Börse 2003 Aktienexperte warnt vor Irak-Baisse
Berlin - Die drohende Auseinandersetzung in Irak sei "ein Damoklesschwert", dass über der Entwicklung im kommenden Jahr hänge, sagte der Leiter des Instituts für Banken- und Börsenwesen an der Universität Erlangen am Montag im Deutschlandfunk. Einzige Hoffnung Deutschlands sei derzeit der Export. Durch einen Krieg wären aber gerade Firmen in diesem Bereich "stark betroffen". Bleibe der Krieg aus, sei er "optimistisch, dass wir - aber sehr langsam - im kommenden Jahr wieder in Schwung kommen werden".
Das zurückliegende Börsenjahr bezeichnete Gerke als "große Enttäuschung". Die Erwartungen vor allem in das zweite Halbjahr hätten sich nicht erfüllt. Deutschland habe unter den großen Börsenplätzen der Welt sogar am schlechtesten abgeschnitten. "Ich glaube, dass wir einen generellen Abschlag von ausländischen Investoren bekommen haben", sagte Gerke. Die internationalen Anleger seien misstrauisch gegenüber Deutschland geworden. "Man traut uns Reformen nicht mehr zu."
Härtere Gesetze notwendig
-
3 Min
-
1 Min
-
5 Min
-
2 Min
-
1 Min
Gerke bescheinigte der Deutschen Börse gleichzeitig, mit der für kommendes Jahr geplanten Reform der Börsensegmente und der Abschaffung des Neuen Marktes "ihre Hausaufgaben erst einmal gemacht" zu haben. Anleger könnten im neuen Premiumsegment mit größerer Transparenz und mehr Informationen rechnen. Nach zahlreichen Betrugsfällen werde dies aber verlorenes Vertrauen nicht sofort zurückbringen. Gerke forderte einen gesetzlichen Schadensersatzanspruch gegen Firmenchefs. Notwendig seien auch spezialisierte Gerichte, die sich mit Börsenkriminalität befassten.
Für die Zukunft riet Gerke Kleinanlegern, "aus den leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit" zu lernen und ihr Geld breit zu streuen. Empfehlenswert sei etwa eine Mischung aus Aktien mit festverzinslichen Wertpapieren, vielleicht auch Immobilientiteln. Keinesfalls solle alles auf eine Aktie gesetzt werden. "Man kann jetzt, glaube ich, vorsichtig, aber ganz vorsichtig, die Teile, die man etwas riskanter anlegen möchte, wieder in Aktien investieren", sagte Gerke. Ob der Tiefpunkt derzeit schon erreicht sei, könne aber niemand garantieren.