Börse am Mittag Analystentreffen stützt SAP
Frankfurt am Main - Die meisten Aktien im Dax haben am Donnerstag im weiteren Handelsverlauf ihre Gewinne verteidigt. Bis 12.30 Uhr erzielte der Blue-Chip-Index ein Plus von 0,7 Prozent auf 5281 Zähler. Der Nemax 50 stieg um 0,6 Prozent auf 1015 Zähler. Der MDax der mittleren Werte lag mit 4412 Punkten 0,2 Prozent unter seinem Vortagesstand.
Vor dem Verfallstermin für Aktien- und Indexoptionen am Freitag seien die Umsätze gering, sagte ein Börsianer. Ein Kollege erwartet aber auch zum Wochenschluss keine "dramatischen" Kursbewegungen.
Nach einem schwachen Auftakt schafften es die Papiere der Deutschen Telekom nur für einen kurzen Moment in die Gewinnzone. 0,2 Prozent schwächer kosteten sie zuletzt 16,86 Euro. Ein Frankfurter Händler sah die Aktie davon gestützt, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs die Aktie weiterhin auf ihrer Empfehlungsliste belässt, obwohl sie mit höheren Verlusten als bislang rechnet. "Das ist ein gutes Zeichen". Andere Händler hielten den Kurs jedoch durch eine Analyse von Lehman Brothers belastet, die für die Anteile das Kursziel auf 18 Euro herabgesetzt hatten.
SAP vor Analystentreffen freundlich
Die Aktien von SAP haben vor einem Analystentreffen um 1,5 Prozent auf 167,02 Euro zugelegt. Die Anleger hofften auf interessante Ankündigungen vor dem Analystentreffen am heutigen Donnerstag, sagte ein Händler. Darüber hinaus habe sich positiv ausgewirkt, dass die Investmentbank Merrill Lynch ihre Einstufung der Aktie nach den ersten Cebit-Tagen mit "Buy" bestätigt hat. "Allerdings wiesen die Experten auf eine überdurchschnittliche Volatilität des Wertes hin", sagte der Händler. Ein anderer Börsianer begründete die Kursgewinne mit dem Ziel des Softwarekonzerns, mittelfristig eine operative Gewinnmarge von 25 Prozent zu erreichen. Dies hatte SAP-Finanzchef Werner Brandt angekündigt. Auch wenn die Prognose nicht brandneu sei, so wirke sie sich doch nach wie vor beflügelnd aus, sagte der Händler.
Positive Analystenkommentare zum Geschäftsverlauf beim Chemiekonzern Degussa ließen den Kurs bereits eine Woche vor Vorlage der Geschäftszahlen um 2,4 Prozent auf 35,46 Euro anziehen. BASF-Papiere zeigten sich etwas fester bei 45,90 Euro. Nachdem die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen für das vierte Quartal für einen freundlichen Auftakt gesorgt hatten, belaste der verhaltene Ausblick des Vorstands die Kurse, sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Insbesondere bei Plastikkomponenten befürchteten sie weniger Nachfrage.
Versorger unter Druck
Auf der Verlierseite standen dagegen Versorger-Werte. Der Kurs der Eon-Aktie sank um 1,9 Prozent auf 56,63 Euro. Auch das RWE-Papier verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 41,03 Euro.
Die Anteilsscheine von Infineon notierten leicht im Minus auf 25,38 Euro. Neben kritischen Analystenkommentaren von Credit Lyonnais belastete nach Händleraussagen auch die Empfehlung von ABN Amro den Kurs, die Aktien zugunsten von Philips zu verkaufen.
Neuer Markt hält die 1000-Punkte-Marke
Die Aktienindizes am Neuen Markt haben nach einer schwächeren Eröffnung im Handelsverlauf wieder zugelegt und die psychologisch wichtige Marke von 1000 Punkten gehalten. "Jeden Tag kommt eine neue Horrormeldung von einem Unternehmen am Neuen Markt", sagte ein Händler in München. Gestern sei die negativste Nachricht die vermuteten Betrügereien bei Advanced Medien gewesen. "Mal sehen, was heute wieder auf uns zukommt", sagte der Aktienhändler.
Der anhaltende Kursrückgang sei aber auch von dem dreifachen "Hexensabbat" am Freitag beeinflusst. "Durch die Abrechnung von Optionsgeschäften kann der Markt noch einmal richtig durcheinanderkommen." Der Börsianer sagte: Erst danach werde man sehen, wo der Markt wirklich steht.
IM Internationalmedia trotz Verlust auf Höhenflug
Die Aktien des Filmproduzenten IM Internationalmedia haben sich mit einem Plus von knapp 20 Prozent auf 7,33 Euro an die Spitze der Gewinner im Nemax 50 gesetzt, obwohl das Unternehmen zuvor einen Vorsteuerverlust und einen rückläufigen Umsatz für das Gesamtjahr 2001 gemeldet hat. "Das sind die üblichen Zockerein mit einem Papier, das zuvor abgestürzt ist", sagte ein Händler in Frankfurt. Mit fundamentalen Daten habe die Aktienkursbewegung nichts zu tun, "denn der Verlust war eher im einstelligen Millionenbereich erwartet worden".
Die auf die Produktion von Kinofilmen spezialisierte Internationalmedia hatte am Morgen nach einer geplatzten Übernahme und nicht vom Wirtschaftsprüfer mitgetragenen Umsatzbuchungen im abgelaufenen Kalenderjahr einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 11,9 Millionen Euro bekannt gegeben. "Die Aktie ist am Vortag um 22 Prozent gefallen und da ist eine solche Gegenreaktion nur normal," sagte ein anderer Wertpapierhändler. Der Ausblick des Unternehmens, das für das laufende Jahr von "einem deutlich positiven Ergebnis" gesprochen hat, ist den Daytradern auch ziemlich egal."
Mit einem Verlust von 5,4 Prozent auf 0,35 Euro war die Aktie von Carrier1 einer der größten Verlierer im Nemax 50. Das Unternehmen hat bei der Deutschen Börse beantragt, die Notierung der Aktien am Neuen Markt mit Ablauf des 28. März 2002 einzustellen. Ab dem 2. April sollen die Papiere dann am geregelten Markt gehandelt werden, teilte der Telekommunikationsausrüster am Donnerstag in Luxemburg mit. Carrier1 hat bereits im vergangenen Monat beim zuständigen Gericht in Luxemburg einen Konkursantrag gestellt.
Wall Street schloss im Minus - Euro gestiegen
Wall Street: Techwerte auf Talfahrt
Schwache Einzelhandelsdaten und negative Analystenkommentare zur Technologiebranche hatten die amerikanischen Aktienmärkte unter Druck gesetzt. Chip- und Computerwerte gaben auf breiter Front nach.
Notenbankchef Alan Greenspan hatte am späten Abend erneut auf die sich abzeichnende Besserung der amerikanischen Wirtschaftslage verwiesen. Gleichzeitig warnte er jedoch vor den Gefahren hoher Leistungsbilanzdefizite und forderte die Konsumenten zu höheren Sparleistungen auf.
Analysten sagten, die Äußerungen von Greenspan seien weniger optimistisch ausgefallen, als erwartet. Vor allem die Bemerkung, dass er nur eine schrittweise Erholung der Investitionen sehe, habe die Finanzmärkte belastet. Der Dow-Jones verlor 1,2 Prozent auf 10.501. Der Nasdaq-Composite sank um 1,8 Prozent auf 1862.
Die Aktien hätten darüber hinaus unter den schlechter als erwartet ausgefallen US-Daten zum Einzelhandelsumsatz sowie unter dem schwachen Ausblick von Goldman Sachs hinsichtlich der Technologieausgaben der Unternehmen gelitten, hieß es.
Insgesamt habe sich dadurch die Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Konjunktur doch etwas eingetrübt. Aber auch der Verfallstag für Optionen und Futures am Freitag und die Bewertungsaufschläge in den vergangenen zwei Wochen hätten die Entwicklung des Tages bestimmt. "In dieser Woche geht es wirklich um Konsolidierung der Zwei-Wochen-Rally", sagte Todd Clark, Händler bei Wells Fargo Securities.
Tokio schließt fest
Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag fest geschlossen. Der Nikkei legte nach zwischenzeitlichen Verlusten um 153 Punkte oder 1,34 Prozent zu ging mit 11.568 Punkten aus dem Handel. Unterdessen notierte der Dollar um 15.00 Uhr Ortszeit leichter mit 128,77-80 Yen nach 129,33-36 Yen am Mittwoch zur gleichen Zeit. Der Euro notierte fester mit 0,8775-78 Dollar nach 0,8745-48 Dollar am Vortag zur gleichen Zeit.
Kurs des Euro gestiegen
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 12.15 Uhr in Frankfurt 0,8807 Dollar. Am Mittwoch hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs noch auf 0,8734 Dollar festgesetzt.