Börse: Aktienfieber am Feiertag blieb aus - DER SPIEGEL
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Börse Aktienfieber am Feiertag blieb aus

Der erste Feiertagshandel an deutschen Börsen ließ die Anleger weitgehend kalt. Wie von Kritikern vorausgesagt und der Kreditwirtschaft befürchtet, litt der Handel an Himmelfahrt unter extrem niedrigen Umsätzen.
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Frankfurt am Main - Bei einem ausgesprochen ruhigen Geschäft haben die deutschen Aktien bei ihrem ersten Feiertagshandel kräftig zugelegt. Der Deutsche Aktienindex Dax schloss bei 7272,76 Zählern um 2,29 Prozent fester, nachdem die Umsätze mit der Eröffnung der US-Börsen noch etwas gestiegen waren.

Die Deutsche Börse AG in Frankfurt und alle deutschen Regionalbörsen meldeten ein ausgesprochen ruhiges Geschäft. Professionelle Investoren und auch die Kleinanleger verbrachten ihrer Freizeit an Vatertag offensichtlich lieber mit Familien und Freunden.

Dennoch: Der Bann zur Ausweitung der Börsentage und Handelszeiten ist gebrochen. Von Freitag an werden die Handelszeiten an Deutschlands Börsen ausgedehnt. Anleger können nun zwischen 09.00 und 20.00 Aufträge abwickeln lassen, statt nur wie bisher bis 17.30 Uhr. Und auch an den Feiertagen Pfingstmontag (12. Juni), Fronleichnam (22. Juni) sowie am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) werden in Frankfurt, auf dem elektronischen Handelssystem Xetra und allen Regionalbörsen künftig Wertpapiere die Besitzer wechseln.

Die Kreditwirtschaft hatte sich vor der Feiertagspremiere in Deutschland skeptisch gezeigt und einen flauen Handel an den Wertpapierbörsen prognostiziert. Von Vertretern der Kirchen und der Gewerkschaften HBV und DAG hagelte es heftige Proteste. Rund 200 von ihnen demonstrierten am Donnerstag vor der Frankfurter Börse gegen die Jagd auf steigende Aktienkurs auch an Feiertagen. Sie sahen sich angesichts der Kaufzurückhaltung bestätigt. "Das ist eine ökonomisch unsinnige und überflüssige Veranstaltung", so die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV), Margret Mönig- Raane.

Kritik kam auch von den Kirchen. Die Stärke eines Landes messe sich nicht nur an der Wirtschaftskraft, sondern auch an seiner Kultur. "Gemeinsame Feiertage gehören zur Kultur in Deutschland", sagte eine Sprecherin der evangelischen Kirche in Frankfurt.

Begründet wurde die Öffnung der Börsen mit dem internationalen Wettbewerb. Dieser zwinge die Deutschen zur Anpassung an weltweite Handelsgepflogenheiten. "In den USA käme man nie auf die Idee, am Unabhängigkeitstag mit Aktien zu handeln", hält DAG-Vorstandsmitglied Gerhard Renner dagegen. Erst am Montag waren beispielsweise die Börsen in London und New York wegen eines Feiertages geschlossen - obwohl hier zu Lande Wertpapiere gehandelt wurden. Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) erwägt rechtliche Schritte gegen die Feiertagsöffnung der Börsen. Schon die Verlängerung der Handelszeiten an Werktagen ist für sie eine bittere Pille.

Während sich die Händler auf den Parketts langweilten und das geringe Auftragsvolumen beklagten, verteidigte die Deutsche Börse AG erneut das umstrittene Projekt. "Wir haben 660 Handelsteilnehmer und die Hälfte davon kommt nicht aus Deutschland, sondern aus 16 europäischen Ländern und den USA", erläuterte ihr Presse-Chef Walter Allwicher. Außerdem sei auch an schwachen Tagen "ein fairer Handel stets garantiert". In Frankfurt nahmen Makler und Händler das lahme Geschäft gelassen. Die reichlichen Pausen nutzten sie am Donnerstag für kulinarische Genüsse: Leberkäse und Bier.