Börse am Abend Greenspan bleibt vorsichtig
New York / Frankfurt am Main Notenbankchef Alan Greenspan hat allzu optimistische Erwartungen über ein Durchstarten der US-Konjunkturgedämpft. Bei einem Vortrag in San Francisco warnte er davor, dass nach wie vor "signifikante" Risiken bestünden, die kurzfristig den Aufschwung der US-Wirtschaft dämpfen könnten. Es sei noch zu früh, einen bevorstehenden Konjunkturaufschwung zu bestätigen.
Die neueren Daten würden allein darauf hinweisen, dass sich der Zustand der US-Konjunktur von "schlecht" auf "gemischt" geändert habe. Um eine deutlich bessere Entwicklung zu verzeichnen, muss nach Einschätzung von Greenspan die gesamtwirtschaftliche Nachfrage anziehen. Danach könnte dann von dem abgeschlossenen Lagerbestandsabbau ein neuer expansiver Impuls kommen.
Dax rutscht ins Minus
Der Standardwerte-Index Dow Jones drehte unmittelbar nach der Rede um 0,7 Prozent ins Minus und notierte bei 10.035 Punkten. Der Nasdaq Composite gab 0,9 Prozent auf 2028 Punkte nach. Der Dax schloss 0,4 Prozent im Minus bei 5209 Zählern, während der Nemax 50 behauptet bei 1252 Punkten aus dem Handel ging.
Die T-Aktie büßte 2,46 Prozent auf 18,23 Euro ein. Die finanzielle Situation des Konzerns ist einem Bericht der FTD zufolge offenbar deutlich angespannter als bislang bekannt. Die Börsianer zeigten sich außerdem wenig erfreut darüber, dass die Bonner in der ersten Jahreshälfte den 49,9 prozentigen Anteil an Debis Systemhaus für 4,6 Milliarden Euro von DaimlerChrysler kaufen.
Die Bayer-Aktie war mit einem Verlust von 2,7 Prozent auf 37,18 Euro schwächster Dax-Wert. Der Pharma- und Chemiekonzern schließt Umsatzausfälle nach der Patentstreit-Einigung mit seinem Schweizer Wettbewerber Syngenta nicht aus. Zudem belasteten negative Analystenkommentare von ABN Amro den Titel.
Ford kürzt Dividende - deutsche Autobauer uneinheitlich
Der verschuldete Autobauer Ford will fünf Fabriken schließen und die Produktion um rund 1 Million PKW drosseln. Nach Informationen von manager-magazin.de lag der Gesamtverlust im Geschäftsjahr 2001 bei rund 2,5 Milliarden Dollar. Der Konzern teilte am Freitag Nachmittag mit, die Dividende um 33 Prozent zu kürzen.
Trotz der schlechten Nachrichten von Ford standen Volkswagen -Papiere mit einem Gewinn von 0,1 Prozent minimal im Plus. Die Investmentbank Goldman Sachs hatte dem US-Geschäft der Wolfsburger stabile Gewinne prophezeit, solange die Stärke des Dollars anhalte. Die Papiere von DaimlerChrysler stiegen um 0,63 Prozent auf 47,59 Euro. Dagegen gaben die Papiere von BMW um 2,6 Prozent auf 39,35 Euro nach und zählten mit Bayer und Telekom zu den schwächsten Titeln im Dax.
SAP: Merrill Lynch und UBS Warburg ziehen nach
Anleger schwenkten auf defensive Titel. Gewinner im Dax waren die Anteilsscheine der Deutschen Post (plus 1,9 Prozent) und MAN (plus 2,5 Prozent). Auch Infineon schloss in die Spitzengruppe im Dax auf. Der US-Chiphersteller Rambus hat die reduzierten Erwartungen der Analysten übertroffen.
Die Aktien von SAP kletterten um weitere 1,5 Prozent auf 165,55 Euro, nachdem die Investmentbank Merrill Lynch das Kursziel auf 185 Euro angehoben hatte. Bereits in den Vortagen hatten mehrere Finanzhäuser den Softwarehersteller heraufgestuft. Am späten Nachmittag folgte UBS Warburg mit einem Upgrade.
Neuer Markt schließt behauptet
Der Neue Markt hat sich am Freitagabend bei geringen Umsätzen behauptet gezeigt. Die Rede des US-Notenbankpräsidenten Alan Greenspan führte nur zu einem kurzen Abstecher in die Verlustzone. Der Auswahl-Index NEMAX 50 schloss unverändert bei 1252 Punkten. Der Nasdaq Composite notierte um 20 Uhr MEZ mit 0,9 Prozent im Minus.
"Die Konsolidierung ist noch nicht beendet", sagte ein Händler. Mangelndes Vertrauen in das Marktsegment setze der Entwicklung nach oben nach wie vor Grenzen. Ein anderer Marktteilnehmer erwartet, dass sich die weitere Entwicklung in der kommenden Woche entscheidet: "Entweder es geht hoch auf 1.450 Punkte, oder wir verabschieden uns fürs erste wieder nach unten."
Das Beratungs- und Softwareunternehmen IDS Scheer hat seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 nach vorläufiger Berechnung um 27 Prozent auf mehr als 160 Millionen Euro gesteigert. Die Aktie gehörte mit einem Plus von fünf Prozent zeitweise zu den stärksten Titeln im Nemax 50, gab seine Gewinne bis Handelsschluss aber vollständig wieder ab. Größte Gewinner im Nemax 50 waren EM.TV (plus 11 Prozent) und United Internet (plus sechs Prozent).
Der Kabelbetreiber Primacom sieht der "Financial Times Deutschland" zufolge den Ausbau der TV-Kabelnetze für digitales Fernsehen und schnellen Webzugang in Deutschland bedroht. Die bestehende Eigentümerstruktur sei für den Ausbau ungeeignet, sagte Primacom-Chef Paul Thomason der Zeitung. Der Kurs rutschte 1,3 Prozent auf 3,65 Euro ab.
Kurs des Euro stabil
Der Kurs des Euro hat sich am Freitag stabil gezeigt und über der Marke von 0,89 Dollar gehalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8919 (Donnerstag: 0,8909) US-Dollar fest.Die europäische Gemeinschaftswährung notierte gegen 20.30 Uhr bei 0,8915 Dollar.