Börse am Abend Große Namen zu kleinen Preisen
Frankfurt am Main - Bei geringen Umsätzen an Fronleichnam notierte der Dax am Abend weiterhin mit 1,1 Prozent auf 6043 Zähler im Minus. Die Wachstumswerte im Nemax-50 notierten 4,3 Prozent schwächer auf 1528 Punkten, während der marktbreitere Nemax All Share bis 18 Uhr 3,3 Prozent auf 1617 Punkte nachgab.
Die US-Börsen, die mit ihrem schwachen Start erst recht keine Feiertagsstimmung aufkommen ließen, dümpelten am Abend weiter dahin. Die Industriewerte im Dow Jones bauten ihre Verluste auf 1,2 Prozent und 10.738 Punkte aus. Der US-Technologieindex Nasdaq Composite notierte zuletzt 2,1 Prozent schwächer bei 2076 Zählern. Unter Verkaufsdruck standen an der Wall Street besonders Werte aus dem Glasfaser-Sektor.
Schering der einzige Lichtblick
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Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählte der Pharmakonzern Schering mit Aufschlägen von 2,6 Prozent auf 65,72 Euro. Das Unternehmen will am Freitag über die Entwicklung einzelner Bereiche wie der Onkologie berichten. Am Vortag hatte das Investmenthaus Goldman Sachs das Papier als "Market Performer" bestätigt. Hinter Schering verbuchten die defensiven Versorgerwerte Eon (plus 1,1 Prozent) und RWE (plus 0,5 Prozent) leichte Gewinne.
Der Pharmakonzern Bayer konnte von der Schering-Stärke nicht profitieren, behauptete sich aber um den Vortagesschluss. Der Pharmakonzern kauft von den US-Konzernen Ortho-Clinical Diagnostics und Chiron Corporation Rechte für die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb für Produkte zum Antikörper-Nachweis für das Hepatitis-C sowie das HI-Virus. Gerüchte über eine mögliche Übernahme in den USA hatte Bayer dementiert.
Technologiewerte durchweg schwach
Technologiewerte gehörten am Abend fortgesetzt zu den größten Verlierern im Dax. Die Papiere von SAP bauten ihre Verluste auf 5,8 Prozent und 161,51 Euro aus. SAP hatte am Vortag von der Nachricht profitiert, dass der Softwarekonzern eine weitreichende Kooperation mit dem amerikanischen Computerriesen IBM eingehen wird. Jetzt drückten Gewinnmitnahmen und die schwache Wall Street auf die Aktie, sagten Händler.
Doch auch für die anderen Technologiewerte war es kein Feiertag: Die Aktien des Bauelementeherstellers Epcos notierten am Abend 3,1 Prozent schwächer auf 67,24 Euro. Siemens gaben 2,4 Prozent auf 78 Euro nach. Infineon verbilligten sich um 1,5 Prozent auf 38,50 Euro. Die T-Aktie zeigte sich heute unbeständig und verlor zuletzt 1,5 Prozent auf 24,42 Euro.
Kreditwürdigkeit herabgestuft
Die Ratingagentur Moody's hatte am Vormittag das langfristige Rating für den Bonner Konzern auf A3 nach vormals A2 abgestuft. Außerdem wurde das kurzfristige Rating auf Prime-2 zurück genommen.
Metro-Aktien litten nur minimal unter der Nachricht, dass das Investmenthaus Goldman Sachs den Wert aus dem europäischen Portfolio genommen hat. Das Papier gab zuletzt 0,2 Prozent auf 43,80 Euro ab.
Nach der Gewinnwarnung vom Vortag und Kursabschlägen von knapp fünf Prozent gab die Aktie der Lufthansa am Donnerstag weiter um 0,5 Prozent auf 20,10 Euro nach. Die Commerzbank hat das Papier von "halten" auf "reduzieren" abgestuft.
Totentanz am Neuen Markt
Am Neuen Markt klagten Händler über ein besonders geringes Handelsvolumen. So schlug vor allem die Stunde der Zocker. Nach Angaben von Händlern war bis zum Nachmittag jede sechste Aktie, die am Neuen Markt gehandelt wurde, eine Brokat-Aktie. Dies lässt erneut Zweifel aufkommen, ob Feiertage sich als Handelstag eignen. Schließlich lässt sich bei einem umsatzschwachen Geschäft bereits mit kleinen Orders eine große Wirkung erzielen.
Brokat: "Die Aktie wird hingerichtet"
Der Kursverfall der Brokat-Papiere setzte sich am Donnerstag fort. "Die Aktie wird hingerichtet", kommentierte ein Händler. Die Papiere des Softwareunternehmens verloren zuletzt 17 Prozent auf 3,42 Euro. Bereits am Vortag hatte die Aktie rund 29 Prozent verloren. Das Bankhaus Metzler hatte das Kursziel der Aktie auf null Euro festgesetzt. Heute Mittag hatte zudem die britische Ratingagentur Standard & Poor's die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Brokat herabgesetzt. Die Liquidität von Brokat reiche bis Ende des dritten Quartals, erklärten die Analysten.
EM.TV zu 2,70 Euro, Intershop zu 3,67 Euro
EM-TV-Chef Thomas Haffa ist zuversichtlich, dass sich bei dem kartellrechtlich erforderlichen Verkauf des EM.TV-Anteils an der Tele München Gruppe (TMG) eine Lösung ergibt. Laut "Financial Times Deutschland" könne der Kirch-Einstieg an einem Veto des Bundeskartellamtes scheitern, weil sich TMG-Chef Herbert Kloiber weigere, die von EM.TV vorgeschlagenen Kauf-Interessenten zu akzeptieren. Die Aktie von EM.TV verlor zuletzt 10 Prozent auf 2,70 Euro.
Auch die Papiere von Intershop, des zweiten ehemaligen Börsenstars am Neuen Markt, rutschten einen Tag nach der Hauptversammlung weiter ab. Die Titel zeigten sich zuletzt 8 Prozent schwächer bei 3,67 Euro. Die einzigen Aktien, die im Nemax 50 nennenswert zulegen konnten, waren Mobilcom (plus 1,5 Prozent) und SAP SI (1,3 Prozent).
Euro deutlich erholt
Die Forderung des US-Industrieverbandes nach einer Abkehr der USA von der Politik des starken Dollar hat dem Euro am Donnerstag zu einem Kussprung über 0,86 Dollar verholfen. Nach Auffassung des Industrieverbandes ist der Dollar um 25 bis 30 Prozent überbewertet.
Der Euro gab allerdings wieder etwas nach, nachdem US-Finanzminister Paul O´Neill seine Politik postwendend bekräftigt hatte. Spekulationen über eine Intervention der EZB zu Gunsten des Euro haben inzwischen nachgelassen. Die Währung wurde am Abend für 0,8626 Dollar gehandelt