Börse am Abend: Bereinigung am Neuen Markt - DER SPIEGEL
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Börse am Abend Bereinigung am Neuen Markt

Am Abend deuteten die deutschen Aktienindizes auf einen versöhnlichen Wochenschluss hin. Am Neuen Markt würden die Investoren jetzt klar zwischen überlebensfähigen und "toten" Unternehmen unterscheiden, sagten Händler.
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Frankfurt am Main – Der Dax stand gegen 18.40 Uhr mit einem Prozent bei 6030 Punkten im Plus. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 bei plus 1,4 Prozent bei 1436 Zählern.

Mit einem Kursaufschlag von 3,33 Prozent auf 26,71 Euro knüpfte die T-Aktie an die gute Performance des Vortages an. Am Markt gewannen die Telekomtitel nach den Diskussionen um Schulden und UMTS-Lizenzen langsam wieder an Stärke. Bei hohen Umsätzen deckten sich in- und ausländische Fondsgesellschaften mit der T-Aktie ein.

Epcos konnten sich nach der langen Talfahrt wieder erholen. Die Papiere stiegen zuletzt noch um 2,63 Prozent auf 63,55 Euro und lagen damit hinter der T-Aktie. Der Wert habe nach seiner Talfahrt bei 60 Euro eine Unterstützung erfahren, von der er nun nach oben abpralle, hieß es vom Parkett. Diese technische Unterstützung, sowie die Erholung im Telekommunikationssektor habe der Aktie auch ohne Neuigkeiten von fundamentaler Seite Auftrieb gegeben, erklärten Händler.

Die Papiere der Konzernmutter Siemens konnten sich zum Abend in etwa auf ihr Vortagesniveau bei 71,80 Euro vorarbeiten. Das gestrige Analystentreffen hatte die institutionellen Anleger scheinbar nicht überzeugt. Zwar konnte der Münchener Elektronikkonzern Gerüchte um eine Gewinnwarnung zerstreuen, doch äußerten sich Analysten eher verhalten: Der Technologiekonzern werde bei den Investoren Überzeugungsarbeit leisten müssen, dass es sich bei der positiven Entwicklung nicht nur um eine kurzfristige Angelegenheit handele, hieß es bei Goldman Sachs.

Die Papiere der zweiten Siemenstochter, die Aktien von Infineon, rutschten dagegen ans Dax-Ende mit Kursabschlägen von 2,7 Prozent auf 27,79 Euro.

Gesellschaft am Dax-Ende leisteten Infineon die Aktien der Softwareschmiede SAP, die 1,8 Prozent auf 163,03 Euro nachgaben. Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, mit einer Investition von 225 Millionen Dollar ihren Anteil an der US-amerikanischen Commerce One auf 20 Prozent aufzustocken. Der US-Anbieter einer E-Business-Plattform überraschte am Freitagnachmittag indes mit einer Umsatzwarnung.

Die Versicherungswerte Allianz (plus zwei Prozent auf 345 Euro) und Münchener Rück (plus 2,1 Prozent auf 333,80 Euro) konnten an die gute Performance vom Donnerstag anschließen.

Die Aktien von DaimlerChrysler verteuerten sich zuletzt um 1,58 Prozent auf 54 Euro. Ein Händler begründete den Kursanstieg damit, dass vermehrt Kaufgesuche aus dem Ausland eingesetzt hätten. Dabei seien nicht nur die Anteilsscheine von Daimler, sondern auch die von Volkswagen (plus 1,8 Prozent auf 55,21 Euro) und Porsche (plus 6,44 Prozent auf 405 Euro) gefragt gewesen. Ebenso zogen BMW-Aktien an. Am Nachmittag hatte die Aktie noch mehr als ein Prozent im Minus gestanden, zuletzt rückte sie mit 0,3 Prozent auf knapp 39 Euro ins Plus.

Neuer Markt zwischen Licht und Schatten

Licht und Schatten prägten am Freitag das Bild am Neuen Markt. "Vier Insolvenzen sind nun wirklich kein Ruhmesblatt für dieses Marktsegment", sagte ein Händler. Aktien von Unternehmen, "die überleben werden", würden dagegen gekauft.

Die Aktie der Lion Bioscience AG legte 5,13 Prozent auf 33 Euro zu. Händler führten dies auf die Schwäche anderer Papiere am Neuen Markt zurück. Dass die Aktie steigt, "liegt einfach an der Qualität des Unternehmens", sagte Franz Kaim vom Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz. Biotechnologieunternehmen, die bereits Produkte anböten oder in der Forschung schon recht weit seien, liefen gut. "Es trennt sich die Spreu vom Weizen", hieß es einmal mehr im Handel. Lion würden gekauft, "weil sie überleben werden".

Logistik-Aktien standen unter Druck. D.Logistics verloren 8,31 Prozent auf 14,35 Euro. Thiel gaben knapp drei Prozent auf 19 Euro nach. "Große Firmen, die auch im Logistikbereich tätig sind, haben in jüngster Zeit nur Gewinnwarnungen ausgegeben", sagte ein Händler und verwies auf FedEx, die am Donnerstag enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt hatten. Hinzu kämen hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse in diesem Segment. Ob die Anleger Angst vor einem schlechteren Wachstum als vom Unternehmen angekündigt hätten, sei "immer eine Glaubwürdigkeitsfrage", fügte er hinzu.

Vor Börseneröffnung schockten Kabel New Media und Sunburst Merchandising mit neuen Schreckensmeldungen: Kabel hat einen Zahlungsstopp veranlasst, nachdem Verhandlungen mit einem Investor abgebrochen wurden. Damit gerät die Internetagentur in finanzielle Schieflage, die Pleite rückt näher. Die Reaktion der Börse war erwartungsgemäß hart. Der eh schon ausgebombte Aktienkurs verlor zuletzt rund 53 Prozent und dümpelte um die 50-Cent-Marke. Zu den Hochzeiten des Internet-Booms markierte das Papier einen Höchststand von über 80 Euro.

Der schon bekannte Skandalfall Sunburst Merchandising geht in die nächste Runde: Das Amtsgericht Osnabrück wird am 1. Juli 2001 über den Antrag des Unternehmens auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens entscheiden. Der vorläufige Insolvenzverwalter komme in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Voraussetzungen für die Eröffnung vorliegen, teilte Sunburst mit. Die Anleger haben das Vertrauen verloren: Die Aktie verlor rund 36 Prozent und fiel auf 0,34 Euro.

Die Aktien von MB Software fielen nach der Ankündigung, dass das Unternehmen seine Prognosen nicht halten kann, zuletzt um 24 Prozent auf 1,22 Euro. Zeitweilig hatten die Verluste mehr als 60 Prozent betragen.

Für den Gesamtmarkt sah ein Marktteilnehmer wieder "Luft nach oben". "Jetzt ist alles zertrümmert, was zuertrümmert werden musste", begründete er seine Ansicht. Eine Fondsmanagerin ging dagegen nicht davon aus, dass der Markt in den nächsten Wochen stark anziehen wird.