Börse am Abend: Neuer Markt rutscht zurück - DER SPIEGEL
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Börse am Abend Neuer Markt rutscht zurück

Vor der US-Zinsentscheidung verharrt der Dax auf seinem Vortagesniveau. Die Werte am Neuen Markt fallen zurück. SAP und Infineon können leicht zulegen. Epcos hingegen bleibt größter Verlierer im Dax.
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Frankfurt am Main - Kurz nach Börsenschluss in Deutschland wird die US-Notenbank das Ergebnis ihrer Beratungen über eine mögliche Zinssenkung bekannt geben. Wie es auch ausfällt: Die deutschen Aktienmärkte werden erst am Mittwoch darauf reagieren können. Anleger hielten sich deshalb am Abend mit Engagements weiter zurück, um nur ja nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Die Hoffnung auf eine Zinssenkung um 50 Basispunkte wurde zuletzt durch vergleichsweise starke US-Einzelhandelsumsätze gedämpft.

Ähnlich wie in Deutschland bewegten sich auch die US-Börsen wenig vom Fleck. Der Dow Jones pendelte gegen 19 Uhr um seinen Vortagesschluss von 10.860 Punkten, der Technologieindex Nasdaq Composite legte hingegen 0,8 Prozent auf 2099 Zähler zu.

Die Hoffnung auf eine Zinssenkung um 50 Basispunkte hätte insbesondere bei US-Technologiewerten zu leichten Kursgewinnen geführt, sagten Händler. Börsianer rechnen damit, dass nach einer Zinssenkung am Dienstag vorerst keine weitere Schützenhilfe von der Notenbank zu erwarten ist: Da im Juni bereits wieder die Ertragswarnungssaison beginnt, versuchen Anleger, im Mai ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Der Dax stand zuletzt nahezu unverändert mit 0,1 Prozent fester bei 6071 Punkten. Die Wachstumswerte im Nemax 50 gaben hingegen ihr Plus vom Nachmittag gänzlich ab und standen ebenfalls auf ihrem Vortagesniveau bei 1715 Zählern.

Metro führte mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 45,81 Euro die Dax-Spitze an . Den Kursanstieg von Metro begründeten Händler mit einer technischen Reaktion, nachdem die Aktie in den vergangenen Tagen deutlich verloren hatte. Obwohl die Ergebnisse besonders bei den Elektroniksparten Media Markt und Saturn Hansa schwach waren, hält das Investmenthaus Goldman Sachs weiterhin an seiner Empfehlung für Metro fest.

Die Aktie von Lufthansa notierte trotz anhaltender Tarif-Querelen um rund ein Prozent fester auf 21,85 Euro. Die Pilotenvereinigung Cockpit und die Lufthansa setzen ihre Tarifverhandlungen fort.

Preussag gaben leicht ab, standen aber ebenfalls noch mit rund einem Prozent auf 38,15 Euro im Plus. Der Wert profitierte davon, dass das Investmenthaus Lehman Brothers die Aktie in sein Musterdepot aufgenommen hat.

Von dem leichten Aufwärtstrend der Technologiewerte an den US-Börsen profitierten SAP (plus 1,6 Prozent auf 167,35 Euro) und Infineon (plus 1,02 Prozent auf 44,60 Euro). Die Papiere des Mutterkonzerns Siemens verharrten hingegen auf ihrem Vortagesniveau bei knapp 83 euro.

Unter den Technologiewerten stand lediglich Epcos mit 2,27 Prozent deutlich im Minus und führte damit die Verliererliste im Dax an. Druck auf die Branche kam aus den USA: Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat die Telekommunikationskonzerne Nokia und Alcatel auf die Verkaufsliste gesetzt.

Die Aktie von BMW gehörte am Nachmittag mit einem Plus von 1,2 noch zur Dax Dax-Spitzengruppe, fiel dann aber auf ihre Vortagesniveau von 40,30 Euro zurück. BMW-Vorstandschef Joachim Milberg versprach während der Hauptversammlung eine Absatzsteigerung um 9 Prozent. Bis 2007 will BMW außerdem 16 Milliarden Euro investieren, hieß es. Konkurrent DaimlerChrysler geriet stärker unter Druck und rutschte 0,42 Prozent auf 56,36 Euro ins Minus.

Volkswagen gab geringfügig auf plus 0,4 Prozent bei 58,25 Euro ab: Das Land Niedersachsen als größter Einzelaktionär wird nach eigenen Angaben den vom Vorstand beantragten Ermächtigungen für eine Kapitalerhöhung sowie dem Verkauf eigener Aktien zustimmen. Volkswagen will sich von der Hauptversammlung die Option auf eine Erhöhung des Kapitals um 130 Millionen Euro einräumen lassen. Dafür könnte VW 26 Millionen Stammaktien mit einem derzeitigen Börsenwert von rund 1,5 Milliarden Euro ausgeben.

Neuer Markt: Hoffen auf Greenspan

Am Neuen Markt hofften Börsianer, Notenbank-Chef Alan Greenspan werde die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte auf 4 Prozent senken, um der schwächelnden US-Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Nach Ansicht eines Händlers in Frankfurt sei es für den künftigen Verlauf des deutschen Börsengeschehens allerdings nicht entscheidend, ob die US-amerikanischen Leitzinsen gesenkt werden: "Viel wichtiger ist die Begründung des US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan für seine Entscheidung."

Zu den Spitzenreitern im Nemax 50 gehörten am Abend weiterhin United Internet-Aktien, die zwar deutlich nachgaben, aber noch mit 8,72 Prozent auf 4,25 Euro im Plus standen. Consumer Electronics führten die Gewinnerliste mit Kursaufschlägen von 10,57 Prozent auf 9,73 Euro an. Die Papiere von CE Consumer waren am Vortag größter Verlierer im Nemax-50 gewesen. Am vergangenen Freitag hatte Vorstandsvorsitzender Erich Lejeune eine versteckte Gewinnwarnung ausgegeben, die den Kurs am Montag weiter belastet hatte.

Der Online-Broker Consors hatte im ersten Quartal erwartungsgemäß einen hohen Verlust ausgewiesen. Die schlechten Zahlen waren aber in der Aktie bereits eingepreist, erklärten Händler. Die Aktie verzeichnete zuletzt Kursaufschläge von 4,4 Prozent bei 28,40 Euro.

Verluste drücken SER und Biodata

Zu den großen Verlierern im Nemax-50 gehörten die Atkien von SER und Biodata. Der Hersteller von Dokumentensoftware, SER Systems, hat im ersten Quartal 2001 ein Ebit von minus 5,8 Millionen Euro ausgewiesen. Wie die Gesellschaft weiter mitteilte, betrug das Ebitda minus 4,4 Millionen Euro. Für das Drehen des EBITA ins Minus machte die Gesellschaft Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 6,5 Millionen Euro verantwortlich. Die Aktie fiel weiter ab und gab zuletzt rund elf Prozent auf 7,47 Euro ab.

Größter Verlierer im Nemax-50 waren die Papiere von Biodata. Das Unternehmen hat im ersten Quartal den Konzernverlust auf 2,85 Millionen Euro ausgeweitet. Ein Jahr zuvor waren es noch minus 1,57 Millionen Euro gewesen. Der Entwickler von Sicherheits-Software berichtete von einem negativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Zum Abend stießen die Investoren das Papier verstärkt ab. Der Wert fiel um 17,54 Prozent auf 27,50 Euro.

Zu den schwächsten Werten am Neuen Markt gehörten die Papiere von EJay, die um rund 20 Prozent nachgaben. Der Anbieter von "Music Entertainment Solutions" hat seinen Verlust im ersten Quartal vervierfacht.