Börse am Abend Steiler Kursanstieg
Frankfurt am Main - Der Dow Jones drehte ins Plus und stieg um 0,2 Prozent auf 11.319 Zähler. Gewinnmitnahmen nach dem deutlichen Kurssprung der vergangenen Woche und Bedenken gegen die neueste Akquisition des Marktschwergewichtes Procter & Gamble hätten den Leitindex zuvor belastet, sagten Händler.
Die US-Technologiebörse Nasdaq hingegen legte im Verleich zu Handelsbeginn kräftig zu und kletterte bis 17.50 Uhr um 3,2 Prozent auf 2269 Punkte. Der technologielastige Index habe vom gestiegenen Vertrauen der Investmentfonds profitiert.
Mit festeren US-Börsen ging es auch an den deutschen Aktienmärkten bergauf. Dax drehte ins Plus mit zuletzt 0,9 Prozent auf 6243 Punkte. Der Nemax 50 gewann in den letzten eineinhalb Stunden 2,2 Prozent hinzu und steht 3,3 Prozent im Plus bei 1862 Zählern.
An der Spitze der Gewinnerliste bauten die Papiere von Epcos ihre Kurszuwächse auf von vier auf rund sechs Prozent (76,75 Euro) aus. Am Markt kursierten Gerüchte, denen zufolge verschiedene Investmentfonds verstärkt in den Titel investieren würden. Ebenfalls freundlich notierten Degussa (plus 2,5 Prozent auf 33,50 Euro) und RWE (plus zwei Prozent auf 41,84 Euro).
Die Neugewichtung des All-Country-World-Index von MSCI sorgte für Bewegung an der Börse. Morgan Stanley Capital International hat ihren internationalen Index neu sortiert und richtet sich in der Gewichtung nun nach dem Streubesitz. Der MSCI-Index ist so bedeutend, weil sich viele Anleger daran orientieren. Nach Schätzungen sind weltweit rund 3,5 Billionen Dollar an den Börsen in MSCI-Werten angelegt.
Die prominentesten deutschen Dax-Opfer sind BMW und Commerzbank: Entgegen den Erwartungen vieler Marktteilnehmer wurden die Aktien nicht aufgenommen. Mit dabei sind dagegen die Deutsche Post, Fresenius Medical Care und Infineon. Aus dem M-Dax wurden aufgenommen: Altana, MLP und Porsche. Der Nemax-50-Wert Aixtron ist künftig ebenfalls dabei.
Ulrich Sperl, Fondsmanager bei Acitivest sagte: "Die MSCI-Umstellung hat insgesamt eine große Auswirkung auf den Markt, aber es erklärt nicht das heutige Marktgeschehen. Die Umstellung war seit Februar 2000 bekannt. Am Wochenende hat man nur die exakte Ausgestaltung bekannt gegeben, was sicherlich für BMW einen Informationsgehalt hat, für den deutschen Markt insgesamt ist es aber eher gering." Händler sagten, die Tatsache, dass BMW nicht mehr und anstatt dessen Porsche in den Indizes vertreten sein werde, habe den Markt überrascht.
BMW-Aktien gehörten mit einem Abschlag von 1,2 Prozent auf 41 Euro mit zu den schwächsten Dax-Werten, hatten ihre Verluste seit 16 Uhr aber deutlich reduzieren können. Die Commerzbank baute ihre Verluste völlig ab und notierte zuletzt auf ihren Vortagesniveau bei 32,50 Euro. Die Aktie Gelb notierte freundlich und gewann 1,2 Prozent auf 18,70 Euro. Infineon-Titel stiegen zuletzt auf plus 3,26 Prozent bei 46,62 Euro.
Am Tag der Dividendenzahlung hatten die Preussag-Aktien zunächst mit mehr als einem Prozent im roten Bereich gestanden. Zuletzt drehten die Papiere mit 0,23 Prozent auf 39,74 Euro ins Plus. Nach der Hauptversammlung am Freitag habe Preussag am heutigen Montag die Dividende in Höhe von 0,97 Euro an seine Aktionäre ausgeschüttet, erklärte ein Analyst. Der Verlust im Titel mache gerade einmal den Dividendenabschlag aus.
Die Aktie der HypoVereinsbank verlor nach Bekanntgabe der Quartalszahlen 2,2 Prozent auf 58,17 Euro. Das Finanzhaus hat seinen Gewinn im ersten Quartal dank der Integration der Bank Austria sprunghaft gesteigert. Der Jahresüberschuss stieg um rund 60 Prozent auf 509 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um rund 25 Prozent auf 770 Millionen Euro. Damit lagen die Zahlen allerdings am unteren Ende der Erwartungen einiger Analysten.
Optimistische Stimmung am Neuen Markt
Bei erneut schwachen Umsätzen sei die Stimmung am Markt "verhalten optimistisch", sagte eine Händlerin. "Man sitzt in den Startlöchern." Der MSCI-Index-Aufsteiger und Nemax-50-Wert Aixtron präsentierte sich fest. Die Aktie legte 6,74 Prozent auf rund 103 Euro zu.
Zu den Gewinnern gehörte auch ACG. Der Hightech-Broker steigerte im ersten Quartal sowohl den Umsatz als auch den operativen Gewinn (Ebitda) kräftig. Mit Blick auf die Konsensschätzungen der Finanzanalysten für das gesamte Jahr liege ACG trotz eines schwierigen Umfelds im Halbleitermarkt im Plan, hieß es. Die Papiere legten knapp zwölf Prozent auf 28 Euro zu.
Die Anteilsscheine des Telekom-Zulieferers Pandatel weiteten ihre Kursgewinne auf plus 6,25 Prozent bei aus und lagen damit über 20 Euro. Vergangene Woche hatten die Aktien mehrfach auf der Verliererseite gestanden. Zulegen konnten auch die Papiere von United Internet (plus 6,8 Prozent auf 4,70 Euro) und von Broadvision, die ihre Kurszugewinne auf plus 11 Prozent bei 8,11 Euro seit 16 Uhr nahezu verdoppeln konnten.
Einbußen hatte das Biotechnologie-Unternehmen Medigene zu verkraften. Die Anteilsscheine verbilligten sich zuletzt um 13 Prozent auf 24,61 Euro. Medigene hatte am Morgen ein deutlich niedrigeres Betriebsergebnis im ersten Quartal gemeldet.
Die Aktie der angeschlagenen EM.TV verbilligte sich um rund zwei Prozent auf 4,62 Euro. Kirch-Vize Dieter Hahn hatte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt, der Medienkonzern ProSieben Sat.1 werde die Mehrheit in der Formel 1 übernehmen. EM.TV könne jetzt kaum noch einmal eine halbe Milliarde Dollar Kredit schultern für die Formel 1, um bei Speed eine Rückzahlung des Kredits zu finanzieren, sagte er. Deswegen sei davon auszugehen, dass "wir die Option zur Wandlung wahrnehmen werden".