Börse am Mittag: BMW gibt den Ton an - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag BMW gibt den Ton an

Infineon, SAP und T-Aktie legen deutlich zu - zumindest prozentual. Beim Chiphersteller bleiben Analysten jedoch skeptisch. Man traut dem Frieden an der Nasdaq nicht. Die Autobranche profitiert von Empfehlungen.
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Frankfurt am Main - Die späte Aufholjagd in New York sorgt auch bei Dax und Nemax am Donnerstag zum Handelsauftakt für Kursgewinne. Der Dax baute bis 11.15 Uhr seine Gewinne auf 4175 Zähler aus (plus 1,9 Prozent), nachdem der Index am Vortag die Marke von 4000 Punkten zeitweise unterschritten hatte. Sogar der Nemax 50 kletterte um 3,5 Prozent, blieb aber unter 600 Punkten.

In die Erleichterung mischten sich aber auch skeptische Stimmen. Die technische Gegenreaktion sei nach den massiven Verlusten keine Überraschung, aber die Probleme bleiben, sagten Händler. Nach dem Bilanzskandal bei WorldCom hat die Börsenaufsicht SEC nun den Telekomkonzern QWest wegen des Verdachts auf Bilanz-Unregelmäßigkeiten im Visier.

Greenspan schont die Nerven

Die US-Notenbank sorgte vorübergehend für Entspannung. Nach Handelsschluss in Deutschland gab die Fed bekannt, dass die US-Leitzinsen unverändert bleiben. Die Anzeichen des Aufschwungs seien nicht stark genug, um eine Anhebung der Zinsen zu rechtfertigen, teilte die Notenbank mit. Volkswirte rechnen mit einem Anheben der Sätze frühestens im Herbst.

"Der Automarkt wird sich erholen"

Autowerte, allen voran BMW   , waren am Donnerstag gefragt. Die Deutsche Bank hat Händlern zufolge BMW von "Market Performer" auf "Kauf" heraufgestuft, das Kursziel jedoch auf 48 Euro gesenkt. Zudem erhole sich das Papier von den Kursverlusten durch den gestiegenen Euro, der die Exporte der Autobauer verteuere.

Händler verwiesen jedoch darauf, dass sich die Automobil-Konzerne gegen Währungsschwankungen abgesichert haben. BMW habe überdies die Produktionskapazitäten in den USA ausgebaut, um den Folgen eines starken Euro zu entgehen. Am Mittwoch hatte sich bereits die Credit Suisse First Boston positiv zur europäischen Automobilbranche geäußert. "Der Automarkt wird sich erholen", heißt es in einer Analyse. Auch Volkswagen   und DaimlerChrysler   notierten am Vormittag im Plus.

Hightechs an der Dax-Spitze

Die Technologietitel - gestern am stärksten geprügelt - legten am Morgen zumindest prozentual deutlich zu. Infineon  , SAP   und Siemens   kletterten jeweils zwischen 2,1 und 4,2 Prozent. Mit einem Minus von neun Prozent auf 14,61 Euro war Infineon gestern ans Dax-Ende gerutscht - hier belastete die schlechten Nachrichten von Micron Technologie. Das Bankhaus HSBC hält die Infineon-Aktie jedoch immer noch für zu teuer.

T-Aktie und MLP gewinnen an Boden

Die Aktie der Deutschen Telekom   kletterte am Donnerstag Vormittag um 2,8 Prozent auf 8,81 Euro. Die Aktie war gestern im Handelsverlauf auf ein neues Allzeittief von 8,14 Euro gefallen. Telekom-Chef Sommer rechnet mit einer weiteren Konsolidierung in der Branche.

Auch die Papiere von MLP   legten minimal zu. Der Finanzdienstleister war in der jüngsten Vergangenheit selbst wegen angeblicher Bilanztricks in die Schlagzeilen geraten. Defensive Werte wie Fresenius   und Post   standen auf Grund der Umschichtungen wieder auf der Verliererseite.

Sorgen in Finanzbranche

Sogar Finanzwerte wie die Deutsche Bank   und die Commerzbank   gehörten am Donnerstag zu den Gewinnern. Dabei hatte der Finanzsektor an der Wall Street deutlich schwächer geschlossen, da die Banken um ihre Kredite bei WorldCom fürchten müssen. . J.P. Morgan Chase  , Bank of America und Citigroup   gaben gestern nach.

Neuer Markt dümpelt, Lion legt zu

Die Gewinne im Nemax 50 waren am Vormittag mit 3,6 Prozent zwar beachtlich, jedoch blieb der Index weiterhin unter 600 Zählern. Schwergewichte wie T-Online  , Qiagen   und Medion   konnten jeweils rund fünf Prozent zulegen und einen Teil ihrer Verluste der Vorwochen kompensieren. Weiterhin unter Druck stand dagegen EM.TV   .

Einer der größten Gewinner war am Morgen Lion Bioscience   . Der Anbieter von Software für die medizinische Wirkstoffforschung bringt unter dem Namen SRS Evolution eine neue Software für die Pharmaindustrie auf den Markt. Die Software sei gemeinsam mit dem Pharma-Konzern Novartis entwickelt worden.

Das insolvente Softwareunternehmen Biodata gibt seinen Widerstand gegen das Delisting vom Neuen Markt auf und wechselt an den Geregelten Markt. Das laufende Verfahren vor einem Schiedsgericht werde nicht weiter verfolgt, sagte Insolvenzverwalter Fritz Westhelle am Donnerstag in Lichtenfels.

Aufholjagd in New York - Nasdaq im Plus

Wer nach Handelsschluss in den USA auf die Indizes schaute, traute seinen Augen nicht: Grüne Vorzeichen beim Technologieindex Nasdaq Composite (0,4 Prozent), und nur 0,1 Prozent Verlust beim Dow Jones. Zum Börsenschluss in Frankfurt hatten Dow und Nasdaq jeweils noch 1,5 Prozent schwächer notiert.

Zu den größten Gewinnern an der Wall Street zählten am Abend die großen Standardwerte, vor allem aus dem Pharmasektor: Sie haben dafür gesorgt, dass die Wall Street einen der größten Finanzskandale ihrer Geschichte zunächst glimpflich weggesteckt hat. Dickschiffe wie IBM  , Wal-Mart  , Home Depot  , Procter & Gamble, Merck & Co.  , Microsoft   und General Electric   konnten zulegen. Es gab an der New Yorker Börse bei hektischem Handel einen Umsatz von zwei Milliarden Aktien. Das war das höchste Umsatzniveau des Jahres.

WorldCom setzt Finanzwerte unter Druck

Der Telekom-Konzern WorldCom hat Ausgaben in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar als Investitionen deklariert. Damit hatte die Gesellschaft seit Anfang 2001 fiktive Gewinne verbucht. Die US-Telefongesellschaften AT&T und Sprint sollten nach Ansicht von Analysten langfristig von dem Bilanzierungsskandal um den Konkurrenten WorldCom profitieren, da sie Nutznießer der zu erwartenden Kundenabwanderung seien, wenn sich die Insolvenz-Befürchtungen weiter verstärkten.

Finanzwerte standen wegen der Angst über die hohen WorldCom-Verpflichtungen von mehr als 30 Milliarden Dollar unter Druck. J.P. Morgan Chase  , Bank of America und Citigroup   sind die größten Gläubiger von WorldCom. Merrill-Lynch-Analyst Judah Kraushaar schätzt die Höhe der vergebenen Kredite von J.P. Morgan und Citigroup auf 500 Millionen bis eine Milliarde Dollar. Papiere der Citigroup gaben 5,42 Prozent auf 37 Dollar nach, die der Bank of America 3,68 Prozent auf 67,45 Dollar. Aktien von J.P.Morgan Chase verloren 4,37 Prozent auf 31,49 Dollar, obwohl die Bank keine Auswirkung auf das Geschäftsergebnis erwartet.

Ist QWest der nächste?

Die US-Börsenaufsicht SEC hat gegen WorldCom Klage bei einem Bundesgericht wegen Betrugs eingereicht. Mit der Klage solle auch verhindert werden, dass WorldCom im Laufe der Ermittlungen wichtige Dokumente vernichte. Pitt kündigte auch strengere Maßnahmen zur Überwachung der Buchführung in den 1000 größten US-Unternehmen an.

Die SEC hat außerdem den Telekomkonzern Qwest wegen möglicher Buchungstricks im Visier. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtete, prüft die SEC bereits seit April, ob Qwest Einnahmen im Höhe von 1,4 Milliarden Dollar aus dem Verkauf von Kapazitäten aus seinem Glasfasernetz korrekt verbucht hat. Die Aktie verlor, nachdem 85 Millionen Stück umgesetzt waren, 57,28 Prozent und kostete 1,79 Dollar.

Papiere von Micron Technology schlossen am Mittwoch 3,8 Prozent tiefer mit 19 Dollar, nachdem der Chiphersteller mit seinem Quartalsverlust die Erwartungen der Wall Street deutlich verfehlt hatte.

Tokio mit Gewinnen - Euro etwas schwächer

Nikkei legt zu, Euro gibt ab

Die japanische Aktienbörse in Tokio ist am Donnerstag mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 10.261 Zähler aus dem Handel gegangen. Die Erholung in den USA gab den Anlass für Käufe. Der Kurs des Euro hat dagegen leicht nachgegeben: Die Gemeinschaftswährung, die gestern deutlich über 99 US-Cent notierte, war am Donnerstag Mittag 0,9857 Dollar wert.