Börse am Abend Indizes bauen Gewinne aus
Frankfurt am Main Mit Hilfe einer freundlichen Wall Street bauen die deutschen Indizes ihre Gewinne aus. Der Dax 30 notierte am Abend mit 1,4 Prozent Plus auf 6259 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 vergrößerten ihre Gewinne dank einer starken Nasdaq auf 4,7 Prozent und 1882 Punkte.
Die Industriewerte im Dow Jones steigerten sich um 0,6 Prozent auf 10.875 Zähler. Die US-Technologiebörse Nasdaq legte um 3,5 Prozent auf 2149 Punkte zu. Damit setzte sich der Aufwärtstrend auf Grund der guten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt in den USA vom vergangenen Freitag fort. Die Verbraucherausgaben in den USA sind im März um 0,3 Prozent gestiegen. Damit lagen die Konsumausgaben der Verbraucher im Rahmen der Erwartungen von Marktexperten.
Technologiewerte sind wieder interessant für Anleger: Für Auftrieb im Dax sorgten weiter die Papiere der Siemens-Familie. Bei Siemens-Papieren wurde heute der in der Vorwoche angekündigte Aktiensplitt im Verhältnis von 2 zu 3 wirksam. Der optisch billigere Kurs lockte Anleger zum Einstieg und sorgte für ein bereinigtes Kursplus von mehr als zwei Prozent. Außerdem soll das US-Geschäft deutlich ausgebaut werden. Infineon -Aktien stiegen um 4,3 Prozent auf runde 49,20 Euro. Epcos legten ebenfalls 4,3 Prozent zu.
Infineon will für 250 Millionen Dollar die US-Firma Catamaran Communications übernehmen. Der Kaufpreis soll mit eigenen Aktien gezahlt werden. Der Zukauf stärke Infineons strategische Position bei drahtgebundener Kommunikation. Es ist die größte Akquisition seit dem Börsengang Infineons im vergangenen Jahr.
Zu den Gewinnern im Dax zählten auch die T-Aktie (plus 2,8 Prozent auf 29,28 Euro) und die Anteilsscheine der Lufthansa, die sich mit Kursaufschlägen von 3 Prozent nach den Verlusten am Freitag wieder auf Erholungskurs befanden.
DaimlerChrysler stark, Henkel schwach
DaimlerChrysler gewann 2,9 Prozent auf 56,36 Euro. Der neue DaimlerChrysler-Jeep kommt ins Rollen: Von Mai bis Ende Dezember 2001 plant DaimlerChrylser die Produktion von 117.000 Jeeps.
Henkel-Aktien gehörten am Montag nicht zu den Glanzlichtern im Dax. Das Papier des Düsseldorfer Reinigungsmittel- und Kosmetikkonzerns war mit drei Prozent Minus auf 70,34 Euro Schlusslicht. Ein Analyst sagte, im Vergleich mit Bayer und BASF seien die Henkel-Zahlen "in Ordnung, aber der Ausblick trübe". Der Konzern hatte am Vormittag mitgeteilt, dass der Überschuss im ersten Quartal 2001 um 1,8 Prozent auf 112 Millionen Euro gestiegen sei.
Goldman Sachs drückt Chemiewerte
Schwach waren die Papiere von Bayer mit Kursabschlägen von zuletzt 1,7 Prozent auf 47,10 Euro. Das Investmenthaus Goldman Sachs hatte zuvor die Gewinnschätzung für den Chemiekonzern, nach unten gesenkt. Auch BASF (minus 1,1 Prozent auf 48,24 Euro) litt unter einer Herabstufung der Gewinnschätzung. Die Analysten begründeten die Korrektur mit den schwachen Zahlen für das erste Quartal, die beide Unternehmen in der vergangenen Woche präsentiert hatten.
Nemax-50: Mobilcom weiter stark
Größter Verlierer unter den Nemax-50-Werten waren die Papiere der ADVA AG, die zuletzt rund zwölf Prozent auf 9,60 Euro verloren. Der Anbieter optischer Netzwerklösungen wies für das Geschäftsjahr 2000 ein pro-forma Betriebsergebnis von minus 11,7 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor waren es noch plus 0,9 Millionen Euro gewesen.
Zu den Gewinnern gehörten erneut die Papiere von Mobilcom mit Aufschlägen von rund 16 Prozent auf 22,05 Euro. Die Landesbank Baden-Württemberg sieht die Mobilcom-Aktie als ein mittelfristig interessantes "Turnaround Investment" mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis. Die LBBW empfahl das Papier zum "Kauf". Noch stärker im Nemax 50 war Broadvision mit einem Plus von 17 Prozent.
2,8 Milliarden Verlust: EM.TV steigt
Die Aktien des Filmrechtehändlers EM.TV sind am Montag nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen für 2000 deutlich gestiegen und hatten zuletzt 6,2 Prozent auf 5,58 Euro zugelegt. Der Handel der EM.TV-Papiere war am Vormittag für eine Stunde unterbrochen worden, nachdem der Konzern mit einem Verlust von 2,8 Milliarden Mark selbst die größten Pessimisten übertroffen hatte.
Analysten hatten ein Minus zwischen 600 Millionen und schlimmstenfalls 1,8 Milliarden Mark erwartet. Der Kurs von EM.TV sei jedoch an einen Punkt angelangt, wo nicht mehr viel passieren könne, sagte ein Händler. Offenbar gehen viele spekulative Anleger davon aus, dass nach dem Großreinemachen bei EM.TV es nun wirklich nicht mehr schlimmer kommen kann. "Neuanfang" ist das Zauberwort bei EM.TV: An Rücktritt mag Thomas Haffa trotz des sagenhaften Abstiegs des Unternehmens nicht denken.
Schlechte Nachrichten von Metabox und Micrologica
Mit sagenhaften Verlusten steht EM.TV Chef Thomas Haffa nicht allein. Metabox-Papiere gaben zuletzt rund 13 Prozent auf 1,40 Euro nach. Nach den zu spät veröffentlichten Geschäftszahlen für das Jahr 2000 beträgt der Jahresfehlbetrag 26,8 Millionen Mark (13,7 Millionen Euro). Das sind fast 8 Millionen Mark mehr als noch im Januar angegeben. Zugleich revidierte Metabox den für 2001 erwarteten Umsatz von 600 Millionen Mark (307 Millionen Euro), nannte aber keine Zahlen.
Das Insolvenzverfahren der Micrologica AG ist am Montag vom Amtsgericht Reinbek eröffnet worden. Die Aktie war zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt und legte dann eine Berg- und Talfahrt hin. Zuletzt stand der Kurs bei 0,78 Euro: ein Minus von rund 12 Prozent.
Daytrader schraubten ebenso den Kurs des Penny-Stock Letsbuyit.com mit zuletzt plus 18 Prozent auf 47 Cent nach oben. Das Co-Shopping-Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2000 seinen Umsatz von 2,2 auf 38,2 Millionen Euro gesteigert, dabei aber einen Verlust von 141,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Was die Phantasie der Investoren derzeit treibt, ist offenbar eine Investitionszusage in Höhe von 25 Millionen Euro.
Sogar um 40,16 Prozent verteuerten sich Aktien des Datenbankexperten OAR Consulting - auf 1,78 Euro. Nach einer Geldspritze gibt man sich in Oberursel sicher, dass es bei dem Datenbank-Spezialisten weitergeht.
Schwache Zahlen legte auch das Skandalunternehmen Infomatec vor. Demnach weist Infomatec für das Geschäftsjahr 2000 einen Fehlbetrag von 103,8 Millionen Euro aus nach minus 16,4 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Wie das Unternehmen am Montag weiter mitteilte, betrug das Ebitda minus 65,5 (Vorjahr: minus 9,3) Millionen Euro. Der Umsatz ging auf 21,9 (50,6) Millionen Euro zurück. Zahrleiche Sonderfaktoren hätten Ergebnis und Umsatz negativ beeinflusst. Zuletzt verlor die Aktie 12 Prozent auf 1,17 Euro.
Euro schwächer
Der Rentenindex REX sank um 0,41 Prozent auf 111,46 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,35 Prozent auf 106,81 Zähler. Aufkeimende Inflationsängste ließen den Euro bis zum Abend auf 0,8862 Dollar fallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte am Mittag den Referenzkurs auf 0,8876 (Freitag: 0,9023) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2035 (2,1676) Mark.