Börse am Mittag Bayer und Telekom im Tiefenrausch
Frankfurt am Main - Deutliche Kursverluste bei T-Aktie, Bayer und Technologietiteln drückten am Vormittag auf den Dax. Der Index verlor bis 11.30 Uhr 1,4 Prozent auf 5377 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten um 3,3 Prozent auf 1089 Punkte ab, nachdem sie bereits am Vortag 2,8 Prozent verloren hatten. Der Index näherte sich damit seinem Jahrestief von 1066 Punkten. Vermutlich werden sich die Anleger weiter zurück halten: In den USA stehen weitere Konjunkturdaten an. Zudem legen US-Computerkonzerne ihre Geschäftszahlen vor.
Zu den größten Gewinnern im Dax zählte Eon, die nach Vorlage der Halbjahreszahlen 1,40 Prozent zulegten auf 60,90 Euro. Eon erwartet für 2001 weiter ein Betriebsergebnis deutlich über Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2001 sei das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 52 Prozent auf 1,96 (1,29) Milliarden Euro gestiegen, hieß es am Donnerstag. Der erhebliche Anstieg sei vorwiegend auf die erfolgreiche Portfoliobereinigung im Bereich Telekommunikation zurückzuführen.
Techwerte stark unter Verkaufsdruck
"Die Tech-Welt ist noch deutlich zu hoch bewertet", sagte ein Frankfurter Analyst. Bei Infineon, die Verluste von rund 4,65 Prozent auf 24,20 Euro verloren, gäbe es jedoch keine Nachrichten. "Derzeit bestimmt reine Psychologie den Markt. Die Leute haben lange auf eine Erholung gewarteter - dies ist nun wohl vorbei und der Markt sieht vielleicht einen richtigen Sell-Out," fasst ein Börsianer die Stimmung zusammen.
Epcos verloren 3,63 Prozent auf 47,35 Euro, Siemens 2,50 Prozent auf 58,11 Euro. Angehörige von US-Bürgern, die im November 2000 bei dem Bergbahnunglück im österreichischen Kaprun ums Leben gekommen sind, wollen den Elektronik-Konzern auf Schadensersatz verklagen, meldet die "FTD". Klägeranwalt Ed Fagan schätze den Streitwert auf umgerechnet 1,3 Milliarden Mark. "Diese Brandkatastrophe wird den Absturz der französischen Concorde als geradezu billig erscheinen lassen", sagte Fagan.
Deutsche Telekom: Händler spricht von Bestechung
Die T-Aktie gab zuletzt 4,60 Prozent auf 18,28 Euro nach. Zuvor hatte das Papier ein Jahrestief von 18,24 Euro markiert. Die Deutsche Telekom soll nach Presseberichten versucht haben, sechs Investmentbanken an die kurze Leine nehmen. Der Konzern habe den Banken zusätzliche Aufträge angeboten, wenn sie auf den Verkauf von T-Aktien-Paketen verzichten, berichtet die "FTD". Ein solches Gebaren, dass "nichts anderes als der Versuch einer Bestechung" sei, ist "doch in der Regel das letzte Mittel, wenn gar nichts mehr geht", kritisierte ein Händler den Sachverhalt in scharfer Form. Ron Sommer scheine "offenbar für das eigene Unternehmen jede Hoffnung aufgegeben zu haben".
Ein Spercher der Deutschen Telekom dementierte den Bericht der FTD. Absprachen mit einzelnen Banken würden auch nichts bringen, weil dann einfach andere Geldinstitute den Aktienverkauf übernehmen würden.
Bayer-Börsengang an Wall Street wankt
Die Aktien von Bayer sind auf Grund von Sorgen über die in den USA eingereichten Sammelklagen wegen des Lipobay-Skandals stark unter Druck geraten. Die Titel verloren zuletzt 5,81 Prozent auf 32,90 Euro. Die Schadenersatzklagen aus den USA könnten den geplanten Börsengang an der Wall Street gefährden. Dies schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchenkenner und Angaben aus dem Unternehmensumfeld. Aus dem Umfeld des Chemiekonzerns heiße es, dass in der Bayer-Chefetage "intensive über den Gang an die Wall Street diskutiert wird". Ein Frankfurter Pharmaexperte wies in diesem Zusammenhang auf die ernorme Unsicherheit durch diese Klagen hin. Ein US-Unternehmen habe in einem ähnlichem Fall über 12 Milliarden Dollar zahlen müssen.
Die Direkt Anlage Bank hat vor dem Hintergrund der andauernden Börsenschwäche ihren Verlust im zweiten Quartal 2001 gegenüber dem Vorquartal leicht ausgeweitet und damit ein Ergebnis am unteren Rand der Analystenschätzungen erreicht. Der Verlust nach Steuern liege im abgelaufenen Quartal bei 25,03 (Vorquartal: 23,77) Millionen Euro, teilte das im Nemax 50 gelistete Unternehmen mit. Analysten hatten mit einem Fehlbetrag zwischen 22,30 und 27,40 Mill. Euro gerechnet. Die Aktie zeigte sich zu Handelsbeginn 1,40 Prozent schwächer auf 14,30 Euro.
Der künftige Nemax 50-Aufsteiger SÜSS Microtec hat nach den ersten sechs Monaten die Ertragsziele für das Gesamtjahr bestätigt. Im ersten Halbjahr erzielte der Hersteller von Fertigung- und Prüftechnik für die Halbleiterindustrie einen Umsatz von 102,5 Millionen Euro und damit 81,4 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum (56,5 Millionen Euro). Das Ergebnis pro Aktie stieg von 0,08 Euro im Vorjahr auf 0,59 Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) schoss um 506 Prozent auf 16,3 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das 2,7 Millionen Euro verdient. Die Aktie gewann 2,40 Prozent auf 28,16 Euro.
Das Unternehmen rechnet unverändert mit einer 30prozentigen Umsatzsteigerung auf 210 Millionen Euro und Ergebnis nach Steuern von 16 Millionen Euro, nach 12 Millionen Euro im Vorjahr.
Euro im Aufwärtstrend
Angesichts der Schwäche der US-Wirtschaft verfestigt sich der Aufwärtstrend des Euro. Er notierte gegen Mittag bei Kursen um 0,918 Dollar.