Börse am Mittag Banken-Titel verlieren stark
Hamburg - Steigende Verluste der Schwergewichte im Dax setzten den Index gegen Mittag verstärkt unter Druck. Der Dax stand gegen 12.15 Uhr mit 1,4 Prozent im Minus. Bei den Wachstumswerten am Neuen Markt ging es wieder nach unten. Der Nemax-50 rutschte auf minus 3,0 Prozent ab.
Die T-Aktie fiel nach einer kurzen Erholungsphase wieder auf das schwache Niveau vom Morgen zurück, nachdem der Konzern unter anderem mitgeteilt hatte, Wertberichtigungen auf seine Immobilien vorzunehmen. Zuletzt verlor das Papier 3,8 Prozent bei 25,73 Euro.
Die Wertberichtigungen der Immobilien würden den Überschuss 2000 um 1,5 Milliarden Euro drücken, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Dies führe zu einer Anpassung des vorläufigen Konzernüberschusses auf 5,9 Milliarden von zuvor 7,4 Milliarden Euro. Zudem kündigte die Telekom an, ihre Anteile an der US-Telefongesellschaft Sprint zu verkaufen.
Deutliche Verluste der beiden Großbanken Deutsche Bank (minus 4,6 Prozent auf 91,2 Euro) und Dresdner Bank (minus 5,04 Prozent auf 45 Euro) drückten zusätzlich auf den Dax. Die Zahlen der HypoVereinsbank dagegen konnten die Investoren überzeugen. Der Wert führte mit Zugewinnen von 1,35 Prozent auf rund 67 Euro die Gewinnerliste im Dax an.
Analystin Wiebke Hagen von der Conrad Hinrich Donner Bank in Hamburg erklärte die massiven Kursverluste mit einer Herabstufung des gesamten Bankensektors in den Vereinigten Staaten durch die Credit Suisse First Boston. "Die Kreditsorgen in den USA lassen sich leicht auch auf Europa herunter brechen", sagte die Analystin. Zudem wirkten sich die negativen Konjunkturaussichten in Übersee gerade für den Finanzsektor negativ aus.
E.ON-Papiere lagen zuletzt auf dem zweiten Platz. Die Titel verbesserten sich um 1,3 Prozent auf 56,1 Euro. Die Düsseldorfer haben dem schwedischen Versorger Sydkraft AB das geplante Übernahmeangebot gemacht. E.ON bietet 240 SEK für Sydkraft A-Aktien beziehungsweise 200 SEK für C-Aktien, hieß es am Mittwochmorgen aus der Konzernzentrale.
Auf Grund der schwachen Nadaq-Vorgaben präsentierten sich die Dax-Technologiewerte in schlechter Verfassung. SAP verloren 1,9 Prozent. Infineon verschlechterten sich auf minus 5,1 Prozent bei 38,65 Euro und belegten damit den letzten Platz im Dax. Schwach notierten auch Siemens mit Kursabschlägen von 2,7 Prozent.
Bei Infineon wirkten sich zudem negative US-Analystenkommentare zur Halbleiterbranche belastend auf den Kurs aus. Salomon Smith Barney hatte sich am Dienstag negativ über die Branche geäußert. Ähnlich wie Lehman Brothers schätzten die Analysten eine schnelle Belebung der Wirtschaft im zweiten Halbjahr als zu optimistisch an. Zudem geht Barney davon aus, dass der Chip-Sektor von einer längeren Abschwächungsphase der US-Wirtschaft besonders betroffen wäre.
Im Nemax-50 verzeichneten die Papiere von Singulus Kurszuwächse von zuletzt 4,7 Prozent auf rund 22,50 Euro und belegten damit einen Spitzenplatz im Index. Ein wenig erstaunt das schon. Denn das Unternehmen hatte am Morgen ad hoc gemeldet, dass im vierten Quartal 2000 ein geringerer Auftragseingang verbucht worden sei als im Vorjahreszeitraum. Das Volumen sei auf 75 Millionen Mark von 180 Millionen Mark zurückgegangen. Für das Gesamtjahr 2000 habe sich ein kumulierter Auftragseingang von 648,8 (1999: 669,7) Millionen Mark ergeben.
Pixelpark bauten ihre Verluste auf minus 10,7 Prozent bei 14,20 Euro aus. Die Multimedia-Agentur habe den Auftrag für die Gestaltung der Internetseiten des Buchclubs von Bertelsmann verloren, hatte das Anlegermagazin "Telebörse" zuvor berichtet.
Die Papiere des Software-Unternehmens Brokat legten heute eine Berg- und Talfahrt hin. Die Aktie hatte zu Handelsbeginn mit mehr als elf Prozent im roten Bereich gestanden, war dann mit einem riesigen Satz bei Zuwächsen von rund plus fünf Prozent an die Spitze des Index emporgeschnellt. Zuletzt gab das Papier aber wieder seine Zugewinne ab und notierte mit rund 2,3 Prozent auf 13,10 Euro im Minus.
Brokat hat im Geschäftsjahr 2000 einen Verlust von 125,9 Millionen Euro erzielt. Der Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 148 Prozent auf 119,6 Millionen Euro. Analysten von Sal. Oppenheim hatten im Vorfeld einen Umsatz von rund 112 Millionen Euro und einen Nettoverlust von 106 Millionen Euro prognostiziert.
Unter Druck stand einmal mehr das Wertpapier von EM.TV. Der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber droht nach einem Pressebericht der Kirch-Gruppe, ihren Einstieg bei der angeschlagenen Medienfirma zu blockieren. Dies könnte einen langwierigen Kartellstreit auslösen, hieß es. EM.TV konnten zwar ein wenig an Boden gewinnen, lagen aber noch mit 6,4 Prozent bei 6,60 Euro im Minus.
Unter Verkaufsdruck standen ebenso die Aktien der Direkt-Banken. Direkt Anlage Bank verloren 8,9 Prozent auf 33,67 Euro. Consors rutschten mit 10,3 Prozent auf 29,92 Euro ab.
Die auf UV-Technologien spezialisierte Firma Dr. Hönle hat erstmals nach dem Börsenstart Ende Januar Geschäftszahlen vorgelegt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2000/2001 (30. September) sei der Umsatz um 69 Prozent auf knapp 9,2 Millionen Mark (4,7 Millionen Euro) geklettert, teilte das Unternehmen mit. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) wuchs um 160 Prozent auf 2,3 Millionen Mark, der Konzernüberschuss legte entsprechend auf rund 1,2 Millionen Mark zu. Die Börse belohnt die Zahlen mit einem Kursplus von 5,1 Prozent auf 14,25 Euro.