Börse am Abend: Wall Street schwächt deutsche Börsen - DER SPIEGEL
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Börse am Abend Wall Street schwächt deutsche Börsen

Der Handel am Abend ist flau. Die deutschen Aktienmärkte können sich von den schwachen US-Börsen nicht lösen. Offenbar haben sich viele Investoren bereits in das verlängerte Wochenende verabschiedet.
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Frankfurt am Main - Bei einem lustlosen Handel standen die deutschen Aktienmärkte am Abend weiter im Minus. "Das Wetter ist gut, heute Abend ist Champions League und morgen Feiertag, da will sich keiner am Markt groß aus dem Fenster lehnen", beschrieb Alexander Koch, Aktienhändler bei der KBC Bank die Stimmung.

Der Dax stand fortgesetzt mit rund 0,6 Prozent auf 6232 Punkte im Minus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 bauten ihre Verluste leicht aus und standen zuletzt mit 2,4 Prozent auf 1889 Zähler im roten Bereich.

EZB-Entscheidung zeigte kaum Wirkung

Ohne Auswirkung auf den Markt blieb nach Angaben von Händlern die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Schlüsselzinsen in der Eurozone unverändert zu lassen. Dafür drückten allerdings ein schwacher Dow Jones (minus 0,8 Prozent) und Gewinnmitnahmen an der Nasdaq (minus 1,5 Prozent) auf die Kurse in Deutschland. Anleger in Amerika würden die für den morgigen Donnerstag angesetzte Rede von Notenbankchef Alan Greenspan abwarten, hieß es.

Infineon wird rote Laterne nicht los

Aussichten auf einen Verlust im laufenden Quartal bescherten den Aktien des Halbleiterherstellers Infineon die kräftigsten Kursverluste unter den Dax-Werten. Gegen 18.50 Uhr stand das Papier mit 4,4 Prozent bei 43,87 Euro im Minus. Vorstandschef Ulrich Schumacher hatte sich am Dienstag auf einer Analystenkonferenz negativ zu den Aussichten auf dem Speichermarkt geäußert. Daraufhin revidierten mehrere Investmenthäuser ihre Gewinnschätzungen für das Halbleiterunternehmen nach unten. Heute bestätigte der Chiphersteller, dass im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres voraussichtlich ein Verlust verbucht werde.

Die Titel der Konzern-Mutter Siemens verbilligten sich um 0,5 Prozent und lagen damit bei rund 90 Euro. Die Papiere von Epcos verloren 2,21 Prozent auf 77,84 Euro.

SAP-Anteilsscheine hatten sich im Laufe des Handelstages lange Zeit gegen den schwachen Trend bei Technologietiteln stemmen können. Mit der schwachen Nasdaq fiel der Wert auf sein Vortagesniveau zurück, konnte am Abend wieder aber Boden gut machen. Letzter Stand: 179,50 Euro. Das war ein Plus von 0,84 Prozent. Die Aktie hatte von einem Bericht über eine mögliche Zusammenarbeit mit IBM profitiert.

Ein pessimistischer Unternehmensausblick des französischen Mitbewerbers Usinor verdarb den Anlegern die Lust auf Stahlaktien. ThyssenKrupp verbilligten sich um 2,63 Prozent auf 17,80 Euro und gehörten mit Infineon zu den schwächsten Werten.

Dass der ehemalige Außenminister und Vielflieger Hans-Dietrich Genscher im Tarifstreit der Lufthansa vermitteln will, konnte der Aktie nicht auf die Beine helfen. Das Papier verlor rund drei Prozent auf 22,61 Euro.

Die T-Aktie hatte sich nach Vorlage der vollständigen Quartalszahlen zunächst fest präsentiert, drehte dann aber am Nachmittag ins Minus. Am Abend stand die Aktie mit rund 0,9 Prozent auf 26,62 Euro fortgesetzt im roten Bereich. Im ersten Quartal 2001 hat die Telekom einen Konzernverlust von 358 Millionen Euro eingefahren. Gegenüber den letzten drei Monaten des Vorjahres verbesserte sich das Ergebnis allerdings um mehr als 600 Millionen Euro.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Papiere von Fresenius Medical Care. Das Unternehmen sucht Wachstumsmöglichkeiten im schnell prosperierenden asiatisch-pazifischen Markt der Dialyse-Behandlung. FMC-Chef Lipps erklärte am Mittwoch auf der Jahreshauptversammlung in Frankfurt, es gebe für das Unternehmen im asiatisch-pazifischen Raum ein Wachstumspotenzial von bis zu 1,2 Milliarden Dollar innerhalb der nächsten zehn Jahre. Zudem rechne FMC weltweit mit einem starken Anstieg des Dialysemarktes in den kommenden Jahren. Der Titel gewann 1,4 Prozent auf 83,54 Euro.

Neuer Markt ohne Impulse

"Viele Börsianer haben sich schon in das lange Wochenende verabschiedet", begründete ein Frankfurter Händler die geringen Umsätze am Neuen Markt. Zudem fehlten die positiven Impulse aus den USA, denn die auch die Technologiebörse Nasdaq hätte mit Kursverlusten und Gewinnmitnahmen zu kämpfen.

Mit großem Abstand stärkster Wert im Nemax 50 waren die Papiere von Morphosys. Die Titel verzeichneten Kursaufschläge von knapp zehn Prozent auf 77 Euro. Das Papier profitierte von einer Kaufempfehlung durch die Bank Merck, Finck & Co. Morphosys legt am Montag seine Geschäftsergebnisse für das erste Quartal vor. Die Analysten der Bank rechnen damit, dass der Kurs der Aktie unabhängig von der Entwicklung des Index steigen wird.

Besonders die Schwergewichte litten unter Verlusten. T-Online gaben um rund vier Prozent auf 12,95 Euro nach. Die Aktien des Telefondienstleisters MobilCom verbilligten sich um 4,2 Prozent auf 19,55 Euro. Die Papiere des Biotechnologie-Konzerns Qiagen sanken um 2,12 Prozent auf 30,50 Euro.

Die Aktie von Pixelpark fiel wieder tiefer in die Verlustzone und verlor 6,37 Prozent auf 10 Euro. Die Berliner Internet-Agentur hatte angekündigt, im Zuge eines Kostensenkungsprogramms ihre Belegschaft um mehr als ein Viertel zu reduzieren. Bis Ende September verhängte Pixelpark einen Investitionsstopp.

Unter Abgaben litten auch die Papiere von Biodata. Sie verloren 7,85 Prozent auf knapp 29 Euro. Brokat-Titel brachen mit 8,5 Prozent auf 8,10 Euro weiter ein. Finanzvorstand Michael Janssen hatte angekündigt, dass das Unternehmen einen strategischen Investor suche.