Börse am Mittag: "Brokat wird hingerichtet" - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag "Brokat wird hingerichtet"

An Fronleichnam sind die Umsätze gering. Der Dax ist im Minus. Die Talfahrt von Brokat geht weiter.
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Frankfurt am Main - Nach einem ohnehin schwachen Start gerieten die deutschen Aktienmärkte bis Mittag weiter ins Minus. Viele Investoren sind wegen des katholischen Feiertages Fronleichnam nicht am Start, zahlreiche Banken haben geschlossen. Dies drückt genauso auf die Kurse wie die schwachen Vorgaben der US-Börsen. Der Dax verlor bis zwölf Uhr 1,3 Prozent auf 6034 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax-50 lagen mit mehr als drei Prozent auf 1542 Punkten im roten Bereich.

Die Umsätze seien sehr niedrig, sagte ein Händler und die Nachrichtenlage "mau". Die schwache Wall Street - vor allem die Verluste der Technologiebörse Nasdaq drückten auf die Stimmung. Das zöge vor allem die deutschen High Techs nach unten. Hinzu kam der schlechte Konjunkturbericht der US-Notenbank : Danach hat sich die US-Wirtschaft auch in vergangenen zwei Monaten noch nicht wesentlich erholt.

Während vor dem Börsengebäude in Frankfurt evangelische und katholische Christen Fronleichnam feiern, geht die Talfahrt der Brokat-Aktien weiter. "Die Aktie wird hingerichtet", kommentierte ein Händler die erneuten Kursverluste. Da half auch kein Beten mehr.

Die Papiere des Softwareunternehmens verloren weitere 17 Prozent auf 3,47 Euro. Bereits am Vortag hatte die Aktie rund 29 Prozent verloren. Das Bankhaus Metzler hatte in einer spektakulären Analyse das Kursziel der Aktie auf null Euro festgesetzt und den Anleger empfohlen, das Papier zu verkaufen.

Heute Mittag hatte zudem die britische Ratingagentur Standard & Poor's die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Brokat herabgesetzt. Die Liquidität von Brokat reiche bis Ende des dritten Quartals, erklärten die Analysten.

Die dünne Gewinnerliste im Dax führten die Papiere des Pharmakonzerns Schering mit Aufschlägen von rund einem Prozent auf 64,66 Euro an. Am Vortag hatte das Investmenthaus Goldman Sachs das Papier als "Market Performer" bestätigt. Dahinter standen die Zeichen auf Rot.

Technologiewerte gehören zu den größten Verlierern im Dax. Die Papiere von SAP gaben 3,23 Prozent auf 166 Euro nach. SAP hatte am Vortag von der Nachricht profitiert, dass der Softwarekonzern eine weitreichende Kooperation mit dem amerikanischen Computerriesen IBM eingehen wird. Jetzt drückten Gewinnmitnahmen die Aktie, erklärten Händler. Infineon verbilligten sich um 2,70 Prozent auf rund 38 Euro. Siemens gaben 2,69 Prozent auf 77,80 Euro nach. Schwächster Wert im Dax waren die Aktien des Bauelementeherstellers Epcos mit Kursabschlägen von 3,43 Prozent auf rund 67 Euro.

Die T-Aktie musste nach ihren Zugewinnen am Mittwoch zuletzt rund ein Prozent auf 24,55 Euro abgeben. Die Ratingagentur Moody's hat das langfristige Rating für den Bonner Konzern auf A3 nach vormals A2 abgestuft. Außerdem wurde das kurzfristige Rating auf Prime-2 zurück genommen. Zuvor hatte es hier noch ein Prime-1 gegeben. Beim US-Mobilfunkanbieter Voicestream wurde dagegen das langfristige Rating auf "Baa1" angehoben. Der Rating-Ausblick sei aber negativ. Die Abstufung und der negative Ausblick wurden mit den zu erwartenden finanziellen und Geschäftsrisiken der Deutschen Telekom begründet.

Die Papiere der HypoVereinsbank verbilligten sich um 1,20 Prozent auf 57,80 Euro ab. Die Aktie sei in den vergangenen Tagen "sehr gut" gelaufen, nachdem die Bank Restrukturierungspläne für das Privatkundengeschäfte bekannt gegeben hatte, sagte ein Händler. Nun würden Gewinne mitgenommen. Commerzbank-Papiere verlieren 0,96 Prozent auf rund 29 Euro. Etwas besser stehen die Aktien der Deutsche Bank mit Verlusten von 0,30 Prozent. Die Papiere der Dresdner Bank notierten gegen Mittag nahezu unverändert auf 53,68 Euro.

Metro-Aktien litten unter der Nachricht, dass das Investmenthaus Goldman Sachs den Wert aus dem europäischen Portfolio genommen hat. Das Papier zeigte sich 1,81 Prozent schwächer auf rund 43 Euro. Nach der Gewinnwarnung vom Vortag und Kursabschlägen von knapp fünf Prozent gab die Aktie der Lufthansa am Donnerstag weiter um rund 0,70 Prozent auf 20 Euro nach. Die Commerzbank hat das Papier heute von "halten" auf "reduzieren" abgestuft.

Im Nemax-50 standen mit BB Biotech und Teleplan lediglich zwei Werte leicht im Plus. Dahinter gab es nur noch Verlierer. Allen voran Brokat.

EM-TV-Chef Thomas Haffa ist zuversichtlich, dass sich bei dem kartellrechtlich erforderlichen Verkauf des EM.TV-Anteils an der Tele München Gruppe (TMG) eine Lösung ergibt. In der "Financial Times Deutschland" hatte es geheißen, der Kirch-Einstieg könne an einem Veto des Bundeskartellamtes scheitern, weil sich TMG-Chef Herbert Kloiber weigere, die von EM.TV vorgeschlagenen Kauf-Interessenten zu akzeptieren. Die Aktie von EM.TV verlor zuletzt mehr als sechs Prozent auf 2,81 Euro.