Börse am Abend Warten, warten, warten
Frankfurt am Main - An den deutschen Aktienmärkten bewegt sich wenig. Und wäre da nicht dieser sympathische Herr Alan Greenspan, der heute Abend vielleicht sogar noch vor Handelsschluss in Deutschland eine Leitzinssenkung in den USA verkünden wird, könnten die Börsianer eigentlich vorzeitig den Feierabend einläuten. So aber verharren Investoren und Börsianer in Lauerstellung - man weiß ja nie, ob der Herr des Geldes nicht doch mit einer dicken Überraschung aufwartet. Der Dax steht nahezu unverändert mit 0,6 Prozent im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax-50 stehen mit rund zwei Prozent im roten Bereich.
Ein weiteres Argument für eine Zinssenkung bieten die am Nachmittag veröffentlichten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA. Das BIP wuchs im vierten Quartal des vergangenen Jahres um 1,4 Prozent im Vergleich zu 2,2 Prozent drei Monate zuvor. Das ist der langsamste Anstieg in einem Quartal seit mehr als fünf Jahren. Dennoch lag das gesamte Wachstum im Jahr 2000 bei kräftigen fünf Prozent. Analysten hatten für das vierte Quartal ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent vorausgesagt und zeigten sich von den Zahlen enttäuscht.
Unverändert dominierten die Technologietitel die Gewinnerliste im Dax. Infineon, SAP, Epcos, und Siemens verzeichneten Kursaufschläge zwischen 4,69 und rund zwei Prozent. Siemens überzeugte am Morgen mit guten Geschäftszahlen, die Tochterfirma Infineon jedoch nicht. Allerdings hatte Infineon berichtet, dass der Markt für Speichermedien in Zukunft wieder anziehen werde. Auch von steigenden Preisen für Chips werde der Halbleiterhersteller profitieren. Ohne fundamentale Nachrichten konnten sich zuletzt die Aktien von Fresenius Medical Care in die Gewinnerliste eintragen. Die Aktie gewann 2,08 Prozent auf 85,40 Euro hinzu.
DaimlerChrysler-Papiere standen zuletzt mit rund zwei Prozent im Plus. Der Wert profitierte von Gerüchten, dass der Autokonzern die Banken JP Morgan und die Deutsche Bank beauftragt haben soll, eine Abwehrstrategie gegen eine mögliche feindliche Übernahme zu erarbeiten. Ein Sprecher des Konzern betonte hingegen am frühen Abend, eine potenzielle Übernahme von DaimlerChrysler sei ebenso wenig Thema wie das Entwickeln von irgendwelchen Strategien dagegen. Der japanische Autokonzern Toyota, dem gerüchteweise ein Interesse an einer feindlichen Übernahme unterstellt worden war, trat diesen Gerüchten zudem entschieden entgegen.
Unter Druck gerieten die Bankentitel. Auf Grund der zu erwartenden Zinssenkung in den Vereinigten Staaten seien die Aktien der Dresdner Bank und der Deutschen Bank in den vergangenen Tagen sehr gut gelaufen, daher käme es zu Gewinnmitnahmen, sagte ein Händler. Die Dresdner Bank lag bei 49,30 Euro (minus 0,30 Prozent), die Commerzbank verlor 0,70 Prozent auf 32,75 Euro. Auf Erholungskurs steuerten hingegen die Aktien der Deutsche Bank. Sie wechselten zuletzt für 104,32 Euro den Besitzer und verzeichneten damit Kursaufschläge von 0,30 Prozent. Das Papier markierte damit ein neues Tageshoch und notierte nur noch knapp unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch von rund 105 Euro. Analysten trauen dem Titel des Branchenprimus ein Kurspotential von bis zu 120 Euro zu.
Am Neuen Markt treiben Zocker die Aktien von Metabox an die Spitze der Gewinnerliste. Die Papiere standen mit knapp zwölf Prozent bei 5,62 Euro im Plus. Nach der deutlich verfehlten Prognose für das abgelaufene Geschäftsjahr hält Metabox an ihren Planzahlen für 2001 fest, teilte das Unternehmen am Nachmittag mit. Demnach will die Multimedia-Firma bei einem Umsatz von 600 Millionen Mark einen Gewinn von 33 Millionen Mark erzielen. Risikofreudigen Anlegern schien das bereits ein Kaufargument zu sein.
Am anderen Ende des Index standen unverändert die Papiere von Intershop mit Verlusten von rund 20 Prozent bei 9,60 Euro. Die Softwareschmiede aus Jena hatte am Morgen schwache Zahlen vorgelegt und zudem ein wenig freundliches Bild von den künftigen Geschäftsaussichten abgeliefert. Anleger flüchteten daraufhin massenweise aus dem Papier. Kursabschläge von zuletzt 10,60 Prozent auf 22,35 Euro verzeichneten auch die Papiere des Softwareunternehmens und Nemax-Schwergewichts Brokat.
Zu den großen Verlierern zählten auch die Aktien von Poet. Im vierten Quartal 2000 erzielte das Unternehmen einen Nettoverlust von 2,8 (Vorjahresperiode: -1,3) Millionen US-Dollar. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um 20 Prozent auf 3,5 Millionen Dollar. Händler bezeichneten die Zahlen als "sehr schlecht". Die Aktien gaben zuletzt rund 15 Prozent auf elf Euro nach.