Börse am Mittag: Dax hält sich wacker - DER SPIEGEL
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Börse am Mittag Dax hält sich wacker

Vor neuen US-Konjunkturdaten fährt der Dax Achterbahn. SAP dagegen leidet unter negativen Analystenkommentaren.
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Frankfurt - Der Dax notierte gegen Mittag dank deutlicher Aufschläge bei Autowerten und einer anziehenden T-Aktie   gegen zwölf Uhr wieder mit rund einem halben Prozent im Plus auf 3038 Zähler. Am Neuen Markt zogen sich die Anleger weiter zurück. Der Nemax 50 fiel um 1,2 Prozent auf 362 Punkte. Das Segment wird nach Plänen der Deutschen Börse spätestens bis Ende kommenden Jahres aufgelöst.

Nur wenig Zuversicht im Markt

"Es fehlt die Zuversicht im Markt", sagte der Aktienhändler Oliver Hauer von M.M. Warburg. "Das liegt immer noch am drohenden Irak-Krieg und den schwachen Gewinnerwartungen der Unternehmen." Andere Marktteilnehmer ergänzten, auch Spekulationen um mögliche Steuererhöhungen der gerade bestätigten rot-grünen Regierung würden am Markt negativ aufgenommen. Im Mittelpunkt des Handels standen auch die kleineren Werte MobilCom   und Gerry Weber  . Für den Nachmittag wurden neue Daten zum endgültigen US-Verbrauchervertrauen des Monats September erwartet.

SAP-Aktien stehen unter Druck

Unter Abgabedruck standen die Aktien von SAP  , die sich zuletzt noch um zwei Prozent verbilligten auf knapp 48,15 Euro. Zeitweilig hatten die Verluste mehr als vier Prozent betragen. Aktienhändler Hauer sagte, man höre derzeit viele schlechte Nachrichten um den US-Softwarehersteller Commerce One, an dem SAP beteiligt ist. "Eine Auftragsbesserung scheint mir bei Commerce One nicht in Sicht zu sein und das belastet auch SAP." Zudem senkten die Analysten von Merrill Lynch ihre Gewinnschätzungen für SAP um zehn Prozent für 2002 und um 14 Prozent für 2003.

Unter Abgabedruck standen auch Infineon  , die 2,50 Prozent verloren und Epcos  , die sich um 1,50 Prozent auf 8,42 Euro verbilligten. Lehman Brothers hatte zuvor das Kursziel für die Epcos-Aktie auf 9,50 von 22 Euro gesenkt.

Hatten sich Versicherungswerte zu Handelsbeginn noch schwächer präsentiert, waren Allianz   und Münchener Rück   gegen Mittag jeweils mit rund 0,70 Prozent ins Plus gedreht. Allianz-Papiere hatten am Vortag mehr als fünf Prozent verloren. Händlern zufolge hatte das Papier unter negativen Analystenkommentaren und vagen Gerüchten um eine Platzierung von Aktien gelitten.

Autowerte ziehen erneut an

Gefragt waren Autowerte. BMW   und DaimlerChrysler   gewannen jeweils rund zwei Prozent und zählten damit zu den stärksten Werten im Dax. "Der Automobilsalon in Paris stimuliert den Markt und führt zu Käufen", sagte ein Händler. Die deutschen Automobilhersteller hatten sich am Vortag positiv zu ihren Geschäftserwartungen geäußert.

BMW will indes sein US-Montagewerke in Spartanburg offenbar für 400 Millionen Dollar erweitern und dabei 400 neue Stellen schaffen. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Gouverneurs von South Carolina, Jim Hodges, vom Donnerstag hervor, in der dieser 60 Millionen Dollar bundesstaatliche Mittel für Straßenbaumaßnahmen und für den Bau eines Universitätsgebäudes für automobile Studiengänge in diesem Zusammenhang ankündigt. BMW-Vorstand Helmut Panke hatte im August angekündigt, das BMW die Produktion in dem Werk auf 150.000 von 120.000 Einheiten im Jahr erhöhen will.

Die Aktie der Deutsche Telekom   zog um 1,30 Prozent auf 9,74 Euro an. Das Unternehmen geht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" weiter davon aus, dass es an heute vier konkrete Angebote von Kaufinteressenten für ihre sechs regionalen Fernseh-Kabelnetze geben wird. Bei der Telekom erwarte man, dass der Marktwert der Netze etwa zwischen 2,5 Milliarden und drei Milliarden Euro liege, berichtet das Blatt in seiner Freitagausgabe. An diesem Freitag endet die Abgabefrist für Offerten. Gerry Weber fällt nach Umsatzwarnung

Im MDax fielen Gerry Weber  -Papiere um mehr als sieben Prozent auf 6,60 Euro, nachdem der Textilhersteller seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr erneut gesenkt hat. "Die Umsatzwarnung kommt überraschend", sagte HSBC-Analyst Nils Lesser. "Außerdem haben sie kein Wort zum Auftragseingang gesagt. Beide Tatsachen sind für den Kursverlust verantwortlich." Im kommenden Geschäftsjahr 2002/03 werde der Umsatz nicht wachsen, weswegen auch keine großen Kurssprünge zu erwarten seien.

Mobilcom-Pläne kommen bei der Börse an

Am Neuen Markt waren dagegen die Anteilsscheine des angeschlagenen Mobilfunkunternehmens MobilCom gefragt, die in der Spitze um bis zu 14 Prozent kletterten. Der Konzern will im Zuge seines Sanierungsplanes 1850 Vollzeitstellen abbauen und jährlich Einsparungen in Höhe von 130 Millionen Euro realisieren. Außerdem werde Mobilcom den gegenwärtigen UMTS-Netzaufbau einfrieren.

"Dennoch bleibt MobilCom mehr oder weniger pleite. Und ein Investment an der Börse ist daher ein spekulatives Spiel, das sehr riskant ist", sagte der Aktienhändler Björn Wystrach von der Helaba in Frankfurt.

Die FTD hatte zuvor berichtet, dass eine Insolvenz des Telekom-Unternehmens zum zweiten Mal nur knapp abgewendet worden sei. Die wichtigsten Gläubigerbanken haben demnach die Fälligkeit von Krediten im Volumen von 4,7 Milliarden Euro bis Ende Oktober verlängert.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss im Plus. Der Nikkei gewann 2,3 Prozent auf 9530 Punkte hinzu.