Börse am Abend Telekom startet durch
Frankfurt am Main - Mit deutlichen Zugewinnen der Wall Street haben auch die deutschen Aktienmärkte zum Abend ihre Zugewinne ausgebaut. Im Dow Jones (plus 1,7 Prozent auf 9631 Zähler) konnten vor allem Finanzwerte kräftig zulegen. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, stieg bis 18.30 Uhr um knapp drei Prozent auf 1547 Punkte.
Nach den drastischen Verlusten am Freitag baute der Dax seine Zugewinne auf plus 3,5 Prozent bei 4455 Punkten aus und markierte damit ein Tageshoch. In der vergangenen Woche hatte der Index für die Standardwerte 6,64 Prozent verloren. Am Neuen Markt legte der Nemax 50 kräftig um 4,8 Prozent auf 684 Zähler zu.
Papiere der US-Großbank JP Morgan Chase kletterten um 5,15 Prozent auf 34,70 Dollar. Auch andere Finanzwerte stiegen kräftig. American Express kletterten 5,33 Prozent auf 37,87 Dollar. "Bank-Aktien werden nun verstärkt von risikoscheuen Anlegern gekauft, denen Telekom- und Technologie derzeit zu unsicher sind", sagte ein Händler in New York.
Der größte US-amerikanische Finanzdienstleister Citigroup kletterte um 3,90 Prozent auf 41,75 Dollar. Das Unternehmen steht Medienberichten zufolge vor der Übernahme der Golden State Bancorp, zu der die zweitgrößte Sparkasse der USA gehört. Die US-Aufsichtsbehörden sollen das 5,8-Milliarden-Dollar-Geschäft genehmigt haben.
Die Schnellimbiss-Kette McDonald's legte 2,40 Prozent auf 29,81 Dollar zu. Das Unternehmen hatte zuvor vor allem wegen positiver Währungseinflüsse für das zweite Quartal ein höheres Ergebnis prognostiziert, als von Analysten erwartet.
Technische Erholung, schlechte Stimmung bleibt
Jörg Dechert, Händler bei der Helaba, wies darauf hin, dass die Märkte am vergangenen Freitag alle technischen Unterstützungen gebrochen hätten. Der Markt werde es daher schwer haben, eine Trendwende herbeizuführen. Nervosität und hohe Umsätze sollten den deutschen Aktienmarkt auch in den kommenden Tagen prägen. Die technische Erholung des Gesamtmarktes sei nach den drastischen Verlusten der Vorwoche nicht ungewöhnlich, sagten andere Händler. An der allgemein schlechten Stimmung habe sich jedoch nichts geändert.
T-Aktie stark nachgefragt
T-Aktie stark nachgefragt
Die zuletzt schwer gebeutelte Aktie der Deutsche Telekom zählte mit einem Gewinn von 7,33 Prozent auf 10,54 Euro zu den größten Gewinnern im Dax. Das Papier war am Freitag erstmals unter zehn Euro gesackt. Ein Händler sprach von einer "Reaktion auf die massiven Verluste der Vorwoche". Die Telekom habe zuletzt unter den schlechten Nachrichten aus dem Sektor gelitten, sagte Aktienstratege Matthias Jörss von Sal. Oppenheim. "Wir glauben, dass das überzogen war." Die Aktie sei unterbewertet. Andere Händler sagten, dass sich nun so geannnte Leerverkäufer wieder eindeckten.
Stark gefragt waren auch die Anteilsscheine des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care , die sich um 6,86 Prozent auf 52 Euro verteuerten. "Der Kursanstieg kann als Reaktion auf die überproportionalen Kursverluste in den vergangenen Wochen gesehen werden", sagte Pharmaanalyst Ulrich Huwald von M.M. Warburg. Im MDax zogen die Titel des Pharmakonzerns Altana um mehr als sechs Prozent auf 52 Euro an.
Auch die Technologiewerte konnten einen Teil ihrer Verluste der Vorwoche wettmachen. Der Anteilsschein des Herstellers elektronischer Bauelemente Epcos zog um 4,83 Prozent auf rund 36 Euro an. Aktien des Chipherstellers Infineon notierten trotz einer Herabstufung durch die Banc of America um 4,30 Prozent höher auf 16,16 Euro. Siemens -Papiere trotzten negativen Analystenkommentaren und verbuchten Gewinne von 3,42 Prozent 61,42 Euro. UBS Warburg hatte das Kursziel für die Aktie auf 56 Euro herabgesetzt.
Der Heidelberger Finanzdienstleister MLP hat nach den Kurseinbrüchen in der vergangenen Woche am Montag wieder zugelegt. Die Aktien gewannen zuletzt noch 3,55 Prozent auf 33,75 Euro. Marktexperten führten den Kursanstieg vor allem auf die am Freitag angekündigte Klage gegen "Börse Online" und die Berufung eines neuen Kommunikationschefs zurück. "Die Ankündigung juristischer Schritte gegen Börse Online hat viele Anleger erst einmal etwas beruhigt", sagte ein Händler. Bei solch schwerwiegenden Anschuldigungen reiche es nicht aus, Vorwürfe nur zu dementieren.
Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats hatte das Anlegermagazin am Mittwoch vergangener Woche die MLP-Bilanz angezweifelt und damit Kurseinbrüche von mehr als 15 Prozent verursacht. Unterstützt durch die starke Tendenz der Finanzwerte an der Wall Street kletterten Deutsche Bank um mehr als vier Prozent auf knapp 70 Euro. HypoVereinsbank stiegen um 3,70 Prozent auf 33,33 Euro. Commerzbank rückten um 1,34 Euro vor.
Die Autowerte standen im Plus. DaimlerChrysler gewannen 4,46 Prozent auf 48,27 Euro. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp wird für die Ergebnisaussichten des Autokonzerns in diesem Jahr immer zuversichtlicher. Der positive Trend des ersten Quartals 2002 habe sich "deutlich gefestigt", sagte er in einem dpa-Gespräch. BMW verteuerten sich um mehr als fünf Prozent auf 41,97 Euro. Volkswagen standen mit rund 2,70 Prozent im Plus bei 52,73 Euro. Noch am Freitag waren die Auto-Aktien nach den eher schwachen Absatzzahlen in den USA kräftig unter Druck geraten.
Probleme mit der EU belasten die Aktie Gelb
Dagegen hielten die Titel der Deutschen Post die rote Laterne im Dax. Die Aktie Gelb rutschte um 4,16 Prozent auf 13,84 Euro. Der Bonner Konzern soll in dieser Woche von der EU-Kommission zu einer millionenschweren Beihilferückzahlung verpflichtet werden. Von mehr als 500 Millionen Euro ist laut Medienberichten die Rede.
Neuer Markt auf Erholungskurs - Euro leicht schwächer
Atempause am Neuen Markt nach dem Kursdebakel
Trotz deutlich steigender Kurse hat der Nemax 50 zum Wochenauftakt immer noch unter der 700-Punkte-Linie notiert. Erst am Freitag markierte der Auswahlindex ein Allzeittief auf 628,80 Punkten.
Die Mobilcom-Aktie setze ihren Erholungskurs vom Freitag fort und gewann rund acht Prozent auf 8,09 Euro. Die Einigung über die Umschuldung der 4,7-Milliarden-Euro-Kredite von Mobilcom stehen nach einem Pressebericht kurz bevor. Die Gläubigerbanken hätten sich zu einem zehnprozentigem Forderungsverzicht bereit erklärt, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Bankenkreise. Die Institute würden demnach 90 Prozent der Mobilcom-Schulden in Form von Wandelanleihen von France Télécom erhalten.
Ebenfalls deutliche Steigerungsraten verzeichneten Teleplan (plus 11 Prozent auf 9,32 Euro) und Balda (plus 10,65 Prozent auf 3,43Euro).
Die Aktien des Biotechnologie-Unternehmens Medigene gehörten erneut zu den schwächsten Werten im Nemax 50. Das Papier fiel zuletzt um rund ein Prozent auf 6,60 Euro und zählte damit zu den schwächsten Werten des Index. Die Titel waren am Freitag kräftig eingebrochen, nachdem das Unternehmen die Entwicklung des Herzschwäche-Medikaments Etomoxir gestoppt hatte.
Euro leicht schwächer
Der Kurs des Euro ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9426 (Freitag: 0,9478) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0609 (1,0551) Euro. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,9442 Dollar gehandelt.