Börse am Abend: Entspannung, doch keine Entwarnung - DER SPIEGEL
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Börse am Abend Entspannung, doch keine Entwarnung

Am Abend erholen sich die Börsen minimal. Intel bricht jedoch zweistellig ein, und auch Finanzwerte wie Citigroup und Deutsche Bank bleiben unter Druck. Im Dax gibt es am Abend immerhin drei Gewinner. Händler bleiben skeptisch, ob das Kursgewitter überstanden ist.
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Frankfurt am Main – Nach dem durch Intel ausgelösten Kursdebakel beruhigen sich die Märkte gegen Abend ein wenig. Der Nasdaq Composite, der zeitweise unter 1500 Zähler notiert hatte, reduzierte seine Verluste bis 19 Uhr auf 1,9 Prozent und notierte bei 1524 Punkten. Der Dow Jones halbierte seine Verluste und stand am Abend nur noch 0,7 Prozent im Minus. Auch die deutschen Indizes entfernen sich von ihren Tagestiefs.

Händler geben jedoch keine Entwarnung. Die Geduld der Anleger sei am Ende, wie die zweistelligen Kursverluste bei Intel und Tyco zeigen. Der Chiphersteller von Intel   hatte am Vorabend seine Umsatzprognose gesenkt und war von zahlreichen Investmentbanken herabgestuft worden. Die Märkte, die auf Grund der Krisen im Nahen Osten und in Indien seit Wochen stark verunsichert sind, quittierten dies zum Wochenschluss mit deftigen Abschlägen quer durch alle Branchen. "Ich glaube nicht, dass wir die Tiefs bereits jetzt gesehen haben", sagte ein Händler in New York.

Finanz- und Biotechtitel auf der Verkaufsliste

Technologietitel konnten sich am Abend leicht erholen, doch standen Finanzwerte und Biotechwerte weiter unter Druck. JDS Uniphase und Oracle drehten an der Nasdaq ins Plus, während im Dow Jones der Chemiekonzern DuPont und General Motors zulegten. Neben Intel, die rund 18 Prozent nachgaben, verzeichnete auch das Biotech-Unternehmen Biogen zweistellige Verluste. Der Schering-Konkurrent hat seine Gewinn- und Umsatzprognosen für das zweite Quartal und das Gesamtjahr gesenkt.

Weiterhin schwach notierten an der Wall Street Citigroup   und American Express   , was in Frankfurt auch die Aktie der Deutsche Bank   belastete. Angesichts der Börsenschwäche lässt sich im Investmentbanking derzeit wenig Geld verdienen.

Dax leicht erholt – T-Aktie knapp über zehn Euro

Auch die Konjunkturdaten können die entnervten Anleger nicht beruhigen. Die Arbeitslosenquote in den USA ist zwar stärker als von Volkswirten erwartet von 6,0 Prozent im April auf 5,8 Prozent im Mai gesunken. Jedoch war auch die Zahl der neu geschaffenen Stellen geringer als erwartet.

Dax leicht erholt

Der Dax reduzierte bis 18.30 Uhr seine Verluste auf 1,5 Prozent und notierte bei 4586 Punkten, nachdem er am Mittag bereits 2,9 Prozent nachgegeben hatte. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 "nur" noch 2,3 Prozent schwächer – bei einem Kursniveau von 736 Punkten allerdings ein schwacher Trost.

T-Aktie nur knapp über der Zehn-Euro-Marke

Die T-Aktie   rutschte im Handelsverlauf auf ein Allzeittief von 10,06 Euro. Zuletzt notierte das Papier auf 10,32 Euro, ein Minus von 3,1 Prozent. Die Deutsche Telekom wurde nicht nur von der extrem schlechten Börsenstimmung belastet: Zusätzlich hat der Indexgestalter Dow Jones die weltweit agierende Telefongesellschaft per 24. Juni aus ihrem "Global Titans 50" Index gestrichen. Und auch der Schuldenabbau geht anscheinend nicht voran. "Es wird keinen signifikanten Fortschritt beim Schuldenabbau geben", sagte Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick der "Financial Times Deutschland".

"Es ist derzeit sehr leicht bei der Deutschen Telekom auf sinkende Kurse zu spekulieren", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Die sehr liquide Aktie sei eine ideale Tummelwiese für Hedge-Fonds, die ihr Geld mit sinkenden Kursen verdienten. Ein anderer Händler sagte: "Die Börse will die Aktie unter zehn Euro sehen". Zumindest am Freitag ist die T-Aktie dem Fall unter die Zehn-Euro-Marke noch einmal entkommen.

Hightechs im Taumel

Mit der leichten Erholung an der Nasdaq reduzierten auch die deutschen Technologietitel, die unmittelbar nach der Intel-Umsatzwarnung in den Keller gerutscht waren, ihre Verluste. Epcos   übernahm mit einem Minus von sechs Prozent die rote Laterne im Dax, während der Chiphersteller Infineon   seine Verluste auf 4,3 Prozent halbierte. Aber auch die Aktien von Siemens   (minus 2,7 Prozent), und SAP   (minus 0,6 Prozent) präsentierten sich schwächer.

Im Einklang mit anderen Bankenwerten gaben die Titel der Deutschen Bank   3,5 Prozent auf 72,58 Euro ab und gehörten gemeinsam mit DaimlerChrysler   und Deutscher Post   neben den Techtiteln zu den schwächsten Werten im Index. Die englische Zeitung "Times" hatte berichtet, dass die Bank wegen des flauen Investmentbanking-Geschäfts weitere Stellen abbauen wolle.

Zu den drei Gewinnern im Dax zählten am Abend der Touristikkonzern Preussag   , der Rückversicherer Münchener Rück   und der Sportartikelhersteller Adidas   mit Aufschlägen zwischen 0,5 und 2,5 Prozent. Preussag und Münchener Rück hatten in den Vortagen deutlich nachgegeben, und bei Adidas nannten Händler den Flucht in Old-Economy Titel sowie die Fußball-WM als Grund für das Kaufinteresse.

Abschied vom Neuen Markt

Der Kursrutsch an der Nasdaq hat naturgemäß die Aktien am Neuen Markt in die Tiefe geschickt. Die Rückgang der Arbeitslosenzahl im Mai um 78.600 auf 3.945.400 habe sich nicht auf den Handel ausgewirkt, sagte ein Händler. Der Nemax 50 notierte zeitweise nur noch knapp über 700 Punkten und notierte am Abend wieder bei 736 Zählern. Doch ist die Erholung nicht überzubewerten: "Die meisten Investoren haben sich inzwischen aus diesem Segment verabschiedet", sagte ein Händler.

Zu den größten Gewinnern zählten am Abend der gebeutelte Biotechwert Evotec   , der auf Grund einer technischen Gegenreaktion wieder zulegte, und Funkwerk. Dagegen mussten der Pennystock und Zocker-Spielball Broadvision   sowie Lion Bioscience   , die seit Vorlage schlechter Quartalszahlen dramatisch an Wert verlieren, erneut empfindliche Verluste hinnehmen.

Mobilcom-Aufsichtsrat tagt

Mobilcom-Aktien   reduzierten zuletzt ihre Verluste auf 1,2 Prozent und notierten bei 15,45 Euro. Der Aufsichtsrat tagte am Freitag und Marktbeobachter spekulieren, dass dort auch die Zukunft des Firmenchefs Gerhard Schmid verhandelt werde. Der Vorstandschef war in der vergangenen Woche bei der Hauptversammlung von den Aktionären nicht entlastet worden.

Euro nimmt 0,95-Dollar-Marke ins Visier

Euro nimmt Marke von 0,95 Dollar ins Visier

Der Euro notierte am Abend in Frankfurt bei 0,9434 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Freitag den Referenzkurs bei 0,9452 (Donnerstag: 0,9386) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0580 Euro.

Der Euro habe von der enttäuschenden Beschäftigungsentwicklung in den USA profitiert, sagte ein Devisenexperte. Zwar sei die Arbeitslosenquote gesunken, die Zahl der Beschäftigten sei jedoch nicht in dem Umfang gestiegen, wie dies erwartet worden war. Zudem hat die anhaltend schwache Entwicklung an den US-Aktienmärkten den Dollar belastet. Sollte die Aktienmarktschwäche länger anhalten, stelle sich zunehmend die Frage, wie die USA ihr immenses Leistungsbilanzdefizit finanzieren sollen.