Börse am Mittag Adieu, 3100-Punkte-Marke, adieu!
Frankfurt am Main - Wer nach dem katastrophalen Handelsverlauf vom Mittwoch heute auf eine Kurserholung gesetzt hat, wird enttäuscht: Gegen Mittag notierte der deutsche Leitindex bei 3084 Punkten, ein Minus von 1,4 Prozent. Auch die Nebenwerte gingen auf Berg- und Talfahrt, zuletzt notierte der MDax etwas schwächer auf 2991 Zählern. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 rund 1,1 Prozent ab und hielt sich knapp über der Marke von 400 Punkten.
Händler machten eine ganze Reihe von Faktoren für die anhaltende Talfahrt aus: Auf Grund der lahmenden Konjunkturerholung und den noch nicht beigelegten Spannungen mit dem Irak sei die Stimmung weiterhin gedrückt. Der derzeit hohe Ölpreis könne zudem die Wirtschaft weiter abschwächen. Deshalb sei mit sinkenden Unternehmensgewinnen zu rechnen.
Auch von charttechnischer Seite ist für den Dax keine Hilfe zu erwarten. Nach Ansicht von Uwe Wagner von der Deutschen Bank sehe das Chartbild mittlerweile sehr kritisch aus. "Es gibt keine sinnvollen Unterstützungslinien mehr und die Abwärtsdynamik ist beachtlich", sagte Wagner. "28 der 30 Dax-Werte sind in einem intakten Abwärtstrend." Vor dem Hintergrund des dreifachen Verfalls an der Terminbörse Eurex am Freitag sei eventuell auch die Marke von 3000 Punkten nicht mehr zu halten.
Leichte Erholung der Allianz
Die Aktien der Allianz legten zu. Mit einem Kursaufschlag von 1,2 Prozent auf 91 Euro präsentierten sich der Titel fest und gehörten zu den wenigen Gewinnern. Fundamentale Daten oder Nachrichten gab es nicht es nicht.
Nach Ansicht von Thomas Sickenberg von ING BHF-Bank wird der Allianz-Kurs von der Mitteilung unterstützt, dass der Versicherer keine Kapitalerhöhung plane. Den Anstieg wertete der Experte als "Eintagsfliege" und rein technische Reaktion nach den Verkäufen der vergangenen Tage.
Uneinheitliche Entwicklung der E.ON-Aktie
Die E.ON-Aktie notierte zuletzt mit einem Minus von 0,3 Prozent auf 47,63 Euro. Aus Unternehmenskreisen wurde bekannt, dass die Bundesregierung für die umstrittene Übernahme der Ruhrgas AG eine neue Ministererlaubnis erteilt haben soll. Die Auflagen sollen verglichen mit der ersten Erlaubnis verschärft worden sein. Nur wenige Händler hatten bereits von der angeblichen Zustimmung gehört.
Die Technologiewerte wurden von einer Gewinnwarnung von Electronic Data Systems belastet. Der zweitgrößte US-Computerdienstleister hat wegen der anhaltend schwachen Nachfrage im IT-Sektor seine Gewinnprognosen drastisch gesenkt. Beim Gewinn je Aktie im dritten Quartal (30. September) ist die Prognose von zuvor 74 Cent auf die Spannbreite zwischen 12 und 15 Cent reduziert worden. Die Titel von SAP und InfinE.ON rutschten um über 2,5 Prozent in den Keller, Siemens und Epcos konnten ihre Verluste noch in Grenzen halten.
Nike-Zahlen lasten auf Adidas Salomon
Die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas Salomon ist nach einem verhaltenen Ausblick des US-Konkurrenten Nike unter Druck geraten und verlor über drei Prozent auf 66,94 Euro. Es seien einige Verkaufsaufträge für Adidas Salomon im Markt, sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Auf den Kurs drückten die am Vortag veröffentlichten Zahlen und der trüben Ausblick von Nike. "Es gibt jedoch gute Chancen für einen Kursanstieg, wenn die Verkaufsorders aus dem Markt sind", sagte der Händler.
Der Konkurrent Puma sei positiv zu sehen, hieß es. Puma habe volle Auftragsbücher. Nachdem der Wert am Mittwoch "runtergeprügelt" worden sei, habe er sich schnell wieder erholt. Die im MDax notierten Puma-Aktien wurden bei 51,71 Euro und 0,2 Prozent im Plus gehandelt.
MobilCom erneut auf Talfahrt
Am Neuen Markt führte die Aktie von MobilCom erneut die Verliererliste an. Zum Mittag notierte das Papier auf 2,30 Euro, ein Minus von über 13 Prozent. Bei der Prüfung des Notkredits für den angeschlagenen Mobilfunkanbieter sieht sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nicht politisch unter Druck. "Wir prüfen bankmäßig", sagte ein Sprecher des staatlichen Instituts dem "Tagesspiegel". Dabei spielten Äußerungen aus der Regierung über die Erfolgsaussichten der Prüfung keine Rolle. "Das Finanzministerium gibt eine politische Stellungnahme ab." Eine Ministeriumssprecherin hatte am Mittwoch gesagt, die Regierung gehe nicht davon aus, "dass die KfW zu einem negativen Ergebnis kommt". Die Bundesregierung hatte MobilCom am Sonntag einen Notkredit von 400 Millionen Euro zugesagt. 320 Millionen davon sollen von der KfW bereitgestellt werden.
Die Gewinnerliste im Nemax 50 wurde angeführt von Lion Bioscience . Die Aktie verteuerte sich um über acht Prozent auf 3,46 Euro. Der Anbieter von Software für die Biotechbranche hat Aufträge von zwei französischen Crop-Science-Unternehmen mit einer Laufzeit von jeweils drei Jahren erhalten.
Ixos geben erste Kursgewinne wieder ab
Trotz eines positiven Ausblicks auf das Geschäftsjahr hat die Ixos-Aktie erste Kursgewinne schnell wieder abgegeben. Zuletzt stand das Papier mit 0,2 Prozent im Minus auf 5,50 Euro. Am Morgen hatte der Anbieter von Dokumenten -Verwaltungssoftware bekannt gegeben, für das laufende Geschäftsjahr zehn Prozent mehr Umsatz und Gewinn zu erwarten.
Ein Aktienhändler bewertete die Zahlen von Ixos negativ. Das Unternehmen habe vor einiger Zeit ein höhere Umsatz- und Gewinnsteigerung für 2002/2003 angepeilt. Daher werde der Kurs wohl sinken, zumal die gesamte Softwarebranche negativ zu betrachten sei. Auch Giuseppe Amato von Lang & Schwarz, zeigte sich nicht überrascht, dass Ixos seinen Kursgewinn rasch wieder abgeben musste. "Dafür war die Nachricht nicht groß genug."
Zentralbank treibt Kurse in Tokio
Eine geplante Stützungsaktion der japanischen Notenbank hat die asiatische Leitbörse in Tokio am Donnerstag mit Kursgewinnen schließen lassen, Der Nikkei-225-Index kletterte um 2,1 Prozent auf 9669 Punkte, Der breiter angelegte Topix stieg um knapp 1,7 Prozent auf 943 Zähler.
Entscheidender Treibstoff war Händlern zufolge die Ankündigung der Notenbank, den maroden Kreditinstituten Aktien abzukaufen. "Japanische Banken besitzen eine Menge Aktien, wir wollen den negativen Effekt sinkender Aktienkurse abfedern", betonte Notenbankchef Masaru Hayami am Mittwoch. Damit reagiert die Bank von Japan auf den scharfen Verfall der Aktienkurse, der den Nikkei im Laufe des Monats auf ein 19-Jahres-Tief sacken ließ.
Euro von schwachen Finanzmärkten unterstützt
Der Kurs des Euro hat am Donnerstag weiter zugelegt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 11.30 Uhr 0,9791 Dollar. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 0,9725 (Dienstag: 0,9649) Dollar festgesetzt. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hat der Euro am Vortag von erneut schwachen Aktienmärkten profitiert. Am Donnerstag richten sich die Interessen auf den Monatsbericht der EZB und zahlreiche Wirtschaftsdaten aus den USA, sagten Händler.