Börse am Abend Trendwende nach US-Daten
Frankfurt am Main - Nachdem der Dax am Nachmittag auf ein Zweijahrestief gefallen war und der Nemax 50 sogar ein Rekordtief markierte, beflügelten gute Konjunkturdaten aus den USA die deutschen Börsen im späten Handel. Der Blue-Chip-Index in Frankfurt stieg bis 19 Uhr um 2,4 Prozent auf 5215 Punkte. Der Nemax 50 kletterte auf 1019 Zähler, ein Plus von 2,5 Prozent.
Ähnlich stark präsentierten sich die Börsen in New York. Der Dow Jones kletterte um 2,3 Prozent auf 10.175 Zähler, die Nasdaq verbuchte ein Plus von 1,6 Prozent und notierte bei 1833 Punkten.
Die Kauffreude wurde ausgelöst von einem stärker als erwartet gestiegenen US-Einkaufmanager-Index (NAPM). Der Index nahm von 43,6 im Vormonat auf 47,9 im August zu. Eigentlich gelten Werte unter 50 als Zeichen für Stagnation. In dem unerwarteten Sprung auf den höchsten Stand seit neun Monaten sehen Analysten jedoch ein Zeichen, dass der Stillstand sich dem Ende zuneigt.
Zudem sorgte eine am Morgen angekündigte Elefantenhochzeit weiter für Furore. Hewlett-Packard übernimmt Compaq für rund 25 Milliarden Dollar in Aktien. Damit entsteht ein Computer-Gigant, der fast an Branchenführer IBM heranreicht. Die HP-Aktie gab in Frankfurt deutlich nach, während Compaq zeitweise zweistellig anzog.
Autowerte geben Gas
BMW-Aktien legten trotz des Rückrufs beim BMW-Mini um 5,8 Prozent auf 37,25 Euro zu. Die Titel von DaimlerChrysler (plus 6,5 Prozent auf 49,52 Euro) und Volkswagen (plus 4,9 Prozent auf 49,85 Euro) präsentierten sich ebenfalls stark. Volkswagen hat im August in Nordamerika trotz des schwachen Automarkts 13 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als vor einem Jahr, und bei DaimlerChrysler werden heute Absatzzahlen erwartet. Zudem hilft der schwache Euro. Nach Informationen des manager magazin soll der ehemalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder am Freitag vom VW-Aufsichtsrat zum Nachfolger von VW-CEO Ferdinand Piëch bestimmt werden.
Die guten Konjunkturdaten aus den USA haben auch die Titel der Technologieunternehmen beflügelt, die im späten Handel deutlich zulegen konnten. Die T-Aktie notierte mit 0,9 Prozent im Plus auf 16,54 Euro. Der Verkauf der restlichen zwei Drittel des TV-Kabelnetzes der Deutsche Telekom an den US-Konzern Liberty Media ist perfekt. Der Kaufpreis (5,5 Milliarden Euro) wird aber nur zum Teil in bar bezahlt - Börsianer befürchten, dass die Schuldentilgung der Telekom damit schleppender verläuft als erhofft.
Die Aktien von Infineon (plus 3,4 Prozent auf 26,20 Euro), Siemens (plus 5,5 Prozent auf 57,21 Euro) und Epcos (plus 5,7 Prozent auf 44 Euro) legten zum Handelsschluss eine kleine Rallye aufs Parkett. Der Softwarehersteller SAP gab nach dem Kurssturz am Montag im frühen Handel um weitere 1,5 Prozent nach, stürmte im weiteren Verlauf aber auf zuletzt 145,40 Euro, ein Plus von 5,1 Prozent.
Die schwächste Aktie war die von Fresenius Medical Care, die minimal auf 90,24 Euro zulegte.
Neuordnung im Stoxx
Die Schwäche der Telekomwerte drückt sich auch in der Neuordnung der Stoxx-Indizes aus. Der französische Baustoffhersteller Saint Gobain wird den niederländischen Telefonkonzern KPN im Euro Stoxx 50 ersetzen. Im Stoxx 50 räumt der Telekomausrüster Marconi seinen Platz für den Konsumgüterhersteller Unilever. Auch die France Telecom nimmt Abschied aus dem Stoxx Index: Für den Telekomkonzern rückt der Wasserversorger Suez auf, teilte Stoxx Limited in der Nacht zu Dienstag mit.
Neuer Markt: Kabelnetz-Deal stärkt Primacom
Auch der Neue Markt profitierte von den Nachrichten aus den USA. Im Nemax 50 stürmte der Netzbetreiber Primacom an die Spitze der Gewinnerliste. "Der Abschluss des Verkaufs hat die Aktie beflügelt, weil Liberty Gerüchten zufolge auch Primacom übernehmen will", sagte ein Händler. Die Papiere gewannen rund 30 Prozent auf 5,10 Euro.
Die Titel der Constantin Film stiegen um über neun Prozent auf 10,33 Euro. Das Papier des Filmverleihers profitierte von den am Dienstag veröffentlichten Kinobesucherzahlen. Danach haben bereits 6,3 Millionen Zuschauer den Constantin-Film "Der Schuh des Manitu" gesehen. "Eine Millionen Besucher bedeuten fünf Millionen Mark Umsatz für den Filmverleiher", sagte ein Medien-Analyst. Der Film sei der zweit erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten, ergänzte ein anderer Börsianer. Auch in Österreich laufe der Film "ausgesprochen gut".
Euro: Höchster Tagesverlust in diesem Jahr
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8970 (Montag: 0,9072) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1804 (2,1559) Mark. Am Nachmittag beschleunigte der Euro jedoch seine Talfahrt, nachdem der NAPM-Index veröffentlicht wurde. Die Gemeinschaftswährung verbuchte ihren bislang höchsten Tagesverlust in diesem Jahr und sackte auf 0,8858 Dollar ab.