Börse am Abend Kaufen bis der Arzt kommt
Frankfurt am Main - Der Deutsche Aktienindex Dax baute seine Gewinne bis Montagabend um 6,6 Prozent auf 3815 Punkte aus. Der Nemax 50 stieg um 3,1 Prozent auf 545 Zähler. Die Wall Street war trotz eines weiteren Bilanzskandals bei der US-Telefongesellschaft Qwest zuvor sehr fest in den Handel gestartet.
An der Wall Street stieg der Dow Jones Index der dreißig führenden Aktien im frühen Handel um 3,8 Prozent auf 8577 Punkte. Der Auswahlindex der 100 wichtigsten Werte an der technologielastigen Nasdaq gewann um 4,4 Prozent auf 951 Zähler.
Zuversicht kam auf dem Parkett trotz des Kurssprungs nicht auf. "Niemand kann sagen, ob diese Erholung nicht eine sehr kurze Angelegenheit ist", sagte ein Händler. Mit Spannung werden in dieser Woche amerikanische Konjunkturzahlen erwartet, die Aufschluss über die Verfassung der weltgrößten Volkswirtschaft geben sollen. Neue Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt und der Arbeitslosigkeit werden der Börse Händlern zufolge eine neue Richtung geben.
Middelhoff-Effekt stützt die T-Aktie
Die Gerüchte über den ehemaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff als möglichen Kandidaten für die Telekom-Führung bescherten der T-Aktie ein Plus von 3,5 Prozent auf 12,32 Euro. "Er hat so viel Erfahrung im Bereich Medien und Unterhaltung, das wäre gut für die Telekom und insbesondere für T-Online ", sagte ein Händler. Analysten verwiesen aber auch auf die am Morgen vorgelegten Zahlen des Konkurrenten Vodafone , die recht gut ausgefallen seien. Die "Bild"-Zeitung berichtete dagegen, Middelhoff liege eine Offerte des Medienkonzerns AOL, aber kein Angebot für die Führung der Telekom vor.
Schering-Aktien rückten ebenfalls in die Spitzengruppe im Index vor mit einem Plus von 5,8 Prozent auf 51,95 Euro. Übernahmefantasien und das angekündigte Aktienrückkaufsprogramm stützen Händlern zufolge weiterhin den Kurs.
Finanzwerte wieder gefragt
Versicherer standen im Nachmittagshandel ebenfalls in der Gunst der Anleger: Allianz-Titel führten die Gewinnerliste an mit einem Aufschlag von über 7,5 Prozent auf 157 Euro. Die Anteilsscheine der Münchener Rück verteuerten sich um 5,4 Prozent auf 196,92 Euro. Schnäppchenjäger wollten den vermeintlich niedrigen Kurs zu Käufen nutzen, sagten Händler. Das Allianz-Papier stand noch vor drei Wochen bei Kursen um 210 Euro. Die Münchener Rück lag damals bei rund 250 Euro. "Der ganze Sektor steigt heute wieder. Es setzt sich das Gefühl durch, dass viele Aktien zuletzt zu stark gefallen sind", sagte Chris Hitchings, Analyst der Commerzbank in London.
Die Anteilsscheine der Deutschen Bank stiegen um 4,5 Prozent auf 59,33 Euro. Einem Zeitungsbericht zufolge plant die Bank keine weiteren Stellenstreichungen bis Ende 2003. Selbst die Aktien der HypoVereinsbank , die am Morgen noch zu den wenigen Verlierern im Dax gehörten, wurden von der sich aufhellenden Gesamtstimmung mitgezogen und notierten mit 3,7 Prozent im Plus bei 20,42 Euro. In der Vorwoche war die Aktie auf Grund schwacher Quartalszahlen auf ein Tief von 17,23 Euro gefallen.
Autowerte auf der Überholspur
Von der Erholung der Aktienmärkte profitierten die Autowerte nach Einschätzung von Analysten besonders stark. "Es werden jetzt offenbar auch die positiven Nachrichten der vergangenen Zeit eingepreist", sagte Michael Raab, Analyst bei Sal. Oppenheim. Die bislang vorliegenden Zahlen von deutschen wie europäischen Autowerten seien durchweg gut gewesen, aber wegen der schlechten Stimmung an den Märkte nicht berücksichtigt worden. Sicherlich helfe marktpsychologisch auch der schwächere Dollar. BMW-Aktien verteuerten sich um mehr als sechs Prozent, die von DaimlerChrysler und Volkswagen um über fünf Prozent.
Zu den wenigen Verlierern gehörten MAN-Aktien mit einem Kursabschlag von 1,2 Prozent auf 19,44 Euro. Händler erklärten die Kursverluste mit skeptischen Prognosen der MAN-Führung. So werde es der Konzern in diesem Jahr schwer haben, die Prognose einer leichten Verbesserung beim Ergebnis zu erreichen. "Das Ziel ist ausgesprochen sportlich", sagte Vorstandschef Rudolf Rupprecht.
Mit leichten Abschlägen präsentierten sich auch Eon und Degussa .
Altana nach Zahlen im Plus, Freundliche Stimmung am Neuen Markt, Euro unter der Dollar-Parität
Altana ziehen nach Zahlen deutlich an
Nach der überraschenden Vorlage von Eckzahlen für das erste Halbjahr hat die Aktie des Bad Homburger Pharma- und Spezialchemieunternehmen Altana deutlich zugelegt. Der Titel zog um 3,5 Prozent auf 50,70 Euro an. "Die Eckzahlen liegen über unseren Erwartungen", sagte eine Analystin. Das Unternehmen meldete unerwartet hohe Zuwächse bei Betriebsgewinn und Umsatz. Am Freitag veröffentlichen die Bad Homburger ihren vollständigen Bericht für das erste Halbjahr 2002.
Positiv sei, dass Altana die Umsatzprognose für den Hauptumsatzträger Pantoprazol für 2002 angehoben habe, sagte ein weiterer Analyst in Frankfurt. Angesichts wachsender Marktanteile in den USA erwartet Altana für das Magen-Darm-Präparat nun einen weltweiten Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro und damit 200 Millionen Euro mehr als bislang geplant.
Deutlich fester mit Aufschlägen über sieben Prozent präsentierten sich die Titel von WCM , Gerry Weber und Stada . Starke Abschläge verzeichneten die Titel von Techem , AWD und DIS .
Freundliche Stimmung am Neuen Markt
Beflügelt von guten Vorgaben der Nasdaq haben die meisten Aktien am Neuen Markt zum Wochenauftakt an Wert gewonnen. Einen konkreten Auslöser für die Kaufstimmung gebe es allerdings nicht, sagten Börsianer. Das Wachstumssegment der Deutschen Börse folge lediglich dem internationalen Trend. Mittel- und langfristige Vorhersagen seien indes schwierig, fügten die Marktbeobachter hinzu. Eigentlich müsste der Nemax 50 die Talsohle durchschritten haben, aber bei neuen Meldungen über Bilanzunregelmäßigkeiten oder ähnlichen Negativ-Nachrichten könnten die Kurse aber jederzeit wieder einbrechen.
Aktien des Mobilfunkanbieters T-Online schoben sich um 2,1 Prozent nach oben auf 8,73 Euro. Gerüchte über eine im zweiten Quartal deutlich gestiegene Kundenzahl treiben laut Händlern Zuversicht in die Aktie des Telekom-Ablegers.
D.Logistics mit rasantem Kursanstieg
Im Auswahlindex Nemax 50 übernahm die D.Logistics-Aktie mit einem Aufschlag von über 25 Prozent auf 2,2 Euro die Spitze der Gewinnerliste. Auch Thiel Logistik und Medigene präsentierten sich sehr fest.
Balda-Titel knüpften an den Höhenflug der vergangenen Tage an und verteuerten sich um über 16 Prozent auf 5,55 Euro. Anfang Juli notierten die Anteilsscheine noch unter der Marke von drei Euro. Ein Sprecher des Handy-Ausrüsters sagte, offenbar wirkten die kürzlich vorgelegten Geschäftszahlen und der Ausblick noch nach. Das Unternehmen hat den Angaben zufolge im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn verbucht und beim Umsatzplus die eigenen Ziele übertroffen. Das Unternehmen erwarte zudem für das laufende Quartal weitere Zuwächse. Die Prognosen für das Gesamtjahr blieben bestehen.
Die Verliererliste wurde angeführt von Teleplan und Kontron . Beide Aktien gaben um mehr als fünf Prozent nach.
Fester Wochenauftakt in Tokio
Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag in Folge der positiven Vorgabe aus New York vom Freitag und der Festigung des Dollars zum Yen zugelegt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg um 75,64 Punkte oder 0,8 Prozent und ging beim Stand von 9666 Punkten aus dem Markt. Der breit angelegte Topix zog um 8,84 Punkte oder 0,9 Prozent an und beendete den Handel bei 951 Zählern.
Der weltweit drittgrößte Automobilhersteller Toyota hat sein Absatzziel für 2002 angehoben. Trotz des derzeit starken Yen-Wechselkurses erwartet der Konzern ein starkes Auslandsgeschäft. Das Unternehmen wolle im laufenden Jahr 3,3 Prozent mehr Autos verkaufen als bisher geplant, teilte Toyota am Montag mit. Gute Absatzzahlen in Europa und Asien und ein etwas besserer Ausblick für die USA rechtfertigten eine Anhebung der Gesamtzahl auf nunmehr 6,19 Millionen Wagen nach 5,93 Millionen im Kalenderjahr 2001.
Euro unter der Dollar-Parität
Der Kurs des Euro ist am Montag deutlich gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9821 (Freitag: 1,0008) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0182 (0,9992) Euro. Der Dollar weitete seine Gewinne gegenüber dem Euro aus, was Händler unter anderem mit dem ermutigenden Verbrauchervertrauen in den USA vom vergangenen Freitag erklärten.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6285 (0,6337) Pfund, 117,42 (117,55) Yen und 1,4529 (1,4502) Schweizer Franken fest.