Börse am Mittag Börsen bleiben im Minus
Frankfurt am Main - Der Schwung vom Morgen ist weg. Dax (minus 1,3 Prozent) und Nemax 50 (minus 0,8 Prozent) bauen ihre Verluste gegen Mittag leicht aus. Zu Handelsbeginn hatten die Wachstumswerte im Nemax 50 mit mehr als zwei Prozent im Plus gelegen.
Zu den Kursgewinnern im Dax gehörte gegen 12.10 Uhr die Aktie des Anlagenbauers Linde. Das Papier verteuerte sich um 1,60 Prozent auf 47,75 Euro. Ein Händler einer Frankfurter Großbank stellte die Gewinne in Zusammenhang mit der am Dienstag bevorstehenden Pressekonferenz. Linde habe Mitte März Zahlen vorgelegt und bereits einen positiven Ausblick für das laufende Jahr gegeben, erklärte er. Der Wiesbadener Konzern rechnet für 2001 mit einer Umsatzsteigerung um acht Prozent auf mehr als neun Milliarden Euro (2000: 8,45 Milliarden Euro) und einer Ergebnisverbesserung, die über die Umsatzzunahme hinausgeht.
Gefragt waren vor allem konservative Werte. Die Aktien des Touristikkonzerns Preussag kosteten zuletzt 37,63 Euro. Das war ein Plus von 2,8 Prozent und damit Platz eins vor Linde. Die Papiere der Deutschen Post verteuerten sich leicht um 1,44 Prozent auf 19,70 Euro. Metro stiegen um rund ein Prozent.
Börsianer sprachen von dünnen Umsätzen. Die Kursverluste der Allianz (minus 2,4 Prozent) und Dresdner Bank (minus 1,1 Prozent) begründete ein Händler unter anderem mit Gewinnmitnahmen. Die Aktien beider Unternehmen waren in der vergangenen Woche gut gelaufen. Nun sicherten sich die Investoren ihre Gewinne.
Von der Dresdner-Bank-Übernahme durch die Allianz profitiere vor allem die Münchener Rück (plus 0,3 Prozent), aber auch die HypoVereinsbank, fügte der Händler hinzu. Die Aktien der HypoVereinsbank drehten nach einem freundlichen Start allerdings ins Minus und lagen zuletzt rund ein Prozent unter ihrem Handelsschluss vom Freitag bei 60,15 Euro.
Die Münchener Rück hatte zudem angekündigt, den Versicherungskonzern Ergo (plus 4,1 Prozent) zu übernehmen. Ziel der Münchener Rück sei es, ihren Aktienanteil von 62,9 Prozent auf bis zu 95 Prozent aufzustocken, sagte ein Sprecher der Ergo Versicherungsgruppe AG am Montag. Außerdem wolle die HypoVereinsbank ihren Ergo-Anteil von 2,7 Prozent auf fünf Prozent erhöhen. Bei einer breiten Annahme des Angebots durch die freien Aktionäre scheide Ergo aus dem M-Dax aus.
Zu den wenigen Gewinnern zählten noch e.on, die um 0,1 Prozent anzogen. Im monatelangen Streit um die Führung des Berliner Energieversorgers Bewag steht eine Einigung bevor. e.on will seinen 49-Prozent-Anteil unter den Hamburger Electricitätswerken (HEW) und dem US-Stromerzeuger Mirant aufteilen. Darauf einigten sich Vertreter von e.on und Mirant. Die endgültige Entscheidung muss aber das Schiedsgericht treffen.
RWE gaben nach, lagen zuletzt aber noch mit 0,5 Prozent im grünen Bereich. "Wie es aussieht, werden die Essener die spanische Hidroelectrica del Cantabrico nicht übernehmen", erklärte ein Frankfurter Händler. Ferroatlantica SL und EnBW (Energie Baden-Württemberg) hätten das RWE-Übernahmeangebot für den spanischen Energiekonzern überboten. Der Markt habe RWE zuvor abgestraft, da der Übernahmepreis als zu teuer empfunden wurde.
Unter den Wachstumswerten im Nemax 50 führten die Papiere von Consors unangefochten die Gewinnerliste an. Die Papiere des Direktbrokers profitierten von Übernahmegerüchten, die Allianz wolle Consors übernehmen. Zuletzt wurde die Aktie mit 28,87 Euro gehandelt. Das ist ein sattes Plus von 18,37 Prozent. Dass der Vorstand der Direktbank den Gerüchten entschieden widersprach, interessierte die Investoren offenbar nicht. Eine Übernahme sei nicht im Gespräch, man werde sich mit allen Mitteln dagegen wehren, hieß es.
Der Börsenneuling und Windkraftanlagen-Hersteller Nordex erwischte am Frankfurter Neuen Markt einen schwachen Start. Nordex erschien nach einem am unteren Ende der Bookbuildingspannne liegenden Ausgabepreis von 9 Euro erstmals auch mit 9 Euro auf der Kurstafel des Neuen Marktes. Gegen Mittag fiel das Papier auf 7,78 Euro.
Die Aktien des Telekomdienstleisters Teldafax waren weiter vom Handel ausgesetzt. Das Unternehmen hat ein Insolvenzverfahren beantragt. Grund sei die drohende Abschaltung ihres Netzes durch die Deutsche Telekom, teilte das am Neuen Markt notierte Unternehmen gegen Mittag in Marburg mit. Ein Insolvenzverwalter solle nun gemeinsam mit dem Teldafax-Hauptaktionär, World Access, zu verhindern suchen, dass die Deutsche Telekom die Telefonleitungen abschaltet. Die Deutsche Telekom habe dem Unternehmen gedroht, die Telefonleitungen zu kappen. Dann könnten ihre Kunden nicht mehr telefonieren. Hintergrund der Androhung der Telekom seien unbezahlte Rechnungen für Mietleitungen.
Die Aktie des Hamburger IT-Unternehmens Systematics kletterte bei vergleichsweise hohen Umsätzen um 6,1 Prozent 33,32 Euro. Der US-Konzern Electronic Data Systems will für 570 Millionen Dollar Systematics übernehmen. Systematics hatte zudem am Morgen die Zahlen für 2000 veröffentlicht und demnach den Umsatz um 118,5 Prozent auf 635 Millionen Euro steigern können. Bereits am Freitag hatte Systematics mehr als sechs Prozent zugelegt.
Internolix gehörte fortgesetzt zu den größten Verlierern, die Aktie rutschte um 52 Prozent auf 3,39 Euro ab, nachdem der Anbieter von Standard-eCommerce-Software vorläufigen Zahlen zufolge im ersten Quartal die eigenen Planungen deutlich verfehlt hat. Statt anvisierten drei Millionen Euro Umsatz seien es wahrscheinlich nur 1,2 Millionen Euro, und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) weise der Meldung zufolge einen Verlust von 7,8 Millionen Euro auf. Am Freitag hatte Internolix mit einem Plus von über 21 Prozent noch zu den großen Gewinnern gehört.