Börse am Mittag Dax geht durch die Decke
Frankfurt am Main -Der Dax baute am Mittag seine Gewinne aus und kletterte um mehr als 4,5 Prozent über 3600 Zähler. Der Nemax 50 reduzierte dagegen seine Gewinne auf 0,5 Prozent und blieb unter 500 Punkten.
Händler erklärten die deutlichen Kursgewinne im Dax quer durch alle Branchen vor allem mit der späten Aufholjagd an der Wall Street. Die Hoffnungen auf eine weitere Leitzinssenkung in der kommenden Woche und deutliche Gewinne bei Cisco Systems im späten Handel hatten Dow und Nasdaq nach oben gezogen.
Der Zahlenreigen von BASF, BMW und Commerzbank hat dann am Donnerstag weitere Käufer hervorgelockt. BASF hat die Erwartungen deutlich übertroffen, BMW bleibt trotz eines schmaleren Vorsteuergewinns auf Rekordkurs, und die Commerzbank legte trotz schwacher Zahlen deutlich zu.
BASF gibt Hoffnung
Der Chemiekonzern BASF hat nach Vorlage sehr guter Zahlen für das zweite Quartal 2002 mehr als vier Prozent zugelegt. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, stieg das Ebit vor Sondereinflüssen im Jahresvergleich um fast zehn Prozent auf 822 Millionen Euro. Der Umsatz stagnierte bei rund 8,4 Milliarden Euro. Als sogenannter "Frühzykliker" ist der Hersteller von Basisstoffen für die Industrie auch ein Indikator für den Verlauf der Konjunktur. Das gute Ergebnis ist ein Hoffnungszeichen. Außerdem kauft der Konzern derzeit im großen Stil eigene Aktien zurück.
Auch die Technologietitel profitierten von der späten Erholung in den USA und den deutlichen Gewinnen bei Cisco. Siemens , Deutsche Telekom und SAP führten mit Gewinnen von jeweils knapp vier Prozent die Technologie-Familie im Dax an.
Commerzbank trotz schwacher Zahlen sehr fest
Auch schlechte Nachrichten aus der Finanzbranche konnten die Stimmung zum Auftakt nicht trüben. Die Commerzbank hat am Donnerstag Morgen einen deftigen Gewinneinbruch gemeldet. Es werde nur bei einem "deutlich günstigeren Marktumfeld" möglich sein, das angestrebte operative Vorsteuerergebnis von 700 bis 800 Millionen Euro in diesem Jahr zu erreichen. Da die Zahlen aber bereits vorher am Markt durchgesichert waren, reagierten die Anleger gelassen. Die Aktie der Commerzbank legte sogar um mehr als vier Prozent zu, da sie im zweiten Quartal mit einem Gewinn von zwei Millionen Euro immerhin noch in den schwarzen Zahlen geblieben ist.
Auch die HypoVereinsbank (HVB) zog um knapp fünf Prozent an. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge hat der Vorstand in einem internen Brief die Verschärfung der Sparmaßnahmen präzisiert. Dazu gehöre auch die Überprüfung von Verlustbringern mit der möglichen Folge eines Verkaufs oder der Schließung von Töchtern, hieß es.
MLP nicht zu bremsen - Sorge bei Versicherern
Die Deutsche Bank profitierte ebenso von der Erholung in der Branche und kletterte um drei Prozent. Größter Gewinner im Dax war erneut der Finanzdienstleister MLP , der erneut knapp zwanzig Prozent zulegte: Nach dem Kurssturz auf unter zehn Euro sehen viele Anleger offenbar den Zeitpunkt zum Einstieg gekommen, zumal die Chancen auf einen Verbleib im Dax nach der jüngsten Rangliste der Deutschen Börse gestiegen sind. Dagegen gab Epcos , der nun Abstiegskandidat Nummer Eins ist, weitere 0,5 Prozent nach.
Auch die Allianz blieb zum Auftakt hinter dem allgemein sehr freundlichen Markttrend zurück und dümpelte weiter unter 130 Euro. Angesichts des Kursverfalls an den Aktienbörsen verlange die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) von den Lebensversicherer Auskunft über mögliche Auswirkungen auf die Ergebnisse 2002, berichtet die "FTD". Mit einem Fragebogen zur finanziellen Situation der Gesellschaften will das BAFin sich einen Überblick über die Problemfälle verschaffen.
BMW steigert Umsatz - Analysten von Ergebnis enttäuscht
Der BMW-Konzern hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr trotz der weltweiten Autoflaute auf einen neuen Bestwert gesteigert. Der Überschuss kletterte um rund acht Prozent auf 1,26 Milliarden Euro, teilte BMW am Donnerstag mit. Der Umsatz verbesserte sich um gut elf Prozent auf 22,4 Milliarden Euro. Analysten hatten jedoch ein besseres Vorsteuer-Ergebnis erwartet - die Aktie notierte mit einem Verlust von 1,5 Prozent gemeinsam mit Epcos am Dax-Ende, war aber bereits im Vorfeld gut gelaufen. Anleger nehmen hier nach dem Motto "sell on good news" Gewinne mit. Die Konkurrenten Volkswagen und DaimlerChrysler legten mit dem freundlichen Markt jeweils 1,5 Prozent zu.
Aixtron und Suess belasten Nemax 50
Neuer Markt: Aixtron und Süss enttäuschen
Der Maschinenbauer Aixtron hat angesichts erneut rückläufiger Auftragseingänge im zweiten Quartal ihre Prognosen für das Gesamtjahr gesenkt. Der Maschinenhersteller für die Halbleiterindustrie rechnet nunmehr mit einem Jahresumsatz von 160 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss wird jetzt bei 20,0 (Vorjahr 33,6) Millionen Euro gesehen, während bisher mit 29 Millionen Euro unter dem Strich geplant worden war. Das Nemax-50-Schwergewicht gab zuletzt 2,4 Prozent auf 6,10 Euro nach.
Süss Microtec bricht ein
Auch Süss Microtec schätzt die Geschäftsaussichten für 2002 nach dem ersten Halbjahr schlechter ein, als noch zum Ende des ersten Quartals erwartet worden war. Im ersten Halbjahr hat die Gesellschaft einen Nettoumsatz von 56,4 (102,5) Millionen Euro verbucht, das Nettoergebnis betrug minus sechs Millionen Euro. Die Aktie brach im frühen Handel um rund 20 Prozent ein.
Zu den größten Gewinnern im Index zählten am Vormittag Balda und Thiel Logistik , die ihre Erholung mit Gewinnen von jeweils sieben Prozent fortsetzten.
Wall Street: Rallye in letzter Handelsstunde
Wall Street: Rallye in letzter Handelsstunde
Die US-Börsen sind gestern nach Börsenschluss in Deutschland deutlich ins Plus gedreht. Die Kursgewinne bei Cisco auf Grund der guten Zahlen und Hoffnungen auf eine Leitzinssenkung der Notenbank lockten Käufer am späten Abend zurück in den Markt. Bei hohen Umsätzen beendete Cisco den Handelstag in New York mit einem Plus von 7,6 Prozent. Der Konzern hat das Volumen seines Aktienrückkaufprogramms fast verdreifacht.
Warten auf die Notenbank - immense Schwankungen
Der Dow Jones, der zum Börsenschluss in Frankfurt noch leicht im Minus tendiert hatte, kletterte im späten Handel um 182 Punkte und schloss mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 8456 Zähler. Auch der Nasdaq Composite beendete die späte Rallye mit einem Plus von 1,7 Prozent. Damit ist der Dow Jones den zweiten Tag hintereinander um mehr als hundert Punkte geklettert.
Die Nachricht, dass die US-Konsumentenkredite im Juni gestiegen sind, stärkte den Optimismus und zwang Leerverkäufer dazu, ihre offenen Positionen einzudecken, sagten Händler. Die Volatilität in den Indizes ist sehr hoch. Vor der US-Notenbanksitzung in der kommenden Woche bleibt die Nervosität groß. Volkswirte halten bis Ende des Jahres Zinsabschläge bis auf ein Prozent für denkbar, um den stotternden Konjunkturmotor wieder in Fahrt zu bringen. Allerdings sind die Tagesgeld-Zinsen mit 1,75 Prozent bereits auf dem niedrigsten Niveau seit 40 Jahren Außerdem müssen Unternehmensvorstände ab 14. August ihre Bilanzen beeiden - Anleger halten sich vor diesem Stichtag mit Käufen zurück.
Cisco zieht Hightechs mit
Die Rallye bei Cisco zog jedoch auch andere Technologietitel mit. Der Chiphersteller Intel und der PC-Hersteller IBM kletterten um jeweils rund drei Prozent. Auch die Schwergewichte Microsoft , Oracle und Dell gingen mit Gewinnen aus dem Handelstag. Dagegen setzte Tyco International seine Talfahrt fort, nachdem neue Millionen-Zuwendungen an Ex-Firmenchef Koslowski bekannt geworden waren.
Die Sorge, die Finanzkrise in Brasilien werde wie in Argentinien außer Kontrolle geraten und die Weltbörsen belasten, hat sich ein wenig gemindert. Der Internationale Währungsfonds hat einem neuen so genannten Stand-by-Kredit für Brasilien über insgesamt 30 Milliarden US-Dollar zugestimmt.
Tokio schwächer, Euro unter 98 US-Cent
Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag trotz der guten US-Vorgaben schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte ging 0,4 Prozent schwächer bei 9799 Punkten aus dem Handel. Der Euro notierte im frühen Geschäft fester mit 0,9762-66 Dollar gehandelt.