BMW: Milbergs Motoren Werk - DER SPIEGEL
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BMW Milbergs Motoren Werk

Weder die weltweite Konjunkturkrise noch die triste Stimmung nach den Terroranschlägen vom 11. September können BMW derzeit etwas anhaben. Der Münchner Traditions-Hersteller eilt von einen Produktionsrekord zum anderen.
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Hamburg - Es scheint so, als rede der Mann nicht gern über ungelegte Eier. Als Joachim Milberg am Dienstag in einer dürren Pressemeldung seinen Rücktritt als BMW-Chef bekannt gab, überraschte er damit alle, bis auf eine Handvoll enger Vertauter vielleicht. Selbst die meisten Aufsichtsräte traf der Rückzug des Konzernchefs während ihrer turnusmäßigen Sitzung wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Seither rätselt die Fachwelt über die Gründe, die Milberg zu diesem Schritt bewogen haben könnten. Der Verweis des 58-Jährigen auf seine Rückenprobleme gilt vielen als vorgeschobene Entschuldigung. Auch der Wunsch nach klaren Verhältnissen, noch bevor das öffentliche Geschacher um die Nachfolge Milbergs losgeht, mag nicht befriedigen. Nach interner BMW-Regelung muss ein BMW-Chef spätestens mit Vollendung des 60. Lebensjahrs seinen Posten räumen. Milberg feiert seinen 60. am 10. April 2003.

Doch eine bessere Erklärung mag sich nicht finden, an seiner Amtsführung liegt es jedenfalls nicht. Trotz globaler Rezessionsängste nach den Terroranschlägen vom 11. September, trotz weltweiter Überkapazitäten und sinkender Margen in der Automobilindustrie - BMW steht besser da als je zuvor. Volker Doppelfeld, Chef-Aufseher bei BMW, lobt den amtierenden Vorstandsvorsitzenden in den höchsten Tönen: "Unter Joachim Milberg erlebt das Unternehmen BMW zurzeit die erfolgreichste Periode seiner Geschichte."

Wachstum selbst im September

Das lässt sich zum Beispiel an den Verkaufszahlen ablesen: Im November sind erstmals 80.000 BMW und Mini ausgeliefert worden, 14 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Selbst im Horrormonat September ist das Wachstum mit plus drei Prozent stabil geblieben. Insgesamt, so versichert Milberg, werde das anvisierte Ziel von 900.000 verkauften Fahrzeugen in diesem Jahr erreicht.

Da können die anderen nicht mithalten. Zwar konnte Mercedes-Benz zusammen mit seiner Tochter Smart rund zehn Prozent mehr Autos verkaufen, doch das schwarze Schaf im Konzern, Chrysler, blieb sechs Prozent unter dem Vorjahresergebnis - und das, obwohl der Gesamtmarkt in den USA um immerhin 7,5 Prozent wuchs. Als Gewinner mit einem Zuwachs von 13 Prozent darf sich hier allenfalls noch General Motors fühlen, gefolgt von Ford mit fünf Prozent.

Rekordjagd noch nicht beendet

Damit nicht genug. Auch was die Rendite betrifft, weckt der Münchner Traditionskonzern den Neid der Konkurrenten. Mehr als sechs Prozent sollen es in diesem Jahr sein. Und Milberg gibt sich zuversichtlich, dass damit die Rekordjagd noch nicht beendet ist: Im ersten Quartal des Jahres werde BMW einen höheren Gewinn erwirtschaften als General Motors und Volkswagen zusammen, sagt er, ohne dabei wie ein Angeber zu wirken. "Für die nächsten Jahre rechnen wir damit, in eine neue Größenordnung von mehr als 100 Milliarden Mark zu wachsen." Bis 2004 werden insgesamt 12.500 Mitarbeiter eingestellt, davon 2000 noch in diesem Jahr.

Der unscheinbare BMW-Chef hat damit geschafft, was niemand für möglich hielt, als er im Februar 1999 überraschend berufen wurde. Damals musste Bernd Pischetsrieder seinen Posten aufgeben, weil er mit der Sanierung des englischen Patienten Rover nicht klargekommen war und damit den gesamten Konzern in die Krise geführt hatte. Milberg trat damals, so die Einschätzung der gesamten Fachwelt, lediglich als Übergangskandidat an, den bald ein echter Stratege ablösen würde.

Lesen Sie hier, wie Milberg die Neuausrichtung des BMW-Konzerns schaffte

Dass der ehemalige Professor der Münchner TU eben nicht zu den großen Kommunikatoren zählt, machte die Sache nicht leichter. Monatelang entwickelte er hinter verschlossenen Türen seine Strategie zur Neuausrichtung des Konzerns, ohne dass etwas über seine Pläne nach außen drang. Die Auguren werteten es als Zeichen der Überforderung - zu Unrecht. Es ging um Entscheidungen, die zuvor besser nicht in der Öffentlichkeit zerredet werden.

Dazu gehörte zum Beispiel auch die letzte Frist für die Sanierung von Rover. 12 Monate gestand Milberg dem englischen Patienten nach seiner Amtsübernahme noch zu, dann zog er Bilanz. Die Entscheidung fiel klar und hart aus: Rover musste raus aus dem Konzern

Das Problem Rover auf die eine oder andere Weise in den Griff zu bekommen, war der schwierigste Part, den Milberg bislang zu leisten hatte. Nach der Trennung von der britischen Tochter konnte sich der Münchner Autobauer wieder mit allen Kapazitäten seiner eigentlichen Kernmarke widmen.

BMW-Strategie: Alles Premium

Pointierter als alle seine Vorgänger stellte Milberg den Anspruch von BMW als Premium-Marke in den Mittelpunkt und stieß eine bis dahin beispiellose Produkt- und Marktoffensive an. Innerhalb der nächsten sechs Jahre sind Investitionen in Höhe von rund 16 Milliarden Euro und Ausgaben für die Entwicklung von 10 Milliarden Euro vorgesehen. Besonders am Herzen lag Milberg dabei der Einser, mit dem die Münchener in die Kompaktklasse vordringen wollen - Premium, versteht sich.

Auch die Entscheidung für das neue BMW-Werk in Leipzig setzte Milberg gegen Widerstand im Konzern durch. Sparsamere Naturen hatten sich für den tschechischen Standort Kolin ausgesprochen. Doch durch die Zustimmung des Betriebsrats zu einem neuen Arbeitszeitmodell wird Leipzig konkurrenzfähig. Je nach Bedarf sollen zwischen 60 und 140 Stunden gearbeitet werden. In Spitzenzeiten laufen die Bänder sogar 168 Stunden ohne Unterbrechung. Zwischen vier und sechs Arbeitstage pro Woche sind so jeweils zwei oder drei Schichten möglich. Überstunden werden in Arbeitszeitkonten festgehalten, die bis zu 200 Arbeitsstunden oder fünf Arbeitswochen betragen dürfen - die atmende Fabrik à la VW funktioniert auch im Premium-Segment.

BMW braucht ein Standbein in Asien

Auch auf die Frage, wie BMW seine Expansion auf den ausländischen Märkten absichern könnte, fand Milberg eine Antwort: BMW braucht ein Standbein in Asien. Ende Oktober reiste der BMW-Chef nach China, um das Problem mit Chinas Premier Zhu Rongij zu besprechen. Bei der Aushandlung der endgültigen Verträge kann sich jetzt sein Nachfolger, der bisherige Finanzvorstand Helmut Panke bewähren.

Es gibt also wenig Grund für den Neuen, etwas an dem eingeschlagenen Weg zu ändern. Ganz einfach wird es für Panke freilich nicht. Denn noch ist nicht sicher, ob der gerade eingeführte neue 7er BMW mit seinem umstrittenen Design der erhoffte Erfolg wird. Zudem muss Panke die 2003/2004 geplante Einführung des Einser BMW und des ersten unter bayerischer Ägide entwickelten Rolls-Royce bewältigen. Milberg hat die Messlatte hoch gelegt.