Börse am Abend Bayer hält die Spitze
Frankfurt am Main - Der Dax verharrte am Abend im Minus und verlor bis 18.30 Uhr rund 0,3 Prozent auf 6173 Punkte. Deutlich schwächer präsentierten sich die Wachstumswerte: Der Nemax 50 gab um 1,7 Prozent auf 1703 Punkte nach.
Die New Yorker Börsen notierten unterdessen uneinheitlich. Während die Nasdaq um 0,6 Prozent auf 2231 Zähler anzog, verlor der Dow Jones 0,3 Prozent auf 11.038 Punkte.
Sowohl in den USA als auch am deutschen Markt hielten sich Anleger Händlern zufolge im Vorfeld des Berichts des Chipkonzerns Intel zur Geschäftsentwicklung im laufenden Quartal zurück. "Der Markt erwartet wohl eher etwas verhaltene Zahlen und einen verhaltenen Ausblick, von daher sollte das keine Überraschung mehr sein", sagte ein Marktteilnehmer. Allerdings sieht der Experte eigenen Angaben zufolge Aufwärtspotenzial für die Technologiewerte am deutschen Markt, sollte der Intel-Bericht positiv ausfallen. Die Intel-Zahlen werden nach US-Börsenschluss erwartet.
Die Bayer-Aktie führte auch am Abend die Gewinnerliste an. Der Wert kletterte um 2,9 Prozent auf 47,60 Euro nach oben. Der Chemiekonzern profitierte von einer Empfehlung der Investmenthäuser Goldman Sachs und JP Morgan. Analysten sagten auch, die US-Pharmaunternehmen Bristol-Myers und DuPont hätten exklusive Kaufverhandlungen über die DuPont-Pharmasparte aufgenommen. Damit sei eine Übernahme der Sparte durch Bayer unwahrscheinlich geworden. Zudem habe der Markt den Preis für eine solche Übernahme als zu hoch erachtet.
Ebenfalls stark präsentierten sich die Aktien von Degussa (plus 1,7 Prozent auf 35,88 Euro) und BASF (plus 1,3 Prozent auf 47,30 Euro). Bereits gestern hatte Degussa vom geplanten Börsengang der Biotech-Tochter Zentaris profitiert.
Unter Druck standen die Finanztitel. Die Aktien von Allianz und Münchener Rück wurden Händlern zufolge nach den jüngsten Kurszuwächsen von Gewinnmitnahmen belastet. Allianz verloren 2,1 Prozent auf 339,56 Euro, Münchener Rück gaben um 0,4 Prozent auf 330,25 Euro nach.
Eine Ergebniswarnung des US-Finanzdienstleisters JP Morgan Chase belastete nach Händlerangaben die Aktien der Deutschen Bank, die um rund 0,9 Prozent auf 89,04 Euro nachgaben. Die Anteilsscheine der Dresdner Bank verloren 1,6 Prozent auf 53,11 Euro.
Die Technologiewerte im Dax wurden von einer Hewlett Packard-Umsatzwarnung und den Intel-Gerüchten zunächst belastet, konnten aber einen Großteil ihrer Verluste wieder wettmachen. Infineon-Aktien gaben 0,6 Prozent auf 39,07 Euro nach, Siemens-Aktien fielen um 0,5 Prozent auf 84,70 Euro. Besser erging es Epcos und SAP. Die Titel der Walldorfer Softwareschmiede stieg wieder bis an den Vortagesschlusskurs bei 174,44 Euro, während die Epcos-Papiere sogar ein Plus von 0,5 Prozent auf 74 Euro verzeichneten.
Die Abwehr einer feindlichen Übernahme, die Abspaltung der Tochter Audi und der Streit mit verschiedenen Investmentfonds bestimmten die Hauptversammlung bei Volkswagen. Fondsmanager erhöhen den Druck auf Unternehmenschef Ferdinand Piëch, Vorzugsaktien möglichst bald in Stammaktien umzuwandeln. Die im Dax notierte Stammaktie notierte nahezu unverändert bei 59,60 Euro. Die Konkurrenten DaimlerChrysler (minus 1,3 Prozent auf 53,90 Euro) und BMW (plus 1,5 Prozent auf 40,80 Euro) notierten uneinheitlich.
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Beim Energiekonzern RWE ging es während der heutigen Hauptversammlung in Essen ebenfalls um ein Aktienrückkaufprogramm -die Aktionäre werden vermutlich ein Rückkaufprogramm von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals beschließen. Vorstand und Aufsichtsrat wollen damit die Attraktivität der Aktie erhöhen und den Anteil der Vorzugsaktien verringern. Die Anteilsscheine des Versorgers verbilligten sich geringfügig.
Die T-Aktie gab einen Großteil der Gewinne wieder ab und notierte nur noch mit 0,4 Prozent auf 23,39 Euro im Plus. Die Deutsche Telekom plant, eine neue Anleihe an den Markt bringen. Ehemalige Voicestream-Aktionäre werfen das Papier der Deutschen Telekom derzeit in großen Mengen auf den Markt. Dies drückte die Aktie am Vortag auf ein Zwei-Jahres-Tief von 23,30 Euro.
Neuer Markt kann Nasdaq-Vorgaben nicht umsetzen
Die Wachstumswerte haben bis zum Abend weiter nachgegeben und konnten die positive Tendenz der US-Technologiebörse nicht nachvollziehen. Händler machten dafür auch die zu geringe Liquidität im Aktienhandel verantwortlich. "Man muss sich derzeit sehr anstrengen, um am Neuen Markt Geld zu verdienen", sagte ein Händler in Frankfurt. Der ohnehin schon schwache Handel würde die Börsianer verschrecken. "Wenn man eine größere Position aufbaut, weiß man oft nicht, wie man diese wieder los wird", sagte er.
EM.TV hatte die endgültigen Bilanzzahlen für das abgelaufene Jahr verspätet bei der Deutschen Börse vorgelegt. Der Verlust, nach vorläufigen Zahlen 2,8 Milliarden Mark, verminderte sich auf 2,56 Milliarden Mark. Die Aktie verbilligte sich dennoch um 4,62 Prozent auf 3,10 Euro. Jetzt warten die Börsianer auf die überfälligen Ergebnisse des ersten Quartals.
Von Kursverlusten war der gesamte Logistikbereich betroffen. D.Logistics-Aktien gaben um 9,4 Prozent auf 23,10 Euro nach, die von Thiel Logistik sanken um 3,9 Prozent auf 22,10 Euro.
Zulegen konnten die Aktien der Münchner Kinowelt. Die Papiere stiegen um 6,5 Prozent auf 3,88 Euro, nachdem der Vorstand versicherte, er habe im Vorfeld einer Gewinnwarnung am 23. März keine Aktien verkauft. Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel hatte am Mittwoch ein Verfahren eingeleitet, dass die auffälligen Aktienverkäufe im Vorfeld aufklären soll. Die Aktie hatte am Vortag über neun Prozent eingebüßt und verkommt mehr und mehr zu einem Zockerpapier.
Singulus Technologies-Titel kletterten nach Großaufträgen um 2,9 Prozent auf 28 Euro. Zwei internationale Unternehmen hätten insgesamt zwölf Spaceline DVD Replikationslinien bestellt. Das Volumen der zwei Aufträge belaufe sich auf rund 15 Millionen Euro, teilte Singulus mit.
Im alle Werte umfassenden Nemax All Share legten die Anteilsscheine von Lipro um über 16 Prozent auf 1,52 Euro zu. Die Aktie führte damit die Liste der Gewinner am Neuen Markt an. Größter Verlierer war das Papier von E.Multi, das knapp 15 Prozent auf 3,19 Euro nachgab.
EZB lässt Zinsen unverändert
Der Euro hat kaum auf den erwarteten Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen unverändert zu lassen, und die anschließenden Äußerungen von EZB-Präsident Wim Duisenberg reagiert. Die Währung stieg im Verlauf zwar wieder über 0,85 Dollar. Händler begründeten dies jedoch vor allem mit einer technischen Reaktion auf die überverkaufte Marktlage.
Die überraschend hohen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe hatten dem Euro zuvor nur zu vorübergehenden geringen Kursgewinnen verholfen. Das britische Pfund fiel wegen Spekulationen über einen baldigen Euro-Beitritt Großbritanniens gegen den Dollar auf ein neues 15-Jahrestief.