Börse am Abend T-Aktie fällt wie ein Stein
Frankfurt am Main - Der Dax hat bis zum Abend wieder seine Tagestiefsständen erreicht und notierte gegen 19.15 Uhr bei 4752 Punkten, verzeichnete also ein Minus von zwei Prozent. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 ebenfalls um zwei Prozent auf 962 Zähler nach.
Mit leichten Kursgewinnen sind die Standardwerte an der Wall Street gestartet. Allerdings belasteten neue Zweifel an den Bilanzierungspraktiken von US-Unternehmen den Markt. Der Dow Jones kletterte um rund ein halbes Prozent auf 9885 Zähler, während die Nasdaq auf 1704 Zählern notierte, ein Minus von 0,7 Prozent.
Verlierer im frühen Handel waren die Papiere des Finanzhauses J.P. Morgan Chase. Die Bilanzierungspraktiken des Konzerns werden laut einem Bericht des "Wall Street Journal" im Zusammenhang mit der Enron-Insolvenz von der Federal Reserve Bank von New York untersucht.
T-Aktie zieht den Markt nach unten
"Wenn ein Schwergewicht wie die Telekom so schwach tendiert, zieht das den ganzen Markt mit in die Tiefe", sagte ein Frankfurter Händler. Kritische Analystenkommentare zum weltgrößten Chiphersteller Intel belasteten zudem die Technologiewerte. "Die Stimmung am Markt ist daher miserabel."
Die T-Aktie verlor 4,4 Prozent auf 15,18 Euro. Die Deutsche Telekom schließt nicht aus, den für dieses Jahr geplanten Börsengang ihrer Mobilfunktochter T-Mobile über das Jahr 2002 hinaus zu verschieben. Dies belaste den Kurs, da sich der angestrebte Schuldenabbau dadurch verzögere, sagte ein Händler. Zudem seien die Chancen für den Verkauf des Telekom-Kabelnetzes an den Medienkonzerns Liberty Media nach Einschätzung des Konzerns "gering".
Vor allem die Technologiewerte standen unter Abgabedruck: Aktien des Chipherstellers Infineon gaben 2,9 Prozent auf 23,73 Euro nach. Papiere des Elektronikkonzerns Siemens verbilligten sich um 3,9 Prozent auf 62,47 Euro. Titel des Softwareherstellers SAP lagen bei 148,90 Euro - ein Minus von 3,9 Prozent. Epcos-Anteile büßten 2,9 Prozent auf 40,20 Euro ein.
Probleme bei der Post?
Aktien der Deutschen Post verloren 3,0 Prozent auf 14,40 Euro. Die Deutsche Post AG muss sich nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung auf massive Steuernachzahlungen einstellen. Wie das Blatt unter Berufung auf Kreise im Haushalts- und Finanzausschuss des Bundestages berichtet, wollen die nordrhein-westfälischen Finanzbehörden von der Post fast eine Milliarde Euro für nicht abgeführte Mehrwertsteuer in den Jahren 1998 und 1999 verlangen. Die Post dementierte unterdessen die Meldung.
Dagegen konnten sich die Chemietitel noch relativ gut behaupten. Grund hierfür sei der positive Ausblick des niederländischen Chemie- und Pharmakonzerns Akzo Nobel gewesen, hieß es vom Parkett. BASF-Aktien gewannen 0,9 Prozent auf 42,48 Euro, die von Degussa kletterten um 0,7 Prozent auf 33,76 Euro. Bayer-Titel sanken um 0,1 Prozent auf 34,15 Euro.
Größte Gewinner waren die Anteilsscheine von Henkel (plus 1,6 Prozent auf 65,47 Euro) und Schering (plus 0,9 Prozent auf 66,49 Euro).
Kurssprung bei ProSiebenSat.1
Die Aktien der ProSiebenSat.1 sind bei hohen Umsätzen um mehr als zwanzig Prozent in die Höhe geschossen. Am Abend notierten sie bei 8,10 Euro. Für Euphorie sorgte die Nachricht, dass die Fusion mit KirchMedia verschoben wird.
Neuer Markt am Nachmittag: Chiptitel auf Talfahrt - Carrier1 stellt Konkursantrag
Chiptitel auf Talfahrt
Der Neue Markt wurde von der Branchenschwäche der Chiptitel belastet. Am Donnerstag ist der Philadelphia-Semiconductor-Index SOX um 6,7 Prozent auf 507 Punkte eingebrochen. Die deutschen Wachstumswerte vollzogen diese Entwicklung nach: Der Münchener Chipbroker CE Consumer verlor 4,8 Prozent auf 6,40 Euro, die Aktie von ACG gab 2,2 Prozent nach auf 4,47 Euro.
Größter Verlierer war der Telekom-Ausrüster Carrier1 . Das ehemalige Schwergewicht im Nemax 50 hat bei einem Gericht in Luxemburg Konkursantrag gestellt. Es sei zu erwarten, dass das Gericht kurzfristig einen Konkursverwalter bestellen werde, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Im Laufe des Verfahrens rechnet die Gesellschaft nach eigenen Angaben mit ihrer Liquidierung. Die Aktie rauschte um 22,2 Prozent auf magere 0,14 Euro. Kurz nach der Emission im Jahr 2000 hatte das Papier auf über 150 Euro notiert.
MobilCom verkommt zum Zockerpapier
Unterdessen geht das Drama um MobilCom weiter. Hauptaktionär und Vorstandschef Gerhard Schmid hatte am Donnerstag der France Telecom vorgeworfen, sie versuche den Aktienkurs von MobilCom zu manipulieren. Der französische Konzern hält derzeit 28,5 Prozent an dem Mobilfunker. Schmid hatte erklärt, der jüngste Streit der beiden Unternehmen diene vor allem dem Zweck, den Kurs zu drücken und eine preisgünstige Übernahme von MobilCom zu ermöglichen. Trotz der unsicheren Lage gewann die Aktie am Nachmittag rund 3,2 Prozent auf 12,20 Euro und war damit der einzige Gewinner im Nemax 50. "Das ist nur noch ein Zockerpapier", sagte ein Händler. "Die Aktie hat in den vergangenen Tagen extrem verloren. Nun nutzen mutige Anleger die Gelegenheit zum Einstieg", hieß es auf dem Parkett. "Vielleicht glauben sie aber auch den Äußerungen von Herrn Schmid", vermutete ein anderer Börsianer. Allein in dieser Woche hat MobilCom weit über 250 Millionen Euro an Börsenwert verloren.
Die Talfahrt von D.Logistics hielt an. Mit einem Minus von 3,9 Prozent notierte die Aktie auf 1,99 Euro. Der Logistikdienstleister hatte am Donnerstag einen Liquiditätsengpass bekannt gegeben. Auch die Comroad-Aktie verlor wieder stark und gab annähernd zehn Prozent auf 2,10 Euro nach.
Leichtes Plus in Japan
Der Aktienmarkt an der Tokioter Börse hat am Freitag etwas höher abgeschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte schloss auf 10.356 Punkten und stieg damit um 61,36 Punkte. Der breit angelegte Topix legte um 0,30 Punkte zu und endete bei 989 Zählern.
Kurs des Euro gestiegen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro bei 0,8747 (Donnerstag: 0,8701) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1432 (1,1493) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6117 (0,6105) Pfund, 117,07 (116,79) Yen und 1,4796 (1,4793) Schweizer Franken fest.