Blockadebrecher
Im Laufe dieses Monats rollen die ersten deutschen Güterwagen, beladen mit Exportgütern, von Württemberg-Baden über Bayern nach der österreichischen Landesgrenze, um ihre lange Reise nach der Türkei anzutreten.
Langwierige Verhandlungen waren notwendig, um diese erste Nachkriegs-Transaktion zu ermöglichen. Der Vertrag wurde bereits im Mai abgeschlossen. Die Lieferung besteht aus schweren Maschinen und repräsentiert den Wert von 2 174 961 Dollar.
Es sind hauptsächlich Papieraufbereitungsmaschinen, die nach Angaben der beiden türkischen Vertreter die Produktionskapazität der türkischen Papier- und Zelluloseindustrie in Izmir verdoppeln sollen.
Für die türkische Firma zeichneten die Vertreter Adnan Berkay und Safe Algen; für die württembergische Industrie die Firma Hans Voith.
Der Vertrag wurde in Gegenwart des amerikanischen Gouverneurs für Württemberg-Baden, Sumner Sewall, und des Ministerpräsidenten Reinhold Maier unterzeichnet. Der wohlbeleibte Gouverneur bezeichnete den Lieferungsvertrag hoffnungsvoll als eine Art »Blockadebrecher« nach dem Kriege.
Zu gleicher Zeit unterschrieben 32 andere württemberg-badische Firmen Exportverträge mit dem Ausland. Die NSU-Werke in Neckarsulm liefern für 725 000 Dollar Fahrradzubehör nach Holland. Die Salzindustrie brachte einen Auftrag an Industriesalzen im Werte von 486 000 Dollar für die Tschechoslowakei herein.
Die schwedische Firma Holmens Bruggs, Norrköping, bestellte bei der Firma Voith für 109 360 Dollar Holzverarbeitungs-Maschinen. Ein weiterer Vertrag sieht die Lieferung von Turbinenteilen nach Lima in Peru vor. Neun Schweizer Firmen bestellten größere Mengen von Leinen, Kaliko, Wasserfarben, Druckereimaschinen und Silberwaren.
Export-Mäzen, Württemberg-Badens Gouverneur Sumner Sewall