Börse am Abend: Wachstumswerte im Rückwärtsgang - DER SPIEGEL
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Börse am Abend Wachstumswerte im Rückwärtsgang

Die Börsen weiten ihre Verluste aus. Technologiewerte stehen auf den Verkaufslisten. Vor den US-Konjunkturdaten am Freitag nehmen Anleger Gewinne mit. Der Streik der Piloten belastet die Lufthansa-Aktie.
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Frankfurt am Main – Anleger sind vorsichtig geworden und nehmen sofort Gewinne mit, sobald sich am Konjunkturhimmel wieder die ersten Wölkchen zeigen. Nach der viertägigen Rallye der Wachstumswerte nehmen Händler die Verluste jedoch gelassen.

Nemax sehr schwach, Dax unter 6100 Punkte

Der Dow Jones rutschte bis 18.30 Uhr um 105 Punkte (1 Prozent) ins Minus. Der Technologieindex Nasdaq Composite notierte 2,6 Prozent im Minus bei 2163 Zählern. Der Nemax 50 marschierte am Abend brav hinterher und gab 6,2 Prozent auf 1857 Punkte ab. Statt die 2000-Punkte-Marke zu knacken, ist der Index eindrucksvoll zurückgeprallt. Auch der Dax gab mehr als 100 Punkte ab und fiel zeitweise unter 6100 Punkte.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA sind saisonbereinigt um 9000 auf 421.000 gestiegen. Das ist die höchste Anzahl dieser Anträge seit März 1996. Analysten hatten mit einem Rückgang der Antragszahl um 8000 auf 400.000 gerechnet hatten. Am Freitag werden weitere Arbeitsmarktdaten veröffentlicht - Anleger bringen vorher die Schäfchen ins Trockene.

Techtitel drücken Dax

Gewinnmitnahmen haben die deutschen Börsen bereits seit Handelseröffnung belastet. Der Index hatte seit Anfang April einen Wertzuwachs von rund 15 Prozent verbucht. Händlern zufolge scheitert das Börsenbarometer derzeit an der Widerstandsmarke bei 6300 Punkten. "Nach einem solchen Anstieg ist es für den Markt aber auch gesund, sich erst einmal zu setzen", sagte ein Händler.

Insbesondere Kurseinbußen bei der SAP-Aktie schickten den Dax auf Talfahrt. Das Papier begrenzte am Abend seine Verluste auf vier Prozent und notierte bei 167 Euro. Der Wert hatte seit Anfang April um rund 70 Prozent zugelegt.

Epcos hat bei Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal seine Prognosen wegen der Flaute auf dem Handymarkt gesenkt. Die Aktie baute ihre Verluste auf fünf Prozent aus und war am Abend Schlusslicht im Index. Infineon-Aktien litten fortgesetzt unter der Herabstufung durch das Investmenthaus Merrill Lynch und gaben zuletzt 3,1 Prozent auf 45,40 Euro ab. Die T-Aktie gab um 3,8 Prozent nach.

Streik drückt Lufthansa

Die Lufthansa-Piloten haben sich für einen Streik entschieden, um im Tarifstreit ihre nicht gerade bescheidenen Lohnvorstellungen durchzusetzen. Die Kapitäne wollen rund dreißig Prozent mehr: Die Aktie gab um 2,2 Prozent auf 20,68 Euro nach.

Die Papiere des Bad Homburger Dialysespezialisten Fresenius Medical Care rutschten nach Vorlage der Quartalszahlen 1,6 Prozent ins Minus. FMC hat im ersten Quartal das Ergebnis nach Steuern um 20 Prozent auf 55 Millionen Dollar gesteigert und die Erwartungen von Analysten erfüllt. Dennoch litten die Papiere unter einem schwachen Gesamtmarkt.

Deutsche Bank büßt frühe Gewinne wieder ein

Die Deutsche Bank konnte ihren Gewinn nach Steuern im ersten Quartal 2001 auf 1,026 Milliarden Euro nach 960 Millionen Euro vor Jahresfrist steigern. Der Gewinn vor Steuern ist allerdings von 1,637 Milliarden Euro auf 1,446 Milliarden Euro gesunken. Die Aktie gab am Abend ihre Anfangsgewinne vollständig ab und notierte 0,6 Prozent schwächer auf 89.70 Euro.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehörten defensive Werte wie Henkel, BMW oder die Commerzbank, die minimal zwischen 0,2 und 0,5 Prozent zulegten.

Neuer Markt: Intershop und T-Online unter Druck

Nach der Kursrallye vom Vortag litten am Neuen Markt die Papiere von Intershop unter Gewinnmitnahmen. Der Titel verlor zuletzt fünf Prozent auf 5,20 Euro. Am Mittwoch hatte das Papier um 46 Prozent zugelegt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Firmenchef Stephan Schambach: Im Gespräch mit manager-magazin.de nimmt er zu den Vorwürfen Stellung.

Die Anteilsscheine von Brokat konnten an ihren positiven Trend vom Vortag anknüpfen und gewannen rund fünf Prozent auf 10,19 Euro. Am Vortag hatte das Papier bereits 18 Prozent zugelegt.

Das Nemax-50-Schwergewicht T-Online hat im ersten Quartal 2001 den Konzernumsatz um 61,2 Prozent auf 280,2 Millionen Euro gesteigert und damit die Prognosen der Analysten übertroffen. Allerdings sei ein Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 66 Millionen Euro erwirtschaftet worden nach einem Gewinn von 5,8 Millionen Euro im ersten Quartal 2000. Die Aktie gab zuletzt 3,8 Prozent auf 13,60 Euro nach.

Fluxx und Web.de profitieren von Deal

Fluxx.com-Titel legten 40 Prozent auf 6,75 Euro an. Der Dienstleister für Online-Spiele wird für die ebenfalls am Neuen Markt notierte Web.de virtuelle Lotto-Annahmestellen entwickeln. Web.de notierten um mehr als drei Prozent im Plus bei 8 Euro.

Euro fängt sich

Der Euro hat am Donnerstag nach massiven Devisenverkäufen durch die französische Bank BNP Paribas zunächst deutlich verloren, kletterte dann aber wieder über 89 Cent.

Die Währung erhielt Auftrieb durch schwache US-Konjunkturzahlen. Die Märkte blicken nun auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag, die als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung in den USA gelten.