Börse am Mittag: Angst vor der Rezession - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Angst vor der Rezession

Gerüchte über Kaufgelüste der Münchener Rück, die Nokia-Quartalsergebnisse und schlechte Konjunkturzahlen sorgen für Hektik auf dem Parkett. Der Dax rutscht tiefer nach unten, der Nemax zuckt hin und her.
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Frankfurt am Main - Der weltgrößte Handyhersteller Nokia berichtete von einem Quartalsgewinn von 16 Euro-Cents je Aktie und übertraf damit leicht die Analystenerwartungen. Auch der Ausblick der Finnen stimmt zuversichtlich. Der Handyabsatz soll im vierten Quartal um 25 Prozent gegenüber dem dritten Quartal steigen. Gleichzeitig schätzt der Handy-Branchenriese allerdings, dass der weltweite Handyabsatz im Jahr 2001 auf 390 Millionen Stück fallen werde. Die Aktie von Nokia zog bis 11.40 Uhr um mehr als fünf Prozent auf 22 Euro an.

Die deutschen Aktienmärkte reagierten uneinheitlich auf die Nachrichten am Vormittag. Der Dax baute sein Minus zuletzt auf 1,1 Prozent aus und notierte bei 4523 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 kletterten wieder auf das Niveau vom Morgen und verzeichneten zuletzt ein Plus 1,3 Prozent auf 1028 Zähler.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich nach den Terroranschlägen in den USA noch einmal deutlich verschlechtert und die Aktienmärkte am Vormittag zunächst nach unten gezogen. Der ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland ist im September von 89,5 auf 85,0 Punkte gesunken. Dies ist der niedrigste Stand seit fast acht Jahren. Analysten hatten einen geringeren Rückgang erwartet. "Die Zahlen sind extrem schlecht", sagte Uwe Angenhendt von der BHF Bank. "Eine Rezession in Deutschland kann man nicht völlig ausschließen", sagte Christoph Hausen von der Commerzbank.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Infineon   mit einem Plus von 0,70 Prozent auf 16,63 Euro. Die Aktien des Bauelementherstellers und Lieferanten für die Handyproduktion, Epcos   , konnten von den Nokiazahlen zunächst nicht profitieren und notierten rund ein halbes Prozent leichter auf 48,45 Euro.

SAP   standen mit 0,50 Prozent ebenfalls leicht im Minus. Am Vortag hatten die Papiere nach einer Umsatzwarnung für das laufende Quartal und enttäuschenden Quartalszahlen für das dritte Quartal rund zwölf Prozent verloren. Zahlreiche Investmentbanken haben heute ihre Gewinnschätzung je Aktie für den Softwarekonzern für die beiden kommenden Jahre deutlich gesenkt. Merrill Lynch sieht in SAP allerdings langfristig weiter eine Kaufgelegenheit. Goldman Sachs belässt SAP trotz schwacher Zahlen auf seiner Empfehlungsliste. Siemens   zeigten sich rund 1,70 Prozent schwächer.

Übernahmegerüchte haben am Freitag den Kurs der HypoVereinsbank  -Aktie beflügelt. An den Finanzmärkten kursierten neue Spekulationen, die Münchener Rück wolle die HypoVereinsbank ganz übernehmen. Die beiden Konzerne wollten die Gerüchte nicht konkret kommentieren. Das Papiere kletterte um mehr als 1,80 Prozent auf 32,81 Euro.

Andere Händler sagten, die HypoVereinsbank sei ein defensiver Wert und werde nun gesucht. Die Bank hatte die Erholung des Gesamtmarkt in den vergangenen Wochen nur unterdurchschnittlich mitvollzogen, was Händler auf Anlegersorgen um starke Kreditengagements des Hauses bei der Swissair und Kirch zurückführt hatten. "Diese Sorgen sind seit einigen Tagen aus dem Markt. Seitdem ist die Hypo wieder gefragt", hieß es.

Lufthansa   -Aktien bauten ihre Verlusten auf mehr als vier Prozent bei 11,55 Euro aus und waren damit Schlusslicht im Dax. Ohne drastische Kostensenkungen im Passagiergeschäft sei nach Einschätzung der Konzernführung "jeder vierte bis fünfte Arbeitsplatz" gefährdet. Das Unternehmen hat vor einem massivem Stellenabbau gewarnt, falls die Gespräche mit den Gewerkschaften über die Einführung der Vier-Tage-Woche und flexiblen Arbeitszeiten scheitern sollten. Die Spitzen der Lufthansa und der Gewerkschaften treffen sich heute zu Verhandlungen in Frankfurt.

Die Lufthansa rechnet im vierten Quartal wegen der Ausfälle nach den Terroranschlägen mit Umsatzeinbußen von 350 Millionen bis 500 Millionen Euro. Zu dem anhaltenden Passagierrückgang von 20 Prozent käme hinzu, dass Fluggäste von der Business zur Economy Class abwanderten.

Am Neuen Markt waren Biotechnologie-Titel erneut unter den größten Gewinnern im Nemax 50 zu finden. MorphoSys   kletterten um rund zehn Prozent auf 63 Euro. Evotec   und Lion   legten jeweils rund vier Prozent zu. Bei dem Nemax 50-Schwergewicht Qiagen   waren es knapp fünf Prozent. MediGene   hingegen rutschten nach gutem Start wieder in die Verlustzone. Ein Händler erwartete, dass es im Handelsverlauf bei den Biotechnologie-Werten zu Gewinnmitnahmen kommen werde. Die Anleger treiben die Kurse seiner Ansicht nach "erst panikartig nach oben, dann gehen sie sofort wieder raus".

Die im Nemax All Share notierten Aktien von Linos verbilligten sich um zuletzt noch um rund sieben Prozent auf 17,52 Euro. Der Hersteller von optomechanischen Baugruppen hatte zuvor die Umsatz- und Ergebniserwartungen für das laufende Geschäftsjahr deutlich gesenkt. Wichtige Kunden hätten Aufträge verschoben, hieß es zur Begründung.

Uneinheitliche Vorgaben aus New York

Die deutschen Aktienmärkte haben es am letzten Handelstag in dieser Woche mit gemischten Vorgaben zu tun. Mit der Ausnahme von Gateway legten US-Technologiekonzerne nach Börsenschluss Quartalszahlen vor, die mehrheitlich die bereits gesenkten Erwartungen der Analysten übertrafen. Allerdings dürfte der Ausblick der Technologieriesen heute die Aktienmärkte belasten.

Meldungen zu weiteren Milzbrandanschlägen sowie schwache Arbeitsmarktdaten in den USA hatten die Stimmung an den New Yorker Börsen gedrückt. Der Dow Jones schloss 0,8 Prozent leichter auf 9136 Zähler. Der Nasdaq Composite rettete sich mit 0,4 Prozent auf 1652 Punkte ins Plus.

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft warnte für das laufende Quartal vor einem Gewinn unter den Markterwartungen. Ebenso gab der Glasfaserkonzern Corning eine Gewinn- und Umsatzwarnung für das vierte Quartal heraus. Der PC-Hersteller Gateway enttäuschte die Analysten auf der ganzen Linie und erwirtschaftete in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Milliardenverlust. Nur unter Ausklammerung der rund 600 Millionen Dollar schweren Sonderbelastungen könne der Konzern im vierten Quartal womöglich in die schwarzen Zahlen kommen, hieß es. Der weltgrößte Netzwerkkonzern Nortel Networks gab erst gar keinen Ausblick ab.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss fester. Der Nikkei beendete den Handel mit 0,6 Prozent auf 10.538 Punkte im Plus.