Börse am Abend Schwacher Wochenausklang
Frankfurt am Main - Kurz vor Handelsschluss sah es am Freitag nicht gut aus an den deutschen Aktienmärkten. Die Indizes strebten mit deutlich roten Vorzeichen ins Wochenende. Der Dax gab bis 19.22 Uhr 0,7 Prozent auf 4931 Zähler ab. Die Wachstumswerte im Nemax 50 standen mit 3,5 Prozent auf 1149 Zähler im roten Bereich. Die US-Börsen notierten leicht im roten Bereich. Hier hatte sich die Reihe schlechter Unternehmensnachrichten mit neuen Meldungen über Massenentlassungen fortgesetzt und ließ einmal mehr Zweifel an dem von vielen Analysten prognostizierten Wirtschaftsaufschwung aufkommen.
"Der Konjunkturpessimismus überwiegt wieder einmal, außerdem versuchen jetzt viele kurz vor dem Jahreswechsel noch ein paar kleinere Gewinne mitzunehmen", kommentierte eine Händlerin einer süddeutschen Bank den Handelsverlauf. Vor Weihnachten hätten bereits eine ganze Reihe institutioneller Anleger ihre Bücher geschlossen. "Da ist ziemlich die Luft raus. Und an eine Jahresendrallye glaubt hier niemand so richtig."
Unter den wenigen Gewinnern im Dax fanden sich ausnahmslos defensive Werte. Die Papiere der Lufthansa machten einen Teil ihrer Verluste vom Vortag wieder wett und standen mit 1,44 Prozent auf 14,81 Euro an der Spitze des Index. Die EU-Kommission hatte am Freitag die Zusammenarbeit zwischen der Deutsche Lufthansa und der Austrian Airlines für sechs Jahre von den allgemeinen EU-Wettbewerbsregeln befreit. Dies sei möglich geworden, weil beide Unternehmen sich dazu verpflichtet hätten, auch Konkurrenten auf den Strecken zwischen Deutschland und Österreich zuzulassen.
Gefragt waren auch Energietitel, die bei Anlegern offenbar als sicherer Hafen gelten. Eon notierten 0,64 Prozent fester auf 55 Euro. Die Aktie hat nach Angaben von Händlern aus charttechnischer Sicht ihren kurzfristigen Abwärtstrend verlassen und sei nicht zuletzt aus dieser Perspektive interessant. Außerdem stützten positive Analystenkommentare von Morgan Stanley und Lehman Brothers den Wert. RWE notierten 0,20 Prozent fester auf 40,82 Euro.
Längere Zeit im Plus standen die Auto-Werte. BMW , DaimlerChrysler und Volkswagen . Nach einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley dürfte der Automobil-Absatz in Deutschland in diesem Jahr mit rund 14,8 Millionen Fahrzeugen höher als erwartet ausfallen. Zuletzt konnten sich zwei Titel nicht mehr dem negativen Trend entziehen. Die Aktien von BMW verloren 0,56 Prozent auf 37,09 Euro, DaimlerChrysler sanken um 0,60 Prozent auf 44 Euro. Lediglich Volkswagen gewannen zuletzt wieder 0,60 Prozent auf 48,99 Euro.
Technologie: Noch keine Entwarnung
Die Technologiewerte waren weiterhin unter den Dax-Verlierern zu finden. SAP und Siemens , Epcos standen jeweils mit rund einem Prozent im roten Bereich. Infineon konnte seine Verluste auf 0,39 Prozent bei 22,81 Euro reduzieren. Schwergewicht Deutsche Telekom gab rund 1,80 Prozent auf 18,84 Euro ab.
Neuer Markt: Morphosys und Pixelpark gesucht
Am Neuen Markt legte die Internet-Agentur Pixelpark gegen den schwachen Trend zuletzt 3,64 Prozent auf 5,70 Euro zu. Konzernmutter Bertelsmann habe zugesagt, erneut 15 Millionen Euro zuzuschießen. Pixelpark will außerdem seine Mitarbeiterzahl weiter reduzieren. MorphoSys ließen die Konkurrenz weit hinter sich und führten den Index mit 12,81 Euro an. Morphosys profitierte offenbar von einer Kaufempfehlung durch die DZ-Bank.
Schadenersatz für DAB-Aktionäre
Aktien der DAB Bank legten 4,25 Prozent auf 13,75 Euro zu, denn die Muttergesellschaft HypoVereinsbank leistet Schadenersatzzahlungen an Anleger, die im Umfeld der Übernahme des französischen Brokers Self Trade S.A geklagt hatten. "Zunächst ging der Kurs in den Keller, aber als die Anleger merkten, dass die HypoVereinsbank zahlt, stiegen die Aktien wieder", sagte ein Händler.
Eine Kapitalerhöhung über 2,4 Millionen Euro drückte den Kurs des Minicomputer-Herstellers Kontron um zuletzt 7,53 auf 12,90 Euro. Das Unternehmen plant eine Fusion mit dem Konkurrenten Jumptec.
Euro deutlich über 90 Cent
Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9016 (Donnerstag: 0,8975) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1693 (2,1792) Mark. Zuletzt wurde der Euro mit 0,9037 Dollar gehandelt.