Börse am Abend: Dow Jones mit Schwächeanfall - DER SPIEGEL
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Börse am Abend Dow Jones mit Schwächeanfall

Trotz überraschend positiver Konjunkturdaten aus den USA geben die Indizes ihre Gewinne ab oder rutschen ins Minus. Die Rallye von Infineon ist gestoppt, Siemens und Lufthansa bleiben aber stark.
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New York / Frankfurt am Main - Gute Konjunkturdaten und die Zahlen von Hewlett Packard   hatten der Wall Street zunächst Auftrieb gegeben: Der Dow Jones gab bis 17 Uhr jedoch seine Gewinne vollständig wieder ab und notierte bei 9764 Zählern, während der Technologieindex Nasdaq Composite sogar leicht ins Minus drehte.

Die Einzelhandelsumsätze in den USA sind im Oktober im Vergleich zum Vormonat überraschend stark um 7,1 Prozent gestiegen. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg in Höhe von 2,2 Prozent gerechnet. Allerdings ist das starke Wachstum auf die Nullzins-Finanzierungsangebote der Fahrzeughändler zurück zu führen. Die erste Euphorie nach den Zahlen hat sich gelegt.

In Deutschland belasten außerdem düstere Konjunkturaussichten. Die so genannten Fünf Weisen sehen die Wirtschaftslage noch düsterer als die Bundesregierung: Statt der von Rot-Grün anvisierten 1,25 Prozent Wachstum erwarten sie für 2002 nur 0,7 Prozent, schließen aber auch eine Rezession nicht aus.

HP stützt Technologiesektor

Der zweitgrößte amerikanische Computerkonzern Hewlett-Packard hat im Geschäftsjahr 2000/2001 (31. Oktober) auf Grund des schwachen Computermarktes einen scharfen Gewinn- und Umsatzrückgang verbucht. Der Pro-Forma-Gewinn im Schlussquartal lag unter Ausklammerung von Umstrukturierungskosten jedoch noch bei 19 Cents pro Aktie und damit klar über den Erwartungen der Analysten. Die Aktie legte im frühen New Yorker Handel deutlich zu.

Siemens sehr fest

Der Dax notierte bis 17 Uhr nur noch 0,3 Prozent im Plus bei 4957 Punkten. Die Wachstumswerte im Nemax 50 reduzierten ihre Gewinne auf 2,4 Prozent. Mit Siemens, Allianz, Bayer und Lufthansa meldeten heute eine ganze Reihe von Dax-Werten Geschäftszahlen.

Siemens   kletterten nach Bekanntgabe der Geschäftsjahresbilanz kräftig und standen zuletzt mit rund sieben Prozent im Plus. Kosten für die Restrukturierung und Verluste der Chip-Tochter Infineon sowie der Telekommunikationssparten haben dem Konzern im abgelaufenen Quartal einen Milliarden-Verlust beschert.

"Die Zahlen sind schwächer als erwartet ausgefallen", sagte ein Händler. Aber solange keine Horrorzahlen am Markt auftauchen, griffen die Anleger zu. Der Aufschwung steht jedoch auf wackeligen Füßen: Bei der Tochter Infineon scheint die Rallye jedoch vorerst vorbei.

Schwergewichte wie DaimlerChrysler   und Deutsche Telekom   verteidigten am Abend Kursgewinne von zuletzt jeweils mehr als drei Prozent.

Warmer Regen für die Telekom

Die Deutsche Telekom erhält von den Finanzbehörden eine Steuerrückzahlung in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Wie das Unternehmen bekannt gab, geht es dabei um Körperschaftssteuern des vergangenen Jahres sowie Vorauszahlungen aus dem laufenden Jahr. Die Beträge seien "in vollem Umfang cash-wirksam" und würden zur weiteren Schuldenreduzierung verwendet.

Die Lufthansa   hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres wie erwartet einen Ergebniseinbruch verbucht, dabei aber noch schwarze Zahlen geschrieben. Eine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gab Konzernchef Jürgen Weber mit Verweis auf die unsichere Lage der Luftverkehrsbranche in Folge der Anschläge in den USA nicht ab. Der Kurs der Lufthansa-Aktie stieg zuletzt um 7,6 Prozent und eroberte die Dax-Spitze.

Bayer und Allianz bauen Verluste aus

Dagegen gab die Aktie von Bayer   nach Vorlage der Quartalszahlen gegen den Trend mehr als drei Prozent nach. Der Konzern hat für das dritte Quartal einen drastischen Ergebnisrückgang ausgewiesen und die Erwartungen von Analysten verfehlt. Unter dem Strich wies Bayer einen Konzernverlust von 183 Millionen Euro aus, nach einem Gewinn von 534 Millionen im Vorjahr.

Die Allianz   muss aus den Anschlägen auf das World Trade Center (WTC) größere Schäden verkraften als erwartet, hält aber an ihrer Prognose für das Jahr 2001 fest. Der Schadenaufwand auf eigene Rechnung liege bei 1,5 Milliarden Euro statt der bislang veranschlagten einen Milliarde Euro, teilte Europas größter Versicherungskonzern mit. Die Aktie gab weiter nach und rutschte mit 2,1 Prozent auf 272 Euro ins Minus. Auch die Papiere der Münchener Rück   gaben nach.

Neuer Markt behauptet

Im Nemax 50 gehörten Broadvision  , Aixtron   und Constantin   mit zweistelligen Zuwächsen zu den größten Gewinnern. Dagegen bauten Carrier 1   ihre Verluste deutlich aus und standen zuletzt mit knapp 17 Prozent auf 1,42 Euro im Minus. Das Unternehmen hat für das dritte Quartal tiefrote Zahlen vorgelegt. Der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) habe bei 45,7 Millionen US-Dollar gelegen, teilte der Anbieter von Daten- und Sprachverkehrsdienstleistungen mit.

Die Aktien des Chipbrokers Ce Consumer   legten einen Tag nach Vorlage der Quartalszahlen weiter zu. Nach einem Plus von 12,50 Prozent am Vortag kletterten Ce zuletzt um weitere elf Prozent auf 8,97 Euro.

Euro unter Druck

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Einzelhandelsumsätze gab der Euro deutlich nach auf das neue Tagestief von 0,8773 US-Dollar. Am Nachmittag stieg die Währung jedoch wieder leicht über 88 Cent.