Boeings Dreamliner Zu große Töne gespuckt
Seattle - Mit einer Bestellankündigung der US-Fluggesellschaft Continental Airlines präsentierte Boeing zwar nun die erste große US-Fluggesellschaft als Käufer für das noch in der Entwicklung befindliche Modell. Doch mit den Kaufzusagen für zehn Maschinen durch Continental und für weitere vier Maschinen durch Vietnam Airlines kommt das Unternehmen nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" nur auf 122 Kaufabsichtserklärungen. Fest bestelllt seien sogar nur 56 Maschinen. Geplant gewesen seien aber 200 Kaufzusagen bis zum Ende des Jahres 2004.
Damit verfehlt Boeing sein Absatzziel ausgerechnet bei seinem einzigen Hoffnungsträger im Zivilflugzeugbau. Das Modell 7E7 ist ein Langstreckenjet mit nur etwa 200 Sitzplätzen, der aber vergleichsweise sparsam ist und kostengünstig betrieben werden kann. Er soll im internationalen Punkt-zu-Punkt-Verkehr eingesetzt werden. Dort erwartet Boeing erhebliches Wachstum.
Flugzeuge, die diesen Anforderungen gerecht werden, existieren zurzeit nicht. Boeing hatte gehofft, gegenüber Airbus auf Jahre hinaus einen Vorsprung zu gewinnen, weil der europäische Luftfahrtkonzern noch mit der Entwicklung des Großraumjets A 380 beschäftigt ist, nach dessen Präsentation Airbus in nahezu allen Bereichen die im Vergleich zu Boeing moderneren Konkurrenzmodelle auf dem Markt hat.
Airbus konterte jedoch unerwartet schnell und kündigte die Entwicklung des Modells A 350 an, dass auf Basis der erfolgreichen A 330-Baureihe in Konkurrenz zu Boeing treten soll. Im Zusammenhang mit den Neuentwicklungen ist ein heftiger transatlantischer Streit über die an beide Unternehmen in erheblichem Umfang gewährten Staatshilfen ausgebrochen, der womöglich vor einem Schiedsgericht der WTO enden könnte.