Boeing Riesenauftrag von Ryanair
London - Die irische Billigfluglinie behält sich über die Bestellung von 100 Maschinen des Typs 737-800 eine Kaufoption für weitere 50 Maschinen vor. Die ersten Jets sollen schon in diesem Jahr, die letzten im Jahr 2010 ausgeliefert werden.
Festbestellungen haben laut Boeing einen Katalogpreis von 9,1 Milliarden US-Dollar. Unternehmenskreisen zufolge dürfte Ryanair mit seiner Verhandlungsstrategie den Kaufpreis um deutlich mehr als zehn Prozent gedrückt haben. Branchenexperten dagegen rechneten schon vor der Transaktion, dass der Kaufpreis um rund ein Drittel unter dem Katalogwert liegen dürfte. Ryanair hatte zuvor auch mit dem Boeing-Konkurrenten Airbus verhandelt. Mit der neuen Order bleibt sich das Unternehmen "treu": Bislang besteht die Flotte aus 36 Jets der Typen 737-200 und 737-800, die jedoch veraltet ist. Viele der 737-200 wurden vor mehr als 20 Jahren gebaut.
Gleichzeitig mit der Order an Boeing bestellte Ryanair bei CFMI Turbinen vom Typ CFM 56-7. Allein dieses Geschäft soll 1 Milliarde Dollar wert sein. CFMI ist ein Gemeinschaftsunternehmen des US-Konzerns General Electric und dem französischen Turbinenhersteller SNEGMA (Ste Nationale d'Etude et de Construction de Moteurs d'Aviation). Nach Aussage eines Boeing-Sprechers stellt CFMI als einziges Unternehmen die Turbinen für die Boeing 737 her.
Zudem kommt das Geschäft nach einem drastischen Gewinneinbruchs im vierten Quartal auf 100 Millionen US-Dollar nach 481 Millionen Dollar im Vorjahr.
Ryanair hatte bereits im vergangenen Jahr mit Boeing über den Zukauf neuer Maschinen geredet, die Gespräche waren aber ergebnislos abgelaufen. Auf Grund der stark gesunkenen Preise war die Linie daher bei den neuen Gesprächen in einer guten Verhandlungsposition. Mit dem Zukauf neuer Maschinen stemmt sich die Fluggesellschaft gegen den allgemein rückläufigen Trend in der Luftfahrtbranche. Das durch aggressive Preise bekannt gewordene Unternehmen kündigte zuletzt einen kräftigen Wachstumskurs von jährlich 25 Prozent an und macht mit Billigangeboten vom Flughafen Frankfurt-Hahn aus der Lufthansa kräftig Konkurrenz. Die größte deutsche Airline hat unterdessen ihre Flotte verkleinert.