Börse am Abend Zittern vor dem Fed-Bericht
Frankfurt am Main - Die Ausverkaufsstimmung vom Nachmittag nach den schwachen US-Konjunkturdaten hat sich am frühen Abend ein wenig gelegt. Doch die Indizes diesseits und jenseits des Atlantiks standen weiter im roten Bereich. Der Dax hatte zeitweilig mit vier Prozent im Minus gestanden, konnte die Verluste aber bis 17.55 Uhr auf rund 2,5 Prozent oder 3784 Zähler begrenzen. Am Neuen Markt notierte der Nemax50 mit zwei Prozent auf 546 Punkte im roten Bereich.
Der Dow Jones gab zuletzt rund ein Prozent auf 8600 Zähler ab. Der Nasdaq Composite tendierte 1,9 Prozent leichter bei 1321 Punkten. Zuvor waren sowohl das Bruttoinlandsprodukt der USA (BIP) für das zweite Quartal als auch der Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago, der als wichtiger Konjunkturindikator gilt, deutlich schwächer ausgefallen als erwartet.
BIP in den USA schwächer als erwartet
"Die Grundstimmung an den Märkten ist weiter nicht gut und jetzt kommen auch noch schwache Konjunkturdaten rein, die diese bestätigen", sagte Guiseppe Amato vom Börsenmakler Lang & Schwarz. Das US-BIP ist nach Angaben des US-Handelsministeriums im Berichtszeitraum auf Jahressicht nur um 1,1 Prozent gewachsen. Analysten hatten dagegen einen Anstieg von 2,2 Prozent erwartet. Der Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago sank im Juli auf einen Stand von 51,5 Zählern und lag damit deutlich unter die Analystenprognosen von 56,7 Punkten.
Nach Handelsschluss in Deutschland steht die Veröffentlichung des monatlichen Konjunkturberichts der US-Notenbank (Beige Book) an. Sollte sich die Notenbank hier negativ äußern, dürfte es an der Wall Street weiter abwärts gehen.
Investoren trauen Epcos nicht
Die Papiere des Herstellers passiver Bauelemente Epcos büßten mehr als sieben Prozent auf 18,10 Euro ein. Die Aussagen des Vorstandes, Epcos wolle im ersten Halbjahr 2003 wieder in die Gewinnzone zurückkehren, überzeuge ihn nicht, sagte ein Händler. Es gebe derzeit einfach zu viele andere Aktien von profitablen Unternehmen im Dax, die von einer Erholung der Gesamtmärkte sicherlich genauso stark profitieren sollten wie Epcos, fügte er hinzu. Die Papiere von Infineon und SAP mussten unterdessen Kurseinbußen von fünf beziehungsweise knapp drei Prozent hinnehmen.
FMC-Titel kommen unter die Räder
Die größten Verluste im Dax verbuchten aber mit einem Minus von knapp elf Prozent auf 35 Euro die Titel von Fresenius Medical Care (FMC). Das Papier werde erneut von den am Vortag vorgelegten schwachen Geschäftszahlen und insbesondere von den düsteren Aussichten unter Druck gesetzt, hieß es im Markt. Die im MDax gelisteten Aktien der FMC-Mutter Fresenius AG standen ebenfalls erneut stark unter Druck und verloren 7,3 Prozent auf 39,20 Euro.
Lufthansa und Metro der einzige Lichtblick
Mit Blick auf die Anhebung der Gewinnprognose von Lufthansa sagte ein Händler: "Die Anleger haben fast vergessen, wie das ist." Die Fluggesellschaft hatte am Vormittag ihre Vorhersage für den operativen Gewinn 2002 um ein Viertel angehoben. Die Lufthansa-Papiere stiegen um knapp fünf Prozent auf 12,50 Euro. Die Metro -Papiere verteuerten sich um zwei Prozent auf 26,40 Euro. Es sei ermutigend, dass der Einzelhandelskonzern trotz der Konsumflaute an seinen Gewinnzielen für das Gesamtjahr festhalte, hieß es. Der Fondsmanager Trudbert Merkel der Deka-Gruppe sagte, sowohl die Aktien von Lufthansa als auch diejenigen von Metro seien stark unterbewertet.
Analystenkommentar belastet T-Aktie
Ein negativer Analystenkommentar hat die Aktien der Deutschen Telekom den ganzen Handelstag belastet. Die Investmentbank UBS Warburg hat die Papiere von "Halten" auf "Reduzieren" gestuft, sagte ein Händler. Die T-Aktie gab zuletzt noch 4,60 Prozent auf 11,68 Euro ab.
UBS-Analyst James Ratzer hatte in seiner am Mittwoch vorgelegten Studie zudem das Preisziel auf zehn Euro gesenkt. Das Unternehmen würde unter dem hohen Druck, der weiter auf der Industrie laste, stärker leiden als ihre Konkurrenz, heißt es. Die Telekom werde aggressive Sparmaßnahmen angehen müssen und vermutlich trotzdem im Jahr 2004 auf externe Finanzierung angewiesen sein.
Rückzahlungen belasten die Post
Die Aktie der Deutsche Post fiel um mehr als drei Prozent auf 10,32 Euro. Die Post hatte einen rückläufigen Gewinn für das zweite Quartal präsentiert und ihre Ergebnisprognose gesenkt. Finanzvorstand Edgar Ernst stellte eine Anleihe über eine Milliarde Euro noch in diesem Herbst in Aussicht.
Neuer Markt: Intershop mit Kurssprung
Intershop überzeugt mit einem Kurssprung
Der Neue Markt hat sich nach den schlechter als erwartet ausgefallenen Zahlen zum Verbrauchervertrauen in den USA in schwacher Verfassung gezeigt. Marktteilnehmer seien besorgt wegen der flauen Konjunktur und hielten sich mit Käufen zurück, sagten Händler.
Die Aktie von Intershop führte die Gewinnerliste im Auswahlindex Nemax 50 an. Das Papier verteuerte sich um 15 Prozent auf 1,02 Euro. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist der Verlust auf 5,8 Millionen Euro gesenkt worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Nettoverlust sei damit im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2002 mehr als halbiert worden. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise der Softwareindustrie stagnierte der Quartalsumsatz mit rund zwölf Millionen Euro. Nach Firmenangaben ist Intershop mit nur noch rund 500 Beschäftigtem "auf dem Weg in die Gewinnzone".
IDS Scheer nach Zahlen im Plus
IDS-Scheer-Aktien verteuerten sich um rund ein Prozent auf 8,04 Euro. Im ersten Halbjahr erhöhte der IT-Dienstleister das operatives Ergebnis binnen Jahresfrist um 83 Prozent auf 8,2 Millionen Euro. Außerdem halten die Saarbrücker am Ziel fest, die Ebit-Marge um acht Prozent hochzufahren.
Am Tag der Hauptversammlung kletterte die Aktie von EM.TV um zuletzt vier Prozent auf 1,06 Euro. Die Sanierung des skandalgeschüttelten Medienkonzerns gestaltet sich nach Worten des Vorstandschefs Werner Klatten schwieriger als erwartet. Im Laufe seines Berufslebens hab er bereits mehrere Umstrukturierungen geleitet, sagte Klatten auf seiner ersten Hauptversammlung als EM.TV-Vorstandschef in München. "Dies hier ist ohne Zweifel die härteste Sanierung meines Lebens." Klatten war im Sommer vergangenen Jahres als Nachfolger von EM.TV-Gründer Thomas Haffa angetreten.
Balda weiter auf Höhenflug
Die Balda-Aktie hat an die Kursgewinne der vergangenen Tage angeschlossen und verteuerte sich um 3,60 Prozent auf 5,44 Euro. Das Unternehmen hat über die US-Tochter Albea Kunststofftechnik mit der Tecstar Company, Mitglied der MGS Manufacturing Group, ein Joint Venture vereinbart. An dem Gemeinschaftsunternehmen, das den Namen Albea Technologies trägt, werden beide Unternehmen jeweils 50 Prozent halten, teilte Balda am Mittwoch mit. Seine Geschäftstätigkeit will das Joint Venture im 4. Quartal 2002 aufnehmen. Im kommenden Jahr soll der gemeinsam erzielte Umsatz bei 3,5 Millionen Euro liegen.
Unter deutlichen Abschlägen litten die Aktien von Medigene , D.Logistics und Süss Microtec , die zwischen neun und 13 Prozent verloren.
Euro unter der Marke von 0,98 Dollar
Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9783 (Dienstag: 0,9835) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0222 (1,0168) Euro. Am Abend wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,9805 Dollar gehandelt.