Analysten kein Anlass zur Besorgnis. Es handele sich um eine normale Reaktion auf die exorbitant gestiegenen Kurse des vergangenen Quartals, sagt Christian Stocker, Aktienstratege bei der HypoVereinsbank. Ein Börsen-Crash wird nicht erwartet: Die fundamentalen volkswirtschaftlichen Daten weisen nach oben, da sind sich die Experten einig.
Zu Beginn der ersten Handelswoche im neuen Jahrtausend hatte der Dax einen furiosen Start hingelegt: Am Montag überschritt er zeitweise die magische Marke von 7000 Punkten. Doch dann folgte Ernüchterung: Am Mittwoch verlor er im Gefolge des starken Einbruchs an der New Yorker Börse, insbesondere an der Nasdaq, bis zu 200 Punkte. Zu Wochenbeginn habe der problemlose Start ins 21. Jahrhundert noch die Märkte beflügelt, sagt Stocker. In der Euphorie der letzten Wochen sei aber völlig übersehen worden, dass die Zinsen zum Beispiel für zehnjährige Staatsanleihen in Deutschland und den USA deutlich gestiegen seien. Jetzt seien die Märkte zum Tagesgeschäft zurückgekehrt.
Angst vor Zinserhöhungen
Hinzu kommen nach Einschätzung von Experten Ängste vor Zinserhöhungen der Notenbanken. Der Europäische Zentralbankrat ließ jedoch am Mittwoch bei der ersten Sitzung im neuen Jahrtausend die Zinsen für den Euroraum unverändert. Mit der Nominierung von Alan Greenspan für eine vierte Amtszeit als US-Notenbankchef seien diese Befürchtungen geschürt worden, erläutert der Finanzmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Winfried Fuest. Greenspan stehe für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik. Dies erklärt nach Einschätzung von Stocker auch, warum der technologieorientierte Nasdaq-Index am Dienstag mit minus 5,6 Prozent den bisher größten Verlust an einem Handelstag verzeichnete. Denn die Wachstumswerte seien von möglicherweise steigenden Zinsen am stärksten betroffen.
Dennoch sehen die Experten keinen Anlass zur Sorge. Stocker erwartet, dass sich der Dax in den kommenden vier Wochen bei 6100 bis 6200 Punkten stabilisieren wird. In den nächsten Tagen sei aber noch ein Auf und Ab an den Märkten zu erwarten. Fuest ist optimistisch, dass der Dax im Laufe des Jahres auch die 7000er Marke noch einmal in Angriff nehmen wird. Denn die Perspektiven der europäischen und deutschen Wirtschaft sind Ökonomen zufolge positiv. Die Konjunktur sei robust und die Gewinnerwartungen der Unternehmen gut. Hinzu kämen die Steuerreformpläne der Bundesregierung.
Probleme könnte allenfalls die weitere Entwicklung in den USA bereiten. "Wenn der US-Markt einen Schnupfen hat, dann bekommt der Dax manchmal eine Grippe", gibt Fuest zu bedenken. Die Märkte in Asien und Europa seien immer noch stark von den USA abhängig. Als Gefahr sieht Scheremet vor allem das hohe Leistungsbilanzdefizit in den Vereinigten Staaten. Es sei nicht auszuschließen, dass die Anleger in den USA aus diesem Grund aussteigen würden. Das könnte sich dann kurzfristig auch negativ auf die anderen Märkte der Welt auswirken.