Börse am Abend T-Aktie über 30 Euro
Frankfurt am Main Völlig überraschend hat die amerikanische Notenbank hat am Mittwoch die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt. Die Börsen reagierten umgehend mit einem Kursfeuerwerk. Gegen 17.30 Uhr stand der Dow Jones mit 3,8 Prozent im Plus. Die Nasdaq stieg schnell über plus neun Prozent an, fiel dann wieder auf plus 8,5 Prozent zurück.
Die Zinssenkung kam zu einem Zeitpunkt, als die Märkte bereits ohnehin nach oben strebten. Die US-Technologiebörse Nasdaq hatte trotz einer Umsatz- und Gewinnwarnung von Hewlett Packard für zweite Quartal einen Klasse-Start mit plus vier Prozent erwischt. An den Handelsplätzen lautete die Devise: "Schluss mit dem Frust". Die Zinssenkung brachte die Intel-Party erst so richtig auf Touren.
Weniger die leicht über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen als vielmehr der optimistische Ausblick beflügelten den Kurs des Chip-Riesen, der nach der Zinssenkung auf plus 20 Prozent geradewegs explodierte. Goldman Sachs trieb den Kurs der Aktie durch positive Kommentare zu einer zukünftig steigenden Nachfrage nach PC-Chips.
Die Börsen in Deutschland reagierten gerade "superpositiv" auf die überraschende Zinssenkung der US-Notenbank, sagte die Aktienhändlerin einer Frankfurter Bank. Obwohl die Entscheidung von Notenbankchef Alan Greenspan zeige, dass es der US-Wirtschaft doch schlechter gehe als bislang vermutet, werde sich die Erholung der Aktienkurse stabilisieren. "Es wird morgen nicht wieder zum Katzenjammer kommen", vermutete sie.
Der Dax baute nach der US-Zinssenkung sein Plus auf knapp vier Prozent aus, viel dann aber auf plus 3,6 Porzent zurück. Der Nemax 50 schnellte auf knapp plus 11 Prozent hoch.
Im Sog der starken US-Börsen gaben Technologietitel fortgesetzt im Dax den Ton an. Der Bauelemente-Hersteller Epcos verteuerte sich um knapp 14 Porzent. Die T-Aktie rutschte mit plus 9,75 Prozent auf 30,28 Euro auf Platz zwei im Dax. Es folgten SAP, Siemens und Infineon mit Kurszuwächsen zwischen 8,2 und 6,5 Prozent.
Auch die Deutsche Bank zog sofort kräftig auf plus 4,8 Prozent bei rund 90 Euro an. Die Aktien der US-Investmentbanken konnten bereits in den vergangenen Tagen zulegen, sagte ein Händler. Sollten sich die Wachstumsmärkte weiter erholen, dürfte dies auch dem Emissionsgeschäft der Investmentbanken zugute kommen.
Autotitel tendierten fester. Dax-Schwergewicht DaimlerChrysler baute seine Kursgewinne auf 4,7 Prozent aus und stieg über die Marke von 54,60 Euro. Volkswagen verteuerte sich um 4,6 Prozent auf 53,50 Euro.
Gerüchte beflügeln Pixelpark
Am Neuen Markt standen im Nemax 50 nach der Zinssenkung in den USA lediglich nur noch drei Titel im Minus. Dieses Bild hatte man schon lange nicht mehr gesehen.
Die Aktie von Pixelpark schnellte wieder um 18 Prozent auf 15,73 Euro hoch. Hartnäckig halten sich Gerüchte, die Deutsche Telekom wolle Pixelpark übernehmen, schreibt die Privatbank Merck Finck in einer Studie. Klaus Eierhoff, zuständiger Vorstand des Hauptanteilseigner Bertelsmann und Aufsichtsratschef von Pixelpark, habe sich zwar hinter das Unternehmen gestellt. Da Eierhoff jedoch einen Verkauf des 58 Prozent umfassenden Aktienpakets nicht ausdrücklich ausgeschlossen habe, erhielten die Verkaufsgerüchte neue Nahrung.
Stärkster Wert im Nemax 50 waren die Papiere von Heyde (plus 60 Prozent auf 3,38 Euro). Fundamental neue Nachrichten gibt es aus dem Unternehmen nicht. Hier haben Zocker die Finger im Spiel.
Stark notierten auch die Papiere des Hersteller des Softwarehersteller Brokat mit einem Kursplus von rund 35 Prozent. Der Handy-Ausrüster Balda legte nicht nur gute Quartalszahlen vor, sondern hält an seiner Umsatzprognose für das Gesamtjahr fest. Die Aktie verbesserte sich um 23 Prozent auf 18,65 Euro.
Schlusslichter im Nemax 50 waren Comroad (minus 9,6 Prozent) und Evotec (minus 6,5 Prozent). Evotec-Gründer Karsten Henco verläßt das junge Biotechnologie-Unternehmen.